KSC: Gondorf ist stolz, Gordon mahnt

Leverkusen (rap) – Nach dem Pokal-Coup in der zweiten Runde des DFB-Pokals schwärmt KSC-Kapitän Gondorf von seinem Team. Oldie Gordon hat dagegen bereits wieder die Liga im Blick – und mahnt.

„Ich bin stolz auf die Jungs“: KSC-Kapitän Jerôme Gondorf (links) nach dem 2:1-Pokalsieg gegen Bayer Leverkusen. Foto: David Inderlied/dpa

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„Ich bin stolz auf die Jungs“: KSC-Kapitän Jerôme Gondorf (links) nach dem 2:1-Pokalsieg gegen Bayer Leverkusen. Foto: David Inderlied/dpa

Jerôme Gondorf machte nach einem denkwürdigen Pokalabend vor laufender Fernsehkamera eine bemerkenswerte Liebeserklärung. „Ich bin stolz auf die Jungs, weil ich ganz genau weiß, was ich an dem Verein hab‘, was ich an den Jungs hab‘“, sagte der Kapitän des Karlsruher SC. Mit jedem Wort, ja sogar jeder Silbe schwoll die Brust des 33-Jährigen Zentimeter um Zentimeter nach dem wilden Pokalritt samt 2:1-Sensationssieg gegen den Bundesligisten Bayer Leverkusen vor Stolz. Durch den Achtelfinaleinzug fließen zudem weitere 515.000 Euro in die stets klamme KSC-Kasse.

Es mache, betonte Gondorf, jeden Tag Spaß mit seinen Teamkameraden. „Jeder ist richtig klar im Kopf, weiß, was er für Schwächen und Stärken hat und versucht, diese einfach einzubringen. Es ist gefühlt wie eine Familie auf beruflicher Basis. Dadurch ist jedes Erfolgserlebnis einfach wunderschön“, gab Gondorf eines der Erfolgsgeheimnisse preis, seit Christian Eichner im Februar 2020 das Traineramt von Alois Schwartz übernommen und binnen kürzester Zeit eine verschworene Einheit geformt hatte. „Wir sind eine gewachsene Truppe, wo der eine für den anderen alles gibt auf dem Platz, wo Fehler ausgemerzt werden vom Mitspieler. Nur so geht’s, nur so können wir in der Lage sein, Spiele zu gewinne, egal ob in der Saison oder im Pokal“, erklärte der KSC-Kapitän.

Hofmann betreibt Eigenwerbung

Den Beweis dafür lieferten die Badener am Mittwochabend in der BayArena, wieder einmal schlug Mentalität Qualität. Dass der Bundesligist dem Zweitligisten spielerisch überlegen war? Geschenkt. Dass der KSC von der katastrophalen Chancenverwertung der Werkself profitierte? Versteht sich von selbst. Doch die Eichner-Elf hielt mit einer leidenschaftlichen Performance dagegen, begann mutig – was prompt mit der frühen Führung durch Lucas Cueto (4.) belohnt wurde – und lieferte (nach anfänglichen Problemen) Leverkusen einen richtigen Pokalfight. In der Defensive war Daniel Gordon, der Oldie im Team, Turm und Kopf in der Abwehrschlacht, im Mittelfeld liefen sich Gondorf, Tim Breithaupt sowie Marvin Wanitzek die Hacken wund, so dass das Bayer-Kombinationsspiel mit zunehmender Zeit immer mehr stockte. Und vorne trat Philipp Hofmann eindrucksvoll den Beweis an, dass er selbst für einen Nationalspieler ganz schön eklig zu bespielen ist. Denn Jonathan Tah hatte mit dem 1,96-Meter-Hünen gehörige Probleme, verlor zahlreiche Duelle – ob in der Luft oder an Land. Das dürfte freilich auch der eine oder andere Bundesliga-Scout in seinen Notizblock notiert haben – und die anvisierte Vertragsverlängerung erschweren.

Gordon: „Brauchen nicht lange feiern“

„In der Summe sind alle Zutaten im Topf gewesen, die du benötigst, um so eine Sensation zu schaffen“, sagte KSC-Coach Eichner: „Spielverlauf auf deiner Seite, den Gegner zu langsamem Spiel gezwungen und das notwendige Quäntchen Glück gehabt, der Gegner hat ja reihenweise Topchancen vergeben.“ Gar ein Extralob verteilte der Übungsleiter an sein Team. Nach dem Ausgleich durch Jeremie Frimpong (54.) habe sich seine Mannschaft „herausragend gewehrt“ und den Patzer von Bayer-Keeper Lukas Hradecky, der den Ball vor dem 2:1 (63.) direkt in die Füße von Kyoung-Rok Choi gespielt hatte, durch mutiges Pressing „erzwungen“.

Trotz aller Freude richtete Gordon den Blick gleich wieder nach vorne. „Ehrlich gesagt brauchen wir gar nicht lange feiern“, mahnte der 36-Jährige direkt. Mit dem SC Paderborn warte am Sonntag ja schon „der nächste schwere Gegner“. Und eben der nächste Charaktertest nach so einer berauschenden Pokalnacht – dann mit schweren Beinen.

Ihr Autor

BT-Redakteur Christian Rapp

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Erstellt:
28. Oktober 2021, 15:51 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 44sec

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