KSC: Achterbahnfahrt bringt einen Punkt

Karlsruhe (BT) – Fußball-Zweitligist Karlsruher SC hat nach unterhaltsamen 90 Minuten am Samstagabend 2:2 gegen den Tabellenzweiten Darmstadt gespielt – und überzeugte dabei im neuen 4-4-2-System.

Erzwingt das Eigentor von Klaus Gjasula (links) und erzielt selbst den 2:2-Ausgleich: Fabian Schleusener. Foto: Markus Gilliar/GES

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Erzwingt das Eigentor von Klaus Gjasula (links) und erzielt selbst den 2:2-Ausgleich: Fabian Schleusener. Foto: Markus Gilliar/GES

Torsten Lieberknecht war nicht nur von dem Spiel angetan, das seine Mannschaft und die des Karlsruher SC am Samstagabend hingelegt hatten. Auch von den Worten, die sein Kollege Christian Eichner auf dem Pressepodium gewählt hatte, zeigte sich der Trainer des SV Darmstadt 98 beeindruckt. Lieberknecht wäre sogar so weit gegangen, von „mit der besten Pressekonferenz von einem Gästetrainer“ zu sprechen, die er je gehört habe – wenn, ja wenn Eichner diesen einen Satz weggelassen hätte. Eichner hatte vermutet, der KSC könne besser mit dem 2:2 (0:1) leben als der Gegner.

Lieberknecht bezweifelte dies, betonte aber, Eichner habe in seiner Spielanalyse „alles auf den Punkt gebracht“. Vor allem hatte der Coach der Badener, die in der Zweitliga-Tabelle Rang zehn behauptet haben, die Bedeutung der ersten Minuten nach der Pause hervorgehoben. Auch am Sonntag ärgerte sich Eichner noch über jene Phase nach Wiederbeginn, zumal diese kein Einzelfall gewesen sei. Zuvor hatte er seine Spieler im Wildpark zu einer regenerativen Einheit versammelt, die Philipp Hofmann und Markus Kuster wegen einer Erkältung verpassten. Während Ersatztorhüter Kuster voraussichtlich am Dienstag im Achtelfinale des DFB-Pokals wie schon in Darmstadt von Niklas Heeger vertreten wird, machte sich Eichner am Sonntag in Bezug auf Hofmanns Mitwirken gegen 1860 München keine größeren Sorgen.

KSC verschläft Start in Halbzeit zwei

Die wilde Dynamik, die das Spiel in Darmstadt vor allem in der Schlussphase erhalten hatte, führte Eichner ursächlich auf den verschlafenen Restart seines Teams zurück. „Bei uns ist das dann so, dass alle in den Seilen hängen und wir das kollektiv nicht mehr so gut hinbekommen“, meinte der KSC-Coach und verwies auf die Folgen: „Der Gegner hat dann auf einmal eine breite Brust und wir sind so ein bisschen aus dem Spiel.“

Dabei hätten die Karlsruher, die ohne den nicht im Kader berücksichtigten Dominik Kother ans Böllenfalltor gereist waren, durchaus Grund gehabt, den zweiten Durchgang selbstbewusst anzugehen. Der KSC hatte sich in einem 4-4-2-System mit Philipp Hofmann und Fabian Schleusener als Doppelspitze zunächst nicht nur erfolgreich der Darmstädter Offensivwucht erwehrt, sondern nach einem von Schleusener erzwungenen Eigentor des Lilien-Kapitäns Klaus Gjasula (22.) im Anschluss an einen Freistoß von Marvin Wanitzek sogar eine Führung mit in die Kabine genommen.

Doch die war bald schon dahin. Nach einem Eckball von Tobias Kempe traf Gjasula erneut, diesmal per Kopf ins richtige Tor, was KSC-Kapitän Jérome Gondorf trotz massiven Körpereinsatzes nicht verhindern konnte (48.). Und keine drei Minuten später spielte Luca Pfeiffer auf links Fabian Holland frei, der gegen den zögerlich agierenden Ricardo van Rhijn den linken Hammer auspackte und den Ball im langen Eck versenkte. In der Folge hatten es die Gäste ihrem gut aufgelegten Torhüter Marius Gersbeck und der Unentschlossenheit von Marvin Mehlem (56., 57.) zu verdanken, dass nicht schon kurz darauf eine Vorentscheidung fiel.

Schleusener: „Das war sehr, sehr knapp“

Auch in der Schlussphase waren die Lilien bei Chancen von Mathias Honsak (77., 78., 81.) und Thomas Isherwood (84.) dem dritten Treffer ganz nah. Zu diesem Zeitpunkt stand es 2:2, nachdem sich der KSC zurückgearbeitet hatte und durch Fabian Schleusener nach starker Vorarbeit von Lucas Cueto zum Ausgleich gekommen war (71.). Auch am letztlich nicht gegebenen 3:2 (74.) war Hofmanns Sturmpartner beteiligt gewesen. Doch Schiedsrichter Deniz Aytekin verweigerte dem Treffer nach längerer Prüfung durch den Videoassistenten Pascal Müller die Anerkennung, weil Schleusener bei Wanitzeks Pass hauchdünn im Abseits gestanden hatte. „Das war wirklich sehr, sehr knapp“, meinte Schleusener. Der Stürmer vergaß allerdings ebenso wenig zu erwähnen, dass auch seine Mannschaft in einigen Szenen Glück gehabt hatte. Die Darmstädter Chancen hätten für mehr als zwei Tore reichen müssen.

Während für die Karlsruher nun bereits am Dienstag das Pokalspiel in München ansteht, ist Lieberknechts Team erst wieder am Wochenende in der Liga gefordert. Wie schnell man an der Grünwalder Straße straucheln kann, wissen die Darmstädter nur zu gut: In Pokalrunde eins hatte sie gegen die Löwen im Elfmeterschießen verloren. Eichner erwartet gegen den Drittligisten jedenfalls erneut „ein enges Spiel“.

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Marius Bücher

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Erstellt:
16. Januar 2022, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 19sec

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