KSC: Linksverteidiger gesucht

Karlsruhe (rap) – Der Kader des Fußball-Zweitligisten Karlsruher SC nimmt immer mehr Kontur an, doch einige Baustellen sind noch offen – etwa auf beiden Außenverteidigerpositionen.

Hofft noch auf die eine oder andere Verstärkung im KSC-Team: Trainer Christian Eichner (Mitte). Foto: Uli Deck/dpa

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Hofft noch auf die eine oder andere Verstärkung im KSC-Team: Trainer Christian Eichner (Mitte). Foto: Uli Deck/dpa

Marvin Pourié war mittendrin am Dienstagmorgen: Beim langsamen Rundendrehen auf der Baustelle Wildparkstadion, den anschließenden Aufwärm- und Passübungen und natürlich auch beim Abschlussspiel der lockeren ersten Übungseinheit vor 400 Fans. Der 29-Jährige spulte die 90 Minuten ab, als wäre nie was gewesen. Als wäre der Stürmer vor einigen Monaten nicht in Ungnade bei Ex-Trainer Alois Schwartz und Teilen der KSC-Verantwortlichen gefallen und kurzerhand per Leihe zum damaligen Drittligisten Braunschweig verschifft worden.

Doch das Fußballgeschäft ist bekanntermaßen ein kurzlebiges: Die Niedersachsen zogen die Kaufoption nicht, und Schwartz ist mittlerweile Geschichte im Wildpark. Also durfte Christian Eichner, der Schwartz-Nachfolger, auch Marvin Pourié wieder auf dem Platz begrüßen – als einen von 22 Spielern. Ob die Zusammenarbeit aber von längerfristiger Dauer sein wird, darf zumindest bezweifelt werden, schließlich hatte Sportdirektor Oliver Kreuzer dem Stürmer nahegelegt, sich neu zu orientieren, sprich einen neuen Verein zu suchen. Am Samstag gegen den FSV Frankfurt, zu dem auch 320 Zuschauer zugelassen sind, dürfte er noch dabei sein. Am 15. August, beim Test gegen den SC Freiburg, könnte der Stürmer schon weg sein.

Eichner: „Ganz normal ein Spieler von mir“

Zumindest KSC-Coach Eichner ließ eine Hintertür für Pourié offen. „Stand jetzt ist er ganz normal ein Spieler von mir. Wer mich kennt, weiß, dass ich jeden Spieler, der in meinem Kader Vertrag hat und der sich im Training anbietet, ganz normal behandeln werde“, sagte der 37-Jährige, um aber zumindest den verbalen Ball sofort zu Pourié zu spielen: „Es geht aber auch um die Frage, was sich Marvin wünscht, was für eine Idee er hat. Wir werden die nächsten Tage immer mal wieder ins Gespräch kommen, um herauszufinden, was sich Marvin vorstellt.“

Die Personalie Pourié ist eine der Baustellen im KSC-Kader, eine andere bleibt weiterhin Sturmkollege Philipp Hofmann, der anscheinend immer noch auf dem Einkaufszettel von einigen Erstligisten zu sein scheint. Ein Verlust der personifizierten Karlsruher Lebensversicherung (17 Tore in der vergangenen Saison) würde Eichner bis ins Mark treffen. Pouriés Zukunft ist vage, Babacar Guèye hat seine Torgefahr (noch) nicht unter Beweis stellen können, und auch Marco Djuricin blieb bislang über weite Strecken Edelreservist.

KSC-Spiel gewinnt an Dynamik

Wirklich Kopfzerbrechen bereiten Eichner zudem die defensiven Außenbahnen – vor allem links hinten. „Man muss als Trainer so offen und ehrlich sein, dass es die eine oder andere Position gibt, auf der wir Spieler verloren haben. Da rede ich jetzt nicht von Qualität, sondern von Quantität – beispielsweise links hinten, da habe ich nur einen Spieler. Es wäre gut, wenn wir da noch einen Spieler holen würden. Wenn Dirk Carlson was passiert, habe ich früh in der Vorbereitung ein Problem“, sagte der KSC-Coach, versehen mit dem Hinweis, dass die „Herrschaften da oben“ das wüssten – also Kaderplaner Kreuzer, Geschäftsführer Michael Becker und Neu-Präsident Holger Siegmund-Schultze.

Doch die KSC-Kasse ist traditionell seit Jahren klamm, Corona hat die wirtschaftliche Krise der Badener weiter verschärft. Unter Siegmund-Schultze soll konsequent gespart werden, jeder Euro zwei-, wohl eher dreimal umgedreht werden, bevor er ausgegeben wird. Das weiß auch Eichner – und hat Verständnis: „Es ist gibt die finanzielle Seite, die sitzt in Etage eins. Und es gibt die andere, den Sportbereich. Es ist ganz normal, dass man sich zu diesem Zeitpunkt der Vorbereitung noch nicht gegenseitig in den Armen liegt.“

Zumal ja einige Transferwünsche bereits erfüllt wurden: Mit Benjamin Goller wurde ein schneller, dribbelstarker Rechtsaußen vom Bundesligisten Werder Bremen ausgeliehen. Mit Eigengewächs Dominik Kother auf der anderen Außenbahn dürfte das KSC-Spiel wohl einiges an Geschwindigkeit und Esprit gewinnen. Auch die Innenverteidigung wurde mit Robin Bormuth (Fortuna Düsseldorf) verjüngt, sein Potenzial deutete der 24-Jährige bereits in der ersten Trainingseinheit am Dienstag an. Zudem wurden die Eigengewächse Marlon Dinger und Jannis Rabold vor dem Trainingsstart mit Profiverträgen ausgestattet.

Das Transferfenster ist wegen Corona noch bis 5. Oktober geöffnet, der KSC wird weiter am Kader basteln. Doch auf eine Option, neue Kräfte in den Wildpark zu lotsen, muss Eichner nach eigener Aussage aber verzichten: „Ich hab‘ über die Sommerpause leider nicht im Lotto gewonnen.“


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