KSC-Haupttribüne: Abriss beginnt

Von Christian Rapp

Karlsruhe (rap) – Die Tage der Haupttribüne im Karlsruher Wildparkstadion sind gezählt: Am Donnerstag starten die Abrissarbeiten des prägnanten Bauwerks, die bis Ende Februar dauern sollen.

KSC-Haupttribüne: Abriss beginnt

Bald Geschichte: Zuerst werden ab heute die roten Stahlträger der Haupttribüne abgerissen. Bis Ende Februar soll sie dann komplett zurückgebaut sein. Foto: Christian Rapp

Gemütlich zieht der städtische Greenkeeper an diesem diesigen, wolkenverhangenen Morgen auf dem Rasenmäher seine Runden durch den Wildpark. Im Hintergrund thront die altehrwürdige Haupttribüne, die bei so manchem KSC-Triumph – man denke nur an das 7:0-Wunder im November 1993 im UEFA-Cup gegen den FC Valencia –, aber auch bei vielen bitteren Niederlagen und Abstiegen stiller Zeuge gewesen war. Die Tage des prägnanten Bauwerks mit der auffälligen Dachkonstruktion sind nun gezählt, ab Donnerstag rollen die Bagger an: Im Zuge des Stadionneubaus wird die Haupttribüne abgerissen.

Auch bei Werner Merkel schwingt ein wenig Wehmut mit, wenn er vor der Tribüne steht. „Eingeweiht wurde sie im Sommer 1993 mit einem 3:0-Sieg gegen Borussia Dortmund“, erinnert sich der Leiter des städtischen Eigenbetriebs Fußballstadion im Wildpark (Eibs). Die damaligen Torschützen für die Elf von Winfried Schäfer: Sergej Kirjakow, Wolfgang Rolff und Burkhard Reich. Damit die Blau-Weißen in der näheren Zukunft überhaupt wieder an die Erfolge der 90er Jahre anknüpfen können, ist auch eine neue Infrastruktur, sprich das neue, 34.000 Zuschauer fassende Stadion, vonnöten.

„Das ist schon eine logistische Herausforderung“

Bis Ende Februar, so der Zeitplan, soll die Haupttribüne weg sein. „Wir fangen im süd-westlichen Eck an, danach wird peu à peu das Dach abgetragen. Wenn die Osttribüne fertig und abgenommen ist, wird der laufende Betrieb – etwa die Journalisten und der Hospitality-Bereich – umgesiedelt“, erläutert Merkel. „Dadurch, dass der Spielbetrieb weiterläuft, ist eine hohe Flexibilität erforderlich. Normalerweise wird ein Stadion an einem neuen Standort gebaut, und der Verein zieht dann um, wenn es fertig ist. Hier ist das Besondere, dass das neue Stadion während der Spielzeiten entsteht. Das ist schon eine logistische Herausforderung, gerade bei dieser räumlichen Enge“, ergänzt Frank Nenninger, Geschäftsführer der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig), die das Bauprojekt begleitet. Die Kunst des Projekts sei es, so Eibs-Leiter Merkel, „zu jeder Zeit die Lizenzfähigkeit des Stadions sicherzustellen“.

Bauzeit von rund 18 Monaten

Dass die neue Haupttribüne, die nach dem Abriss in rund 17 bis 18 Monaten entstehen soll, imposant wird, davon ist das Duo überzeugt. „Es wird der größte Funktionsbau in Deutschlands Fußballstadien für die Gruppierung von 34.000 Zuschauer werden“, erklärt Nenninger und nennt die Haupttribüne „das Flaggschiff des neuen Stadions“. Unter anderem sollen dort 40 Logen entstehen. „Die Tribüne wird ein Markenzeichen für Karlsruhe werden“, ist Merkel überzeugt.

