KSC: Mit Glück und Charakter

Karlsruhe (ket) – Nach dem 3:3 gegen Meister Arminia Bielefeld stehen die Chancen auf den Klassenerhalt für den Karlsruher SC in der zweiten Fußball-Bundesliga gar nicht mal so schlecht.

„Die Mannschaft hat einen unfassbaren Glauben. Was manchmal fehlt, schieße ich dazu“: KSC-Trainer Christian Eichner. Foto: Gilliar/GES

© GES/Markus Gilliar

„Die Mannschaft hat einen unfassbaren Glauben. Was manchmal fehlt, schieße ich dazu“: KSC-Trainer Christian Eichner. Foto: Gilliar/GES

Es hätte selbstredend auch diesmal alles ganz anders kommen können, so eben, wie es im Fußball des Öfteren mal der Fall ist, zumal in einer Liga, der der Ruf anhaftet, dass alles möglich sei, zumindest was Ergebnisse anbelangt. Nur mal so zum Beispiel: Der Karlsruher SC hätte am Sonntag, wie es anfangs ja tatsächlich aussah, gegen den zunächst meisterlich aufspielenden Meister aus Bielefeld sang- und klanglos untergehen, gleichzeitig hätten der SV Wehen Wiesbaden (gegen Darmstadt 98) und der 1. FC Nürnberg (gegen den VfB Stuttgart) ihre Spiele gewinnen können.

Wäre es so gekommen, es sähe jetzt ziemlich düster aus mit den Drinbleibambitionen der Badener, nämlich so: Der KSC läge aktuell auf Abstiegsrang 17, einen Zähler hinter den auf Relegationsplatz 16 rangierenden Wehenern. Der Club wäre mit am letzten Spieltag uneinholbaren sechs Punkten Vorsprung im Kampf um den Klassenerhalt gar vollends enteilt.

Es wären wirklich ziemlich düstere Voraussetzungen, unter denen die Karlsruher nächsten Sonntag bei der SpVgg Greuther Fürth ihr 34. und letztes Saisonspiel hätten absolvieren müssen. Nur gut also, dass es anders gekommen ist, ganz anders. Wehen und Nürnberg haben schließlich verloren, der KSC immerhin, wenn auch auf etwas wundersame Weise, noch einen Punkt ergattert, die Folgen dessen sind ziemlich weitreichend: Relegationsplatz 16 haben die Badener dank drei Punkten sowie zehn Toren Vorsprung gegenüber Wehen bereits so gut wie sicher. Selbst Platz 15 und damit der direkte Klassenerhalt sind zumindest noch möglich, dann nämlich, wenn der KSC in Fürth gewinnt und der Club bei Holstein Kiel nicht über ein Unentschieden hinauskommt.

„Der Punkt war unglaublich wichtig für uns. Jetzt ist sicherlich noch etwas möglich“, fasste KSC-Innenverteidiger Daniel Gordon all das bereits am Sonntag und noch vor Ort, also im Bauch der Wildparkbaustelle, zusammen. Darüber hinaus führte besagter Punkt dazu, dass Christian Eichner am Ende des Tages nicht nur zufrieden, sondern sogar erneut „wahnsinnig stolz“ auf seine Mannschaft war. Natürlich, so sagte es der Karlsruher Cheftrainer, über die ersten 20 Minuten der Partie werde dessen ungeachtet noch zu reden sein. „Da waren schon ein paar Dinge dabei, die wir aufarbeiten sollten“, stellte er fest. Einfache Fehler beispielsweise, wie jene von Lukas Fröde und Dirk Carlson, die früh zu einem 0:2-Rückstand (10.) und schließlich gar zum 0:3 (20.) geführt hatten. Nicht minder gilt es zu hinterfragen, warum Jerome Gondorf und diesmal auch Marvin Wanitzek lange Zeit keinerlei Zugriff auf Ball und Spiel bekommen hatten und Bielefeld im Mittelfeld lange Zeit schalten und walten konnte, wie es wollte.

Es könnte also ein ziemlich ernstes Gespräch werden, das Eichner da mit seinen Jungs zu führen hat. Andererseits, und auch das deutete der 37-Jährige bereits an, gelte es auch zu bedenken, dass es Arminia Bielefeld war, also der Meister, die mit Abstand beste Mannschaft der Liga, gegen die man früh in Rückstand geraten und anschließend zunächst schwindelig gespielt worden war. Umso höher wollte Eichner im Umkehrschluss bewertet wissen, dass seine Mannschaft selbst gegen eine solche Übermacht in der Lage ist, sich ins Spiel zurückzukämpfen, wenn auch mit der dazu „notwendigen Portion Glück“, die bei den drei Toren von KSC-Torjäger Philipp Hofmann (25., 70./Foulelfmeter und 88./Foulelfmeter) zweifelsohne vorhanden war. Anders kann man ein 0:3 gegen Bielefeld nicht aufholen, kein anderes Team hat das in dieser Saison geschafft.

„Diese Mannschaft muss immer erst geschlagen werden“, sagte Eichner später noch und eher beiläufig über das eigene Team. Das klingt zunächst trivial – und ist doch viel mehr, nämlich die Beschreibung zum einen einer Charaktereigenschaft, zum anderen einer Einheit, zu der Eichner den KSC mittlerweile geformt hat. Nicht zuletzt dies hat, zusammen mit sichtbaren fußballerischen Fortschritten, dazu geführt, dass die Chancen auf den Klassenerhalt nach wie vor vorhanden und vielleicht gar nicht so schlecht sind, egal ob direkt, also im letzten Saisonspiel nächsten Sonntag, oder über den Umweg der Relegation (7. und 11. Juli).

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Erstellt:
22. Juni 2020, 18:30 Uhr
Lesedauer:
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