KSC: Unglückliche Niederlage gegen den HSV

Karlsruhe (rap) – Kämpferisch überzeugt und auch spielerisch dem Zweitliga-Schwergewicht Hamburger SV Paroli geboten: Dennoch musste der KSC am Montagabend eine knappe 1:2-Niederlage verkraften.

Da ist es passiert: Simon Terodde (am Boden) erzielt das 2:1 für den HSV, KSC-Keeper Marius Gersbeck ist machtlos. Foto: Helge Prang/GES

© GES/Helge Prang

Da ist es passiert: Simon Terodde (am Boden) erzielt das 2:1 für den HSV, KSC-Keeper Marius Gersbeck ist machtlos. Foto: Helge Prang/GES

Als der Schlusspfiff schließlich ertönte, versammelte Christian Eichner seine Jungs flugs in einem Kreis, emotionale Worte folgten. Der Karlsruher Cheftrainer richtete sein Team, das in den 90 Minuten am Montagabend zuvor dem Hamburger SV einen packenden Kampf geliefert hatte, aber etwas unglücklich mit 1:2 verlor, wieder auf. Schließlich war es eine englische Woche zum Vergessen für den KSC – zumindest punktetechnisch: drei Spiele, null Zähler.

Lob gab es dennoch von Eichner: „Ich kann mich total identifizieren, wie wir heute gespielt haben.“ Die Eichner-Elf bleibt mit 16 Punkten auf dem 14. Tabellenplatz, die Gäste aus dem hohen Norden dürfen Weihnachten dagegen auf einem direkten Aufstiegsplatz feiern.

Um gegen den HSV den ersten Zweitligasieg überhaupt einzufahren, veränderte KSC-Trainer Eichner gegenüber dem Gastspiel in Aue (1:4) seine Startformation – und auch das System. Statt Daniel Gordon verteidigte Robin Bormuth an der Seite von Christoph Kobald, zudem bot „Eiche“ Eigengewächs Malik Batmaz als zweite Spitze neben Torgarant Philipp Hofmann auf. Dadurch agierte der KSC in einem 4-4-2-System, wodurch Mittelfeldabräumer Lukas Fröde zunächst mit einem Bankplatz vorliebnehmen musste. Gänzlich im Kader fehlte U-21-Nationalspieler Dominik Kother – wohl aus disziplinarischen Gründen.

Erneut früher Rückstand für den KSC

Doch auch neues Personal und das neue System bewahrte den KSC – wie schon im Erzgebirge – nicht vor einem frühen Rückstand. Keine drei Minuten waren gespielt, als Hamburgs Bakery Jatta kurz nach der Mittellinie an den Ball kam, völlig ungestört durchs KSC-Mittelfeld spazieren durfte und aus 17 Metern flach vollendete. Und es hätte in den Anfangsminuten freilich noch schlimmer kommen können für die Badener: Nur eine Minute später scheiterte erneut Jatta an KSC-Keeper Marius Gersbeck, kurz darauf zielte Jeremy Dudziak aus aussichtsreicher Position drüber (6.). Doch die Karlsruher Antwort sollte in der durchaus munteren und unterhaltsamen Partie nicht lange auf sich warten: Marc Lorenz eroberte den Ball, schickte Batmaz steil, der gedankenschnell mit dem ersten Kontakt auf Hofmann weiterleitete. Dieser blieb vor HSV-Torwart Sven Ulreich cool – und netzte mit seinem siebten Saisontor zum 1:1 ein (14.).

Zeit zum Durchatmen blieb in der rasanten Partie – trotz kühlen Temperaturen und Nieselregen – aber nicht, beide Teams begegneten sich mit offenem Visier, suchten den direkten Weg nach vorne: Erst köpfte Hamburgs Simon Terodde eine Narey-Freistoßflanke aus elf Metern an den Pfosten (20.), auf der Gegenseite verzog Lorenz einen satten Schuss (21.).

Gerade mit den wieselflinken Außenstürmern der Gäste hatte die KSC-Defensive, zuvorderst Marco Thiede, ihre liebe Mühe. Jatta kochte den Karlsruher Rechtsverteidiger in Minute 26 ohne Probleme ab, flankte butterweich an den zweiten Pfosten, wo Narey jedoch – völlig unbedrängt – aus kürzester Distanz in Gersbecks Arme köpfte.

Heises Platzverweis mitentscheidend

Die Hanseaten wirkten extrem ballsicher im Spielaufbau, verlagerten das runde Leder blitzschnell auf die andere Seite, so dass die Blau-Weißen kaum in die Zweikämpfe kamen. Eroberten Wanitzek, Gondorf und Co. aber doch mal den Ball, wirkte die HSV-Defensive alles andere als sattelfest, offenbarte Lücken, die vor allem die agilen Batmaz und Benjamin Goller nutzten – ohne aber wirklich für Torgefahr zu sorgen: Ein Goller-Schuss kurz vor der Halbzeit aus 21 Metern, der knapp neben dem Pfosten landete, war noch die beste Möglichkeit.

Die Struktur des Spiels änderte sich auch nach der Pause nicht, diesmal hatte jedoch der KSC, erneut durch Batmaz, die erste Chance – seine Direktabnahme segelte aber über das Tor (48.). Und nach einer einstudierten Freistoßvariante wären die Gastgeber, die nun früher pressten und wacher in den Zweikämpfen waren, beinahe in Führung gegangen, doch der Kopfball von Kobald ging knapp über die Latte (54.).

Überzeugt als zweite Spitze neben Philipp Hofmann: KSC-Eigengewächs Malik Batmaz (blaues Trikot). Foto: Markus Gilliar/GES

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Überzeugt als zweite Spitze neben Philipp Hofmann: KSC-Eigengewächs Malik Batmaz (blaues Trikot). Foto: Markus Gilliar/GES

Erst nach einer Stunde entwickelten auch die Nordlichter wieder etwas mehr Zug zum Tor, Vagnomans Versuch auf dem schwer zu bespielenden Geläuf aus 16 Metern landete aber irgendwo auf der Baustelle Wildpark (62.), während Lorenz‘ Volleyabnahme HSV-Torwart Ulreich vor keine größeren Probleme stellte.

Diese bereitete dann aber Philip Heise seinem Team. Zunächst sah der KSC-Linksverteidiger in Minute 68 wegen Zeitspiels Gelb, neun Minuten später nach einem Foulspiel die Ampelkarte. „Ich habe der Mannschaft leider geschadet“, sagte Heise, der aber auch mit Schiedsrichter Christoph Günsch haderte: „Er hat zu kleinlich gepfiffen. Wir spielen immer noch Männersport.“

Terodde eiskalt vor dem KSC-Tor

Nur fünf Zeigerumdrehungen später folgte die nächste Bestrafung – in Form des 1:2. Der eingewechselte Sonny Kittel flankte – und fand im Fünfmeterraum HSV-Torgarant Terodde, der den Ball, bedrängt von Robin Bormuth, irgendwie über die Linie bugsierte. Danach warfen die Badener alles nach vorne – und wären fast noch mit dem verdienten Ausgleich belohnt worden. Doch Hofmanns wuchtigen Abschluss parierte Ulreich (90.+2) und bescherte dem HSV ein frohes Weihnachtsfest.

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Erstellt:
22. Dezember 2020, 00:14 Uhr
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