Doch auch abseits der Haupttribüne tut sich derzeit einiges auf der Großbaustelle Wildpark, wie der Kasig-Geschäftsführer erläutert: „Momentan haben wir neben dem Abriss der Haupttribüne vier weitere Schwerpunkte: Die Fertigstellung der Osttribüne, die Fertigstellung der Provisorien wie etwa die Umkleidekabinen für die Spieler. Und mit der Südtribüne, also der Gegengeraden, der neuen Heimstätte der KSC-Fans, legen wir jetzt los. Da steht bereits seit Anfang dieser Woche der erste Zahnbalken. Des Weiteren kommen immer wieder behördliche Vorgänge wie etwa Abnahmeprozedere dazu.“

Damit der „ohnehin eng gesteckte Zeitplan“, wie Nenninger sagt, ohne großen Verzug eingehalten werden kann (Fertigstellung ist für Sommer 2022 geplant), werkeln derzeit rund 80 Bauarbeiter des Totalunternehmers BAM Sports GmbH am neuen Stadion. Im Sommer geriet der Zeitplan aufgrund von Problemen mit Stahlbauteilen für das Dach der Osttribüne in Verzug. „Wir haben dann andere Arbeiten vorgezogen, um den Verzug wieder zu minimieren. Dies ist aufgrund der Flexibilität möglich gewesen“, sagt Nenninger.

Nachdem die Probleme behoben waren, ging die Fertigstellung der Osttribüne in den vergangenen Wochen dann ohne weitere Störungen vonstatten. Auch die Corona-Pandemie stellte den Betrieb kaum vor größere Probleme. „Es ist alles relativ normal weitergegangen“, sagt Nenninger, „wir hatten währenddessen auch kaum Zulieferprobleme.“ Dennoch gibt der Kasig-Chef zu Bedenken, dass das „Coronavirus auch über uns wie ein Damoklesschwert schwebt“.

Ganz nah dran am Spielfeld

Wie der neue Karlsruher Fußball-Tempel einmal aussehen wird, lässt sich an der Osttribüne bereits erahnen. Die Außenfassade mit den markanten Y-Trägern ist zweifellos ein Blickfang, im Inneren werden die Zuschauer – ganz im Gegensatz zu früher – fast hautnah dabei sein. So beträgt der Abstand von der ersten Reihe der Osttribüne zur Seitenlinie 7,50 Meter – also gerade mal eine Torlänge. Auch die etwas steiler angelegten Reihen im Oberrang sorgen für reichlich Flair. „Das große Ganze der Osttribüne steht jetzt“, erklärt Merkel. Etwa der Block für die Gästefans, der rund 1.500 Anhängern Platz bietet, die provisorischen VIP-Sitze, sowie der Schriftzug „Karlsruher SC“, der in der Übergangsphase durch die zeitweisen Sitzplätze der Medienleute unterbrochen wird. Auch die Behindertenplätze auf der „Ost“ sind mittlerweile sichtbar und bereits nummeriert – sie befinden sich direkt nach dem ersten Rang.

Im Bauch der Osttribüne herrscht derzeit noch reges Treiben: Elektroniker versorgen auf der einen Seite die bereits stehenden Kioske mit Strom, zudem schreiten die Arbeiten an den Sanitäranlagen und Funktionsräumen auf der gegenüberliegenden Seite voran. Etwa 20 Kioske sollen im Stadionrund entstehen.

Nur einige Meter entfernt davon, im Bereich der künftigen Südtribüne, steht seit Anfang der Woche der erste Zahnbalken für die neue Heimat der eingefleischten KSC-Fans, die im alten Wildparkstadion auf der Gegengerade standen. Direkt hinter der Südtribüne wird auch der „Nackte Mann“ – ein beliebter Treffpunkt für die blau-weißen Anhänger, bevor der Stadionneubau im November 2018 begann – seine neue Heimat finden – flankiert von einem großen Abstellplatz für Fahrräder. Etwa 3.500 Stellplätze sind rund um das Stadion vorgesehen.

Baubesichtigungen wegen Corona noch nicht möglich

All diese Bauarbeiten hätte auch die Karlsruher Bevölkerung zu Gesicht bekommen, wenn das Coronavirus nicht dazwischen gegrätscht wäre. „Wir wollten Baubesichtigungen anbieten, den Leuten erklären, wie das neue Stadion entsteht“, sagt Florian Kaute, der für die Öffentlichkeitsarbeit des städtischen Eigenbetriebs zuständig ist. „Vielleicht klappt es ja im Frühjahr 2021, auch wenn dann die jetzige Haupttribüne nicht mehr stehen wird.“

Zumindest bei der offiziellen Premiere der neuen Haupttribüne in fast zwei Jahren werden dann – so denn Corona mitspielt – Fans vor Ort sein. Im besten Fall wieder bei einem Heimsieg gegen Borussia Dortmund.