KSC: Kreuzers Personal-Puzzlespiel

Karlsruhe (ket) – Sportchef Oliver Kreuzer plant für die kommende Saison in der zweiten Bundesliga mit fünf, sechs Neuzugängen beim KSC. Offen ist auch, wie es mit Torjäger Hofmann weitergeht.

Philip Heise, Robin Bormuth und Babacar Guèye (von links) bejubeln das 1:0 für den KSC. Foto: Helge Prang/GES

© GES/Helge Prang

Philip Heise, Robin Bormuth und Babacar Guèye (von links) bejubeln das 1:0 für den KSC. Foto: Helge Prang/GES

Es ist eine dieser Binsenweisheiten von Sepp Herberger, nur in leicht abgewandelter Art. „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“, soll der alte Sepp ja einst gesagt haben. In diesem Fall muss es heißen: Nach der Saison ist vor der Saison. Vor allem für einen am Karlsruher Adenauerring könnte das in den kommenden Wochen zu einem erhöhten Arbeitsaufkommen führen, nämlich für Oliver Kreuzer.

Der durchaus anspruchsvolle Job des Sportdirektors des Karlsruher SC: Den Kader personell so aufzustellen, dass er nächste Saison zumindest die Möglichkeit in sich birgt, erneut eine solch formidable Runde spielen zu können, wie jene, die er am Sonntag dank des 2:1-Sieges in Heidenheim gerade auf Platz sechs beendet hat.

Was Kreuzer die Arbeit etwas erleichtert: Zumindest im Kern bleibt die bestehende Mannschaft stand heute zusammen. Lediglich David Pisot, der schon in dieser Saison keine Rolle mehr gespielt hat, sowie Xavier Amaechi, Alexander Groiß und Babacar Guèye wurden am letzten Heimspieltag verabschiedet. Stammspieler-Status hatte keiner von ihnen. Außerdem hat Kevin Wimmer, erst im Winter als Notnagel geholt, dem Verein mitgeteilt, den KSC wieder verlassen zu wollen. Im Gegensatz dazu wurde Leon Jensen als erster Neuzugang vermeldet. Der 23-jährige Mittelfeldspieler wechselt ablösefrei vom Drittligisten FSV Zwickau in den Wildpark.

Unterschiedsspieler mit Preisschild

Was sich bis dahin noch nach moderatem bis verkraftbarem Personalwechsel wie er nach jeder Saison üblich ist, anhört, könnte schnell dramatischere Züge annehmen, dann nämlich, wenn auch die ausgeliehenen Benjamin Goller und Philip Heise sowie Torjäger Philipp Hofmann den Verein verlassen sollten. Bei Linksaußen Heise komme es, so KSC-Sportdirektor Kreuzer, darauf an, ob und wie er bzw. sein Berater den Vertrag mit Norwich City auflösen kann. Bei Goller muss Bundesligaabsteiger Werder Bremen demnächst entscheiden, ob sie den Flügelflitzer schon für stark genug halten, um mit ihm den Wiederaufstieg angehen zu können.

Bleibt Philipp Hofmann, der mit seinem Wechselwille schon vor der gerade zu Ende gegangenen Runde für eine Menge Unruhe gesorgt hat. Ob ein ähnliches Theater nun wieder droht? „Kann sein. Ich hoffe es aber nicht“, sagt Kreuzer, der zudem darauf verweist, dass bislang „noch keine Interessensbekundung irgendeines Vereins“ beim KSC eingegangen sei. Sollte es soweit kommen, müsste zumindest die Ablöse stimmen. „Philipp ist für uns ein Unterschiedsspieler, den wir natürlich behalten wollen. Da hängt schon ein entsprechendes Preisschild dran“, stellt Kreuzer fest.

Dass der Neuverpflichtungsbedarf des KSC von den Entwicklungen bei Heise, Goller und Hofmann abhängt, steht außer Frage. Aktuell plant Kreuzer mit „fünf bis sechs Neuzugängen“. „Extreme Vakanz“ hat KSC-Trainer Christian Eichner bereits auf den beiden Außenbahnen angemeldet, vor allem auf der rechten Seite stünden die Badener bei einem Weggang Gollers weitgehend blank da, sieht man einmal von Kyoung-Rok Choi ab, der sich zentral freilich als deutlich wertvoller erwiesen hat. Laut Kreuzer bestehe nach Wimmers Absenz zudem Bedarf in der Innenverteidigung, für die aktuell lediglich Daniel Gordon, Robin Bormuth und Christoph Kobald zu Verfügung stünden. Ähnliches gilt für die Linksverteidiger-Position, wo der, sollte Heise den Verein tatsächlich verlasse, in dieser Saison meist angeschlagene Dirk Carlson plötzlich alleiniger Anwärter wäre.

„Quantitativ ändert sich nichts“

Auf der Suche ist der Sportdirektor zudem auch für ganz vorne. „Wir holen auf jeden Fall noch einen Stürmer. Und wenn Hofmann geht, holen wir zwei“, formuliert Kreuzer, was ohnehin unabdingbar ist. Nur mit Youngster Malik Batmaz im Sturm kann der KSC kaum in die Runde gehen. Der ausgeliehene Marvin Pourié wiederum wird auch nach seiner Rückkehr aus Kaiserslautern keine Rolle im Wildpark spielen. „Da gilt es eine Lösung zu finden“, gibt sich Kreuzer selbst den nächsten Job.

Ziel von ihm und Trainer Eichner sei es, „wieder mit 26 Spielern in die Saison zu gehen. Quantitativ ändert sich da nichts“, stellt Kreuzer fest. Auch qualitativ dürften die beiden kaum zu Abstrichen bereit sein, die Ansprüche rund um den Wildpark sind mit Rang sechs schließlich gewachsen – und mit ihnen die Bürde.

Von einem Spieleretat von wie in dieser Saison erneut rund neun Millionen Euro geht Kreuzer aus. „Wenn man sieht, wer sich da nächste Saison alles in der Zweiten Liga tummelt, wird es nicht einfacher für uns. Da tun wir gut daran, unseren Etat nicht noch weiter zu kürzen“, sagt der Sportdirektor, zumal der jetzt schon „sehr, sehr bescheiden im Vergleich zum Rest der Liga“ sei. Für potenzielle Neuzugänge gelte umso mehr: „Das Gesamtpaket zwischen sportlicher Qualität und wirtschaftlicher Machbarkeit muss passen.“

Unter Zeitdruck will sich Kreuzer bei seinem Kaderpuzzle nicht setzen lassen. „Der Markt ist noch relativ ruhig“, stellt er vielmehr fest. Und: „Wahrscheinlich wird es wieder ein recht zäher Transfersommer.“ Bis 23. Juli hat der Sportdirektor Zeit, eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen. An diesem Tag beginnt die neue Zweitliga-Saison.

Ihr Autor

BT-Redakteuren Frank Ketterer und Christian Rapp

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Erstellt:
25. Mai 2021, 07:30 Uhr
Lesedauer:
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