KSC: Wanitzek sorgt für Sieg auf Schalke

Gelsenkirchen (rap) – Nach vier sieglosen Spielen in Serie hat der Karlsruher SC am Freitagabend beim Bundesliga-Absteiger FC Schalke 04 mit 2:1 gewonnen – dank eines Traumtors von Marvin Wanitzek.

Dicker Patzer: S04-Torwart Ralf Fährmann faustet sich den Choi-Schuss selbst zum 0:1 ins Tor. Foto: Helge Prang/GES

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Dicker Patzer: S04-Torwart Ralf Fährmann faustet sich den Choi-Schuss selbst zum 0:1 ins Tor. Foto: Helge Prang/GES

Marvin Wanitzek hatte Platz. Viel Platz. Kurz nahm der Karlsruher Ersatz-Kapitän den Kopf nach oben, visierte sein Ziel an – und hielt mit all seiner Entschlossenheit drauf. Einen Sekundenbruchteil später schlug der Ball, in diesem Moment eher ein Geschoss, unhaltbar im Schalker Knick ein. Danach wurde der 28-Jährige zum Gejagten – und zwar von seinen freudestrahlenden Mitspielern.

Mit seinem Traumtor der Marke Sonntagsschuss aus 23 Metern (88.) besiegelte Wanitzek schließlich am Freitagabend den 2:1-Überraschungserfolg beim Bundesliga-Absteiger FC Schalke 04. In den 90 Minuten zuvor lieferten sich beide Teams eine hitzige Partie, mit vielen verbissenen Zweikämpfen und gar einem Platzverweis. Durch den Auswärtssieg sprangen die Badener zumindest für eine Nacht auf Relegationsplatz drei. „Großes Kompliment an die Mannschaft. In Summe ist es für mich ein verdienter Auswärtssieg“, sagte KSC-Coach Christian Eichner, der seinem Torwart – bekennender Schlager-Fan – gleich noch eine Erlaubnis erteilte: „Marius Gersbeck kann die Musik anmachen.“

Choi trifft dank Fährmann-Patzer

Aufgrund der Verletzungen der beiden „Qualitätsspieler“ (Eichner) Jerôme Gondorf (Muskelverletzung) und Sebastian Jung (Kreuzbandriss) war der KSC-Trainer zum Umbau seiner Startformation gezwungen: Marco Thiede verteidigte rechts hinten, vor ihm beackerte Fabio Kaufmann die Außenbahn. Dies bedeutete, dass Kyoung-Rok Choi, der beim 2:2 gegen Kiel auf dem Flügel zu überzeugen wusste und zum 1:0 traf, wieder im Zentrum neben Wanitzek agierte.

Keine Minute war gespielt, da durfte Choi erneut jubeln: Eine Heise-Ecke landete am zweiten Pfosten beim Südkoreaner, der einen recht harmlosen Aufsetzer aufs Schalker Tor brachte, den sich S04-Keeper Ralf Fährmann selbst in die Maschen legte. Und auch danach blieb der KSC in einer extrem intensiven Anfangsphase am Drücker, presste bereits am gegnerischen Strafraum und ließ die Hausherren so kaum zu einem ordentlichen Spielaufbau kommen.

Doch aus dem Nichts glichen die Königsblauen in Minute 15 aus – dank freundlicher Mithilfe der KSC-Defensive. Erst stellte sich Heise im Zweikampf mit Churlinov wie ein Schuljunge an, und auch die Gegenwehr von Christoph Kobald ließ zu wünschen übrig. Über Umwege landete der Ball am Fünfmeterraum bei Torjäger Simon Terodde, der trocken ins lange Eck vollstreckte. Auch nach dem Ausgleich blieb die Partie hitzig, mit vielen rassig geführten Zweikämpfen, bei deren Bewertung Schiedsrichter Christof Günsch des Öfteren daneben lag. Linksverteidiger Heise hatte mit dem quirligen Churlinov, der das Schalker Spiel unermüdlich ankurbelte, gehörige Probleme – in Minute 23 zielte der Flügelspieler aber weit über das Tor. Eine Schrecksekunde musste danach Robin Bormuth, der nach einem Jochbeinbruch mit Gesichtsmaske spielte, überstehen (30.). Im Luftkampf verpasste Terodde per Schulter dem KSC-Innenverteidiger ein Veilchen, nach einigen Minuten ging es für Bormuth aber weiter.

VAR nimmt Schalke-Tor zurück

Schalke machte das Spiel, drückte den KSC nun immer tiefer in die eigene Hälfte, ohne aber richtig zwingend zu werden. Offensiv meldeten sich die Badener in Minute 38 zu Wort, als Philipp Hofmann erneut nach einer Ecke am Fünfmeterraum im Getümmel an den Ball kam und Fährmann zu einer Glanzparade zwang.

Wie bereits beim Gastspiel in Nürnberg verschliefen die Wildparkprofis die ersten Minuten der zweiten Halbzeit, was sich auch auf Schalke beinahe rächen sollte. Doch Kaminski stand bei seinem Kopfballtreffer im Abseits, der VAR nahm die Schalker Führung folgerichtig zurück (50.). Nach gut einer Stunde biss sich die Eichner-Elf wieder in die Partie, Schalke hatte zwar weiterhin mehr Ballbesitz, erspielte sich aber kaum gefährliche Torchancen. Meist probierten es die Königsblauen aus der Distanz – ohne Erfolg. Terodde war bei Bormuth und Kobald nahezu abgemeldet. Selbst aber endeten die Karlsruher Offensivbemühungen meist 25 Meter vor dem S04-Gehäuse. In Minute 66 prüfte Zalazar KSC-Keeper Gersbeck per Distanzschuss, 60 Sekunden später war eine Choi-Hereingabe Richtung Hofmann zu ungenau. Kurz drauf kombinierte sich der KSC nach geraumer Zeit mal wieder spielerisch in den Schalke-Strafraum: Eine Flanke von Heise landete bei Wanitzek, der in den Rückraum auf Choi ablegte, der aber zu ungenau zielte.

Rot für Palsson

17 Minuten vor dem Ende änderte sich dann die Statik des Spiels, denn der KSC war plötzlich in Überzahl – Schalke-Kapitän Palsson setzte im Mittelfeld von hinten zur Grätsche gegen Wanitzek an, traf aber statt des Balls nur die Achillesferse. Nun übernahmen die Badener die Initiative, Schalke verteidigte mit zwei Viererketten das Remis. Recht erfolgreich – bis Wanitzek sich ein Herz fasste, sein Strahl aus 23 Metern im Tor-Giebel einschlug – und damit Schalke mitten ins Herz traf.

Ihr Autor

BT-Redakteur Christian Rapp

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Erstellt:
17. September 2021, 22:27 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 18sec

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