KSC-Trainer Eichner: „Vieles schon in Reinform“

Karlsruhe (ruf) – Die KSC-Profis schwitzen in der Vorbereitung auf die neue Saison in der zweiten Fußball-Bundesliga.Trainer Christian Eichner hat in den Testspielen schon viel Positives gesehen.

„Diese Mannschaft ist in der Lage, gegen jeden Gegner zu gewinnen“: KSC-Trainer Christian Eichner. Foto: Helge Prang/GES

© GES/Helge Prang

„Diese Mannschaft ist in der Lage, gegen jeden Gegner zu gewinnen“: KSC-Trainer Christian Eichner. Foto: Helge Prang/GES

Die Profis des Karlsruher SC schwitzen aktuell im Schatten des Großvenedigers für die neue Saison in der zweiten Fußball-Bundesliga. Nach der überaus sorgenfreien Vorsaison wachsen die Erwartungen rund um den Wildpark fast schon unweigerlich. „Ich habe gar kein Problem damit, wenn die Zuschauer träumen“, sagt Christian Eichner am Rande des Trainingslagers im österreichischen Neukirch. Doch der KSC-Trainer tritt gleichsam auf die Euphoriebremse. Über Wechselgerüchte von Topstürmer Philipp Hofmann, mögliche Aktivitäten auf dem Transfermarkt und Nachhilfe in Sachen Geografie hat sich Christoph Ruf mit dem 38-Jährigen unterhalten.

BT: Herr Eichner, der KSC muss in der ersten Runde des DFB-Pokals nach Lotte zum dortigen Regionalligisten. Waren Sie froh, dass zumindest Marc Lorenz, der dort mal gespielt hat, erklären konnte, wo Lotte liegt?
Christian Eichner: Marc war da nicht als Einziger gut informiert. So mancher, der schon zu Drittligazeiten bei uns war, kennt das Stadion und die dortigen Rahmenbedingungen. Wo Lotte genau liegt, an der Grenze zwischen Niedersachsen und NRW, werde ich ihnen, so das überhaupt noch notwendig sein sollte, dann zu gegebener Zeit schon noch erklären.

BT: Wo das gegnerische Tor liegt, scheint Ihre Mannschaft hingegen wieder zu wissen. Gegen Viktoria Köln gelangen gleich fünf Treffer, nachdem es zuvor gegen zwei unterklassige Gegner nur zu zwei Toren gereicht hat ...
Eichner: Weder in Bahlingen noch in der ersten Halbzeit gegen Viktoria, in der es noch nicht so gut lief, musste man mit allem unzufrieden sein. Aber wenn es darum geht, die richtigen Entscheidungen zu treffen und mehr Durchschlagskraft zu entwickeln, haben wir noch Luft nach oben, das war bereits in der vergangenen Saison so. Mit diesem Problem sind wir aber auch nicht alleine in der Liga. In der zweiten Halbzeit des Köln-Spiels kam vieles, was wir sehen wollen, aber schon nahezu in Reinform heraus. Die Klarheit, mit der wir die Tore erzielt haben, hat mir gut gefallen.

Geduld mit Neuzugang Schleusener

BT: Sie haben künftig an vorderer Front mehr Alternativen. Wobei auffällt, dass sie Philipp Hofmann und Fabian Schleusener bisher noch nicht zusammen auflaufen lassen haben – immerhin ja die wohl wahrscheinlichste Offensivvariante, oder?
Eichner: Das hängt von vielen Faktoren ab. Die Mannschaft letztes Jahr lebte von einer enormen defensiven Qualität im Zentrum. Wenn wir jetzt einen zusätzlichen Stürmer aufstellen, fehlt in diesem Bereich einer. Also gilt es immer wieder herauszufinden, welche Option die bessere ist, um Spiele zu gewinnen. Das kann ein System mit zwei Spitzen sein, muss es aber nicht.

BT: Schleusener hat unterm Strich in den zwei Jahren in Nürnberg enttäuscht. Warum haben Sie ihn dennoch geholt?
Eichner: Für ihn sprach, dass ich ihn gut kenne, dass die Mannschaft ihn gut kennt. Wir wissen, was er einbringen kann. Und, dass wir die Geduld aufbringen werden, bis er eine ähnliche Rolle spielen kann, die er hier schon in seiner ersten Zeit in Karlsruhe eingenommen hat.

BT: Bleibt Philipp Hofmann denn? Trainingsgäste haben in Neukirchen gehört, dass Mitspieler ihn mit einem möglichen Wechsel ins Ostwestfälische gefoppt haben ...
Eichner: Da muss ich etwas klarstellen. Philipp hat bei einer Trainingseinheit ein ähnliches Tor geschossen wie in der vorletzten Saison beim 3:3 gegen Bielefeld. Als ein Mitspieler dann „Bielefeld“ gerufen hat, war eben diese Ähnlichkeit des Treffers gemeint, auch wenn ich verstehen kann, dass man das anders interpretiert. Ich plane fest mit ihm und sehe hier in Österreich, wie er sich im Kreis der Mannschaft bewegt. Er ist hier total akzeptiert, wird fast schon geliebt. Auch bei uns im Trainerteam hat er die totale Wertschätzung.

„Die rechte Seite hat mir zuletzt schon sehr gut gefallen“

BT: Jüngst wurde der Weggang von Dirk Carlson nach Aue verkündet. Auch einige andere Spieler konnten von der Gehaltsliste gestrichen werden. Werden mit dem Geld Corona-Löcher gestopft oder wird der KSC noch mal auf dem Transfermarkt aktiv?
Eichner: Ich habe da natürlich die sportliche Perspektive. Und nachdem wir mit Kevin Wimmer und Dirk Carlson zwei Spieler verloren haben, die beide sowohl innen als auch außen verteidigen konnten, wollen wir diese Position qualitativ und quantitativ füllen. Im Idealfall suchen wir einen Spieler wie Wimmer, einen Innenverteidiger, der auch links gut aushelfen kann. Die rechte Seite hat mir zuletzt schon sehr gut gefallen. Da sind wir mit Marco Thiede und Sebastian Jung gut besetzt. Ich kenne das aus eigener Erfahrung, dass zwei Defensive auch offensiv Akzente setzen können – und dann ist die Seite zu.

BT: Auch die Liga wird hochkarätig besetzt sein. Dämpft das die traditionell hohe Erwartungshaltung im Wildpark?
Eichner: Ich habe gar kein Problem damit, wenn die Zuschauer träumen. Es wäre nur schön, wenn sie den sportlich Verantwortlichen Gehör schenken, wenn es ums Sportliche geht. Wir sehen die Jungs ja jeden Tag. Und da kann ich nur immer wieder in Erinnerung rufen, dass die Jungs letztes Jahr Großartiges geleistet haben und manchen hinter sich gelassen haben, der individuell und budgetmäßig besser besetzt ist. Ich will, dass wir wieder so spielen und auftreten wie in der vergangenen Saison. Eines ist klar: Diese Mannschaft ist in der Lage, gegen jeden Gegner zu gewinnen. Egal, wie er heißt. Sie bekommt aber auch gegen jeden Gegner Probleme, wenn sie nachlässt.


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