KSC: Gersbeck hält Punkt gegen Aue fest

Karlsruhe (ket) – Der Heimfluch des Karlsruher SC in Liga zwei hält weiter an: Am Montagabend kam die Eichner-Elf im zweiten Spiel nach der Quarantäne gegen Erzgebirge Aue nur zu einem 0:0.

Abgekämpft: Marvin Wanitzek (links) und Jerôme Gondorf nach dem 0:0 am Montagabend gegen Erzgebirge Aue. Foto: Helge Prang/GES

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Abgekämpft: Marvin Wanitzek (links) und Jerôme Gondorf nach dem 0:0 am Montagabend gegen Erzgebirge Aue. Foto: Helge Prang/GES

Philipp Riese kratzte die letzten Reste an Kraft und Konzentration zusammen, das war leicht zu erkennen. Fokussiert platzierte er den Ball zum Freistoß, ruhig und konzentriert machte er sich zu dessen Exekution bereit. Die Nachspielzeit war bereits angebrochen, es würde die letzte Chance für seine Mannschaft, den FC Erzgebirge Aue, sein.

Riese war sich dessen bewusst – und er nutzte diese letzte Chance so gut er konnte. Richtig klasse schlenzte er den Ball um die Mauer – und doch wurde ihm und den Seinen der finale Tor- und Siegesjubel verweigert. Marius Gersbeck war aus Auer Sicht der Spielverderber. Denn so gut und platziert Riese auch geschossen hatte, für den Keeper des Karlsruher SC war es nicht gut und platziert genug – und so endete die Partie am Montagabend zwischen dem KSC und Aue wie sie begonnen hatte: 0:0.

Choi und Hofmann verletzt

So schnell kann es im Fußball gehen: Am Freitag hatte Gersbeck mit einem Patzer gegen Würzburg ebenfalls in letzter Minute noch den schon sicher geglaubten Heimsieg verdaddelt, nun, gegen Aue, war er der Punktgarant. Über die Freude darüber legte sich freilich auch ein Schatten: Zum einen war es wieder nichts geworden mit dem ersten Heimsieg der Badener seit dem 27. Januar. Zum anderen verlor der KSC sowohl Kyoung-Rok Choi als auch Philipp Hofmann verletzungsbedingt.

Die von Eichner angekündigten Wechsel zu Spielbeginn waren eher moderat ausgefallen: Sebastian Jung gab anstelle von Marco Thiede etwas überraschend sein Startelfdebüt auf der rechten Abwehrseite, Malik Batmaz wiederum fand zentral Verwendung, Tim Breithaupt blieb somit nur ein Plätzchen auf der immerhin von der Sonne beschienenen Ergänzungsspielerbank.

Größere Probleme wie von KSC-Trainer Christian Eichner im Vorfeld der Partie grinsend angekündigt bereitete das Dirk Schuster und seiner Mannschaft freilich nicht. Aue erwischte den besseren Start – und konnte auch die ersten Chancen für sich verbuchen. So kam nach vier Minuten Florian Krüger auf der linken Seite zu einem Schuss aus 16 Metern, der allerdings in den Armen von Gersbeck landete. Zwei Minuten später hatte der auch an einem Kopfball von Pascal Testroet nach einer Flanke des Ex-Karlsruhers Nazarov noch die Finger dran.

KSC erwischt besseren Start in Hälfte zwei

Die Gäste aus dem Erzgebirge agierten variabel und clever, den Gastgebern aus dem Badischen blieb meist nur das Nachsehen. Eigene Akzente nach vorne blieben ihnen zunächst verwehrt. Der erste gelang Kyoung-Rok Choi entsprechend per Einzelaktion. In der 13. Minute zog er von der rechten Seite nach innen und von dort aus rund 15 Metern aufs linke Toreck ab. FC-Keeper Philipp Klewin konnte den Ball gerade noch um den Pfosten lenken. Für Choi war es gleichsam die erste und letzte gefährliche Szene am Montag. Bereits im Vorfeld hatte er über muskuläre Probleme geklagt, nun begann er leicht zu humpeln. In der 27. Minute musste er durch Benjamin Goller ersetzt werden.

