KSC-Trainer Eichner im BT-Interview

Karlsruhe (ket) – Der Karlsruher SC befindet sich nach dem dritten Corona-Fall binnen einer Woche in häuslicher Quarantäne. KSC-Trainer Eichner spricht über die möglichen Folgen der Isolation.

„Jetzt, bei zwei Wochen Quarantäne, wird es wohl eher ein körperliches Problem“: KSC-Coach Christian Eichner. Foto: Uli Deck/dpa

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„Jetzt, bei zwei Wochen Quarantäne, wird es wohl eher ein körperliches Problem“: KSC-Coach Christian Eichner. Foto: Uli Deck/dpa

Nachdem Torhüter Marius Gersbeck am Dienstag als dritter Profi des Karlsruher SC positiv auf Corona getestet wurde, musste sich die gesamte Mannschaft des Fußball-Zweitligisten samt ihrem Trainerteam in eine 14-tägige häusliche Quarantäne begeben (wir berichteten). Über Hintergründe und mögliche Auswirkungen sprach BT-Redakteur Frank Ketterer mit Trainer Christian Eichner.

BT: Herr Eichner, wann haben Sie vom dritten Positiv-Test erfahren?
Christian Eichner: Unser Mannschaftsarzt hat mich im Laufe des frühen Dienstagabends darüber informiert. Kurz darauf kam dann auch schon die Entscheidung vom Gesundheitsamt, dass die Mannschaft 14 Tage in Quarantäne muss.

BT: Was war Ihre erste Reaktion?
Eichner: Natürlich ist man erstmal betroffen. Zumal wir ja durch die komplett negativen Schnelltests am Vormittag davon ausgegangen sind, auf der sicheren Seite zu sein. Das positive Ergebnis des zusätzlich durchgeführten, turnusmäßigen PCR-Tests hat das am Nachmittag dann leider widerlegt.

BT: Wie haben die Spieler reagiert?
Eichner: Ich hatte noch gar nicht Kontakt zu allen, aber ich gehe davon aus, dass es ihnen ähnlich ergangen ist wie mir. Die Spieler werden jetzt bestimmt einige Fragen haben, die sich aber eher an Mannschaftsarzt oder Physiotherapeuten richten.

BT: Die Mannschaft, Trainerteam eingeschlossen, muss nun bis 20. April in häusliche Quarantäne. Heißt das, dass die Spieler sich nur in den eigenen vier Wänden auf- und fit halten dürfen?
Eichner: Meines Wissens zählen auch Balkon und Garten dazu, also alles, was eigenes Gelände ist. Alles, wo man keinen weiteren Kontakt nach außen hat, ist erlaubt, alles andere nicht möglich.

BT: Kann sich ein Leistungssportler zu Hause wirklich fit halten?
Eichner: Wir haben ja am vergangenen Wochenende schon mal im Kleinen gespürt, was eine weniger normale Trainingswoche unter Umständen ausmachen kann. Wobei ich denke, dass sich das geistig mehr ausgewirkt hat als körperlich. Durch das ganze Hin- und Her bei den Tests ist uns der Fokus verloren gegangen. Der hat uns in den ersten 60 Minuten gegen Osnabrück komplett gefehlt. Im Gegensatz dazu war körperlich auch danach kein Problem zu erkennen. Jetzt, bei zwei Wochen Quarantäne, wird es wohl eher ein körperliches Problem. Ich weiß nicht, ob die Spieler ihre Fitness zwei Wochen lang mit Spinningrädern und allen möglichen sonstigen Krafteinheiten zu Hause aufrechterhalten können. Letztendlich geht es darum, so gut es geht, so viel wie möglich Fitness zu erhalten. Wie viel das sein wird, werden wir sehen.

42 Punkte sind „riesengroßer Vorteil“

BT: Das heißt, einen Leistungsverlust wird es auf jeden Fall geben?
Eichner: Das müssen wir abwarten. Ich kann mir vorstellen, dass es eher zu einem Verlust als zu einem Zuwachs oder Erhalt kommen könnte. Es muss ja einen Unterschied machen, ob man normal trainiert oder ein Notprogramm fährt. Das Entscheidende wird sein, wie schnell wir anschließend wieder in Schuss kommen.

