KSC: Entscheidung naht

Karlsruhe (ket) – Der Machtkampf beim Fußball-Zweitligisten Karlsruher SC spitzt sich zu. Das „Bündnis KSC“ hat mittlerweile sechs Millionen Euro hinterlegt. Doch Präsident Wellenreuther sieht seine Bedingungen nicht erfüllt.

„Im Wesentlichen sind meine Bedingungen nicht erfüllt. Da wird versucht zu verschleiern, wer welche Aktienanteile hält“: KSC-Präsident Ingo Wellenreuther. Foto: Prang/GES

© GES/Helge Prang

„Im Wesentlichen sind meine Bedingungen nicht erfüllt. Da wird versucht zu verschleiern, wer welche Aktienanteile hält“: KSC-Präsident Ingo Wellenreuther. Foto: Prang/GES

Die Zeit schreitet voran und wird folglich drängender, eine finale Entscheidung im großen KSC-Krimi war indes auch am Mittwoch noch nicht absehbar oder gar gefallen. „Es gibt keinen neuen Stand, der zu kommunizieren wäre“, sagte Michael Becker, Geschäftsführer des Fußball-Zweitligisten Karlsruher SC, am frühen Abend gegenüber dieser Zeitung, verbunden mit dem Hinweis, zwischen den beiden Parteien, also dem Rechtsberater des „Bündnis KSC“ sowie jenem von KSC-Präsident Ingo Wellenreuther, flögen die E-Mails im Viertelstundentakt hin und her.

Eine Woche ist es jetzt her, dass sich ein „Bündnis KSC“ nennender Zusammenschluss regionaler Unternehmer und Privatmänner via Rechtsanwalt bekannt gegeben hat, über den Kauf von Aktien der GmbH & Co. KGaA sechs Millionen Euro bereitzustellen, um die im Raum stehende Privatinsolvenz zu verhindern. Einzige Bedingung: Der Rücktritt von Vereinsboss Ingo Wellenreuther.

Der tat in Folge zwar kund, sich einen Rücktritt vom hohen Amt zum Wohle des KSC tatsächlich vorzubehalten, verband dies aber seinerseits an Forderungen. „Unsere Seite wird sich fairen Gesprächen nicht verschließen“, hieß es in einem am späten Freitagabend von Wellenreuthers Anwalt Prof. Dr. Georg Streit aus München verfassten Schreiben. Zuvor freilich sollten alle Mitglieder des Bündnisses KSC („bitte keine Strohleute“) benannt werden, zum anderen deren Letters of Intention (Absichtserklärungen) über sechs Millionen Euro vorgelegt und auf ein Treuhandkonto einbezahlt werden, damit dem KSC das Geld umgehend zufließen kann, sollte eine Einigung gefunden werden. Von Wellenreuther zudem gefordert: Die Vorlage eines Konzepts des Bündnisses für den KSC.

Wellenreuther: GbR diene offenbar „der Verschleierung“

Dass das Bündnis am Dienstagabend auch die drei noch fehlenden Namen der insgesamt neun Mitglieder benannt hatte (wir berichteten), sah Wellenreuther nicht als ausreichende Information an. „Im Wesentlichen sind meine Bedingungen nicht erfüllt“, stellte er gestern Nachmittag fest. Nach wie vor sei schließlich nicht klar, „wer wie viel Geld aufbringt, ob es sein eigenes Geld ist und ob das Geld schon einbezahlt wurde“. Wellenreuthers Vermutung: „Da wird versucht zu verschleiern, wer welche Aktienanteile hält.“ Auch die „Gesellschaft bürgerlichen Rechts“ (GbR), die das Bündnis gegründet hat, diene laut Wellenreuther offenbar „der Verschleierung“. Zudem stelle sich nach wie vor die Frage: „Wer ist eigentlich Treuhänder und auf welches Konto wird das Geld einbezahlt.“

Auch diese scheint mittlerweile freilich beantwortet. „Die finanziellen Aspekte sind alle geklärt“, sagte Toni Iemboli, einer der „Bündnis“-Gesellschafter, jedenfalls am frühen Abend. Soll heißen: Die sechs Millionen Euro sind laut Iemboli mittlerweile auf das GbR-Konto einbezahlt, eine Bankbescheinigung liege vor, das Geld soll heute Vormittag auf ein Treuhandkonto überwiesen werden. Dass gewisse Formalien mittlerweile erfüllt sind, bestätigte auch KSC-Geschäftsführer Michael Becker: „Aus Sicht der KGaA sind die rechtlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen mit dem Bündnis KSC im Wesentlichen geklärt“, ließ er wissen.

Mitgliederversammlung am Freitag

Damit ist mittlerweile doch einiges Licht ins anfängliche Dunkel des Bündnisses gekommen. Ob es Wellenreuther schon hell genug ist, muss sich weisen. Fest steht: Die Zeit drängt. Am Freitag sollen ab 18 Uhr die KSC-Mitglieder auf einer virtuellen Mitgliederversammlung darüber entscheiden, ob der Verein gegebenenfalls Insolvenz anmelden soll. Spätestens während dieser Versammlung wird Wellenreuther erklären müssen, ob er zum Rücktritt bereit ist oder nicht.

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13. Mai 2020, 21:30 Uhr
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