Der KSC hatte es zu diesem Zeitpunkt immerhin geschafft, sich spielerisch auf Augenhöhe zu den zuvor spielbestimmenden Gästen zu hieven. Munter hin und her ging es nun bis zur Halbzeitpause, so wie man es im Duell zweier Teams, die nichts mehr zu verlieren haben, im besten Fall hatte erwarten können. Zwingende Chancen ergaben sich daraus freilich auf beiden Seiten nicht.

So ging der KSC mit einem 0:0 in die Pause – und kam ohne Philipp Hofmann aus dieser wieder heraus. Auch der KSC-Stürmer war zuvor bereits humpelnd beobachtet worden, nun half auch all sein Auf-die-Zähne-Beißen nicht mehr weiter. Babacar Guèye kam an seiner statt.

Profidebüt für Dejan Galjen

Aus dem Konzept ließen sich die Badener davon nicht bringen, vielmehr waren sie es nun, die den besseren Start erwischten. So fing Goller einen Fehlpass von John Patrick Strauß ab, legte sich den Ball in der Folge aber auch etwas zu weit vor, was es Klewin erneut erlaubte, zu klären (48.). Zwei Torversuche von Gondorf (nach Batmaz-Flanke/54.) und Wanitzek (aus der Distanz/54.) gingen mehr oder weniger knapp daneben. Von Aue war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr viel zu sehen, fast schien es, als habe sich die Schuster-Elf schon in den Feierabend verabschiedet, zumindest was ihr Spiel nach vorne anbelangte.

Auch Christian Eichner schaltete in der 70. Minute zumindest in eine Art Schon-Modus, was sich darin zeigte, dass er Batmaz durch U-19-Kicker Dejan Galjen ersetzte, der so sein Profidebüt feierte. Als Signal, schon all zu früh all zu zufrieden mit dem Arbeitsertrag zu sein, wertete seine Mannschaft dies freilich nicht. Weiter spielte sie auf Heimsieg. Indes: Auch am Montagabend sollte ihr dieser verweht bleiben. Viel mehr als ein straffer Freistoß von Philip Heise (79.) sollte der Eichner-Elf trotz ihrer Bemühungen nicht mehr gelingen. Gersbeck verhinderte dann wenigstens ein böses Erwachen.

Stimmen zum Spiel

Philip Heise (KSC-Linksverteidiger): „Momentan ist etwas der Wurm drin. In der letzten Linie kommen wir zu selten zum Abschluss. Nur mit Hoffi allein können wir keine Tore schießen.“

Jerôme Gondorf (KSC-Kapitän): „Wir müssen im letzten Drittel besser, zielstrebiger werden. Wir haben in der Offensive viele junge Spieler, die ihr erstes oder zweites Profijahr haben, denen muss man auch manche Aktion verzeihen und nachsehen. Was Einsatz, Leidenschaft und Wille angeht, kann man der Mannschaft auch heute null vorwerfen. Ich bin hochzufrieden, wie wir aus der Quarantänezeit gekommen sind. Wir sind ganz ordentlich marschiert, haben keinen Meter weniger gemacht als sonst. Gut essen, schlafen, schlafen, schlafen, dann regenerieren und schon sind wir wieder in Hamburg. Da wartet dann eine Mammutaufgabe auf uns.“

Sebastian Jung (KSC-Rechtsverteidiger): „Ich bin zufrieden, dass ich 90 Minuten gespielt habe und endlich wieder auf dem Platz stehe. Wenn ich bisschen mehr Rhythmus habe und noch fitter werde, kann es noch viel besser werden. Heute war es ein harter Kampf gegen Aue. Am Ende hatten wir etwas Glück. Nach der Quarantäne und dem Freitagsspiel können wir mit dem Punkt zufrieden sein.“

Christian Eichner (KSC-Trainer): „Auch bei mir erlebt man einen zufriedenen KSC-Trainer heute, der stolz auf diese Mannschaft ist. Wir haben uns als Gruppe ins Spiel gekämpft, haben dann auch besser Fußball gespielt von hinten raus. Wir mussten mit den Verletzungen zwei enorme Rückschläge verkraften. In den letzten zehn Minuten hatten wir das nötige Quäntchen und Marius Gersbeck.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Frank Ketterer

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Erstellt:
26. April 2021, 22:27 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 17sec

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