BT: Sie haben gerade Spinning als eine der Hometrainingsformen angesprochen. Hat jeder Spieler ein Spinningrad zu Hause stehen?
Eichner: Noch nicht. Aber wir werden das in den nächsten Tagen ändern.

BT: Sie haben angekündigt, Kontakt mit Klubs aufnehmen zu wollen, die in einer ähnlichen Situation waren, etwa mit Regensburg. Was erhoffen Sie sich davon?
Eichner: Es geht einfach darum, zu hören, wie diese Teams mit dem Problem umgegangen sind und welche Erfahrungen sie gemacht haben. Vielleicht können auch wir daraus die ein oder andere Lehre ziehen.

BT: Bis 20. April, an dem Tag hätte der KSC beim HSV gespielt, dauert die Quarantäne an. Drei Tage später, am 23. April, steht bereits das Spiel gegen die Würzburger Kickers auf dem Spielplan. Drei Tage Vorbereitung auf ein Zweitliga-Spiel – ist das nicht absurd?
Eichner: Es ist sicherlich nicht normal. Aber in dieser Pandemie gibt es für die gesamte Gesellschaft keine Normalität. So betrachtet, genießen wir im Profifußball nach wie vor ein großes Privileg. Wir konnten fast durchgängig unserer Arbeit nachgehen. Jetzt geht es einfach darum, die Saison zu Ende zu spielen. Wobei wir als KSC dabei einen riesengroßen Vorteil haben: Wir haben 42 Punkte. Dynamo Dresden hatte das vergangene Saison nicht. Da sind wir doch in einer deutlich komfortableren Ausgangssituation.

„Wichtigster Indikator werden letztendlich die Spieler sein“

BT: Der KSC wird zwischen dem Quarantäne- und dem Saisonende am 23. Mai voraussichtlich nur noch englische Wochen haben – und das fast ohne Vorbereitung. Wie sehr erhöht das die Verletzungsgefahr?
Eichner: Auch das werden wir abwarten müssen, um dann situativ und in Rücksprache mit unseren Experten, also Mannschaftsarzt, Physiotherapeuten und Athletiktrainer, zu reagieren. Wichtigster Indikator werden letztendlich die Spieler sein und wie sie sich fühlen. All diese Informationen werden wir sammeln, in unsere Entscheidungen einfließen lassen und damit unsere Erfahrungen machen.

BT: Marius Gersbeck, der dritte Positivfall, wurde bei einem PCR-Test am Dienstagnachmittag positiv getestet. Am Vormittag war noch ein Schnelltest negativ gewesen. Was sagt das über die Zuverlässigkeit von Schnelltests aus und über das ganze System? Da scheint es ja doch Lücken zu geben ...
Eichner: Ja. Aber das hat weniger mit dem Hygienekonzept der DFL zu tun. Bei Tests, egal welcher Art, kann immer mal ein Fehler auftreten. Das war am Dienstagvormittag scheinbar bei uns der Fall. Das zeigt, dass man mit Schnelltests nicht alles absichern kann.

BT: Am Freitag war man in Reihen des KSC noch froh, die Partie trotz zweier Positivfälle im Team – Philip Heise und Alexander Groiß – bestreiten zu können. War es im Nachhinein ein Fehler, das Spiel gegen Osnabrück nicht abzusagen?
Eichner: Ich kann nur sagen, dass wir unbedingt spielen wollten, weil wir wissen, was am Spielbetrieb alles dranhängt. In Abstimmung mit dem Gesundheitsamt war das ja auch in Ordnung und vertretbar, weil die Nachverfolgung ergeben hatte, dass Heise und Groiß keine KSC-internen Fälle waren, sondern dass sie von außen gekommen sind. Bei Gersbeck war das am Dienstag anders. Da konnten wir nicht mit Bestimmtheit sagen, ob es von außen kam – oder vielleicht doch von Heise oder Groiß.

Ihr Autor

BT-Redakteur Frank Ketterer

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Erstellt:
7. April 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 04sec

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