KSC besser als Triple-Sieger-Besieger

Karlsruhe (ruf) – Der Karlsruher SC setzt seine Erfolgsserie in der zweiten Fußball-Bundesliga fort und beendet gleichzeitig den Kieler Freudenrausch. Drei Verteidiger treffen für die Badener.

Spielentscheidende Szene: Robin Bormuth (links) köpft gegen Kiels Marco Komenda den Ball zum 3:2-Sieg ins Tor. Foto: Marvin Güngör/GES

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Spielentscheidende Szene: Robin Bormuth (links) köpft gegen Kiels Marco Komenda den Ball zum 3:2-Sieg ins Tor. Foto: Marvin Güngör/GES

Die Pokalsensation vom Mittwoch hat sich in Kiel offenbar positiv aufs Selbstbewusstsein ausgewirkt. „Die Nummer eins der Welt sind wir“ stand jedenfalls auf einem Transparent, das nach dem Pokalsieg gegen die Bayern dort aufgehängt worden war, wo in pandemiefreien Zeiten die Heimfans Deutschlands am nördlichst gelegenen Fußball-Zweitligisten anfeuern. Dafür, dass der graue Liga-Alltag die Holsteiner schnell wieder einholte, sorgte am Sonntag indes der Karlsruher SC, der trotz starker Leistung einen recht glücklichen 3:2-Sieg bei einem starken Gegner landete.

Schon kurz nach Spielbeginn konnten die Badener erstmals jubeln: Nach einem Pass von Philipp Hofmann kam Marvin Wanitzek zum Abschluss, dessen Schuss Kiels Keeper Ioannis Gelios nach vorne abwehrte. Dort stand Philip Heise und drosch den Ball zur 1:0-Führung ins lange Eck. Kurz darauf hatte Marc Lorenz gleich das 2:0 auf dem Fuß, doch Gelios wehrte seinen 25-Meter-Schuss zur Ecke ab (13.).

KSC igelt sich ein

Kiels Trainer Ole Werner, der zusammen mit Christian Eichner den 66. Fußballlehrer-Kursus des DFB absolviert hatte, war schon im Vorfeld voll des Lobes über die Elf des ehemaligen Mitschülers gewesen. Der KSC sei „eine Mannschaft, die klare Abläufe, ein sehr gutes Umschaltspiel und hohe Geschwindigkeit auf den Flügeln“ habe. Das traf gestern auch tatsächlich auf die Anfangs- und die Endphase des ersten Durchgangs zu. Dazwischen wirkte es streckenweise allerdings so, als hätte der Führungstreffer nicht dem Gast, sondern der Heimmannschaft Selbstvertrauen verliehen: Der KSC igelte sich nach einer Viertelstunde vor dem eigenen Strafraum ein und ließ Kiel über 20 Minuten ehrfurchtsvoll zur Entfaltung kommen, ohne selbst für Entlastung sorgen zu können. Allein Fabian Reese, neben Jonas Meffert der zweite Spieler mit Karlsruher Vergangenheit in der Kieler Startelf, hatte in dieser Phase zwei gute Möglichkeiten (20./25.) zum Ausgleich.

Erst in den letzten Minuten der ersten Halbzeit drehten die Badener nochmals auf und beherzigten das Kommando, das Eichner gleich zwei Mal aufs Feld gerufen hatte. Es lautete: „Fußball!“ Und den spielte die Mannschaft nun auch wieder. Gleich drei