KSC beim HSV in Underdog-Rolle

Karlsruhe (red) - Der vom Abstieg bedrohte Karlsruher SC geht zuversichtlich ins Auswärtsspiel an diesem Samstag beim Tabellenzweiten Hamburger SV. „Wir wissen, dass wir auf eine der zwei besten Mannschaften der Liga treffen, so dass wir die Underdog-Rolle gerne annehmen“, sagte der neue Trainer Christian Eichner vor seinem Debüt in der 2. Fußball-Bundesliga. Aber auch der HSV habe in dieser Runde schon Punkte liegen lassen. „Wir fahren daher guter Dinge nach Hamburg und werden versuchen, dort zu überraschen“, sagte Eichner vorab.

Christoph Kobald (weißes Trikot) freut sich in Hamburg auf ein großes Spiel vor großer Kulisse. Foto: GES/Güngör

© GES/Marvin Ibo Güngör

Christoph Kobald (weißes Trikot) freut sich in Hamburg auf ein großes Spiel vor großer Kulisse. Foto: GES/Güngör

Den Blick zurück verbittet sich Christian Eichner, gute Gründe dafür gibt es allemal. Zum einen ist es kaum ergötzend, was da zu sehen wäre, nämlich ein trauriges Pokal-Aus unter der Woche. Zum anderen hat Eichner, der neue Trainer des Karlsruher SC, für längere Nachbetrachtungen schlichtweg keine Zeit, in „englischen Wochen“ wie dieser ist nach schließlich noch mehr als sonst vor dem Spiel.

Teil seiner Ausführungen wurde die Pokal-Pleite beim 1. FC Saarbrücken am Mittwoch auf der gestrigen Pressekonferenz, die erste, die der 37-Jährige als Cheftrainer vor einer Partie erlebt, freilich doch, nicht zuletzt an dem Punkt, an dem Eichner zu seiner Feststellung gelangt, dass das heutige Ligaspiel (13 Uhr) beim Hamburger SV unter „umgekehrten Voraussetzungen stattfinde. Soll heißen: Gegen den Drittligisten Saarbrücken war der KSC trotz seiner immer tiefer werdenden Krise eindeutig Favorit, heute in Hamburg, bei laut Eichner „einer der zwei besten Mannschaften der Liga“, kann davon definitiv nicht die Rede sein. Eichner ist sich dessen bewusst. Von Underdog-Rolle, die man gerne annehme, spricht er – nicht ohne zu erwähnen, dass just diese bisweilen zuvor ungeahnte Möglichkeiten bereit hält. „Was man aus der Underdogrolle machen kann, haben wir ja am Mittwoche gesehen. Der Sport ist immer mal für eine Überraschung gut“, stellt Eichner kampfeslustig fest.

Eine solche wäre es in faustdicker Form in der Tat, sollte der von Trainerfuchs Dieter Hecking trainierte Tabellenzweite gegen den seit Dienstag vom Cheftrainer-Novizen Eichner betreuten Rangvorletzten verlieren oder auch nur die Punkte teilen müssen. Andererseits ist Eichners Hinweis, die Hamburger hätten im Saisonverlauf durchaus schon gegen kleine Mannschaften Punkte liegen lassen, zumindest vor der Winterpause, nicht von der Hand zu weisen. Das Problem dabei, jedenfalls aus Karlsruher Sicht: Der HSV hat sich just in dieser Winterpause mit dem Finnen Joel Pohjanpalo von Bayer Leverkusen sowie Louis Schaub vom 1. FC Köln verstärkt. „Toptransfers“ nennt Eichner beide.

Gondorf noch hinter den Erwartungen

Von solchen kann man beim KSC (zumindest noch) nicht reden. Der vom SC Freiburg ausgeliehene Jérôme Gondorf wurde seinem eigenen Anspruch, Führungsspieler zu sein, bislang nur verbal gerecht. Der aus Paderborn losgeeiste Babacar Gueye konnte in den zwölf Minuten seines Mitwirkens gegen Holstein Kiel bestenfalls gute Ansätze andeuten. Ob Winterneuzugang Nummer drei, Änis Ben-Hatira, ein nachhaltigerer Einstand gelingt, muss sich noch zeigen. Zumindest im Kader steht der Deutsch-Tunesier heute erstmals.

Beim HSV fehlen wird indes die halbe Verteidigung, namentlich Innenverteidiger Daniel Gordon (gelbgesperrt) und der für drei Spiele rotgesperrte Linksverteidiger Damian Roßbach. Den einen, Roßbach, wird Dirk Carlson ersetzen, den anderen Christoph Kobald. Der junge Österreicher freut sich nicht nur auf „ein großes Spiel vor großer Kulisse“, sondern auch auf das direkte Aufeinandertreffen mit Landsmann, HSV-Stürmer und Nationalspieler Lukas Hinterseer. „Ich werde versuchen, ihn aus dem Spiel zu nehmen“, sagte Kobald gestern. Sein Trainer traut dem 22-Jährigen das durchaus zu: „Wenn er gespielt hat, konnte man sich immer 100 Prozent auf ihn verlassen.

Eichner will Nadelstiche setzen

Dabei möchte es der Neucoach zu einer Abwehrschlacht heute erst gar nicht kommen lassen. Zum einen hätten er und Co-Trainer Zlatan Bajramovic sich prinzipiell auf die Fahnen geschrieben, „eine gewisse Aktivität ins Spiel zu bringen“ und den Gegner auf verschiedenen Höhen zu attackieren, schon um ein Stück unberechenbarer zu sein. Zum anderen sei es speziell gegen den HSV wenig erfolgsversprechend, „90 Minuten hinten rein zu stehen“. Auf Nadelstiche will Eichner stattdessen von Anfang an setzen. „Vielleicht gelingt es uns auch mal, das erste Tor zu schießen. Für die Mannschaft wäre das Gold wert“, glaubt Eichner. Erlebt hat sie dieses Gefühl zum letzten Mal Anfang Dezember. Beim 2:2 beim aktuellen Tabellenführer Arminia Bielefeld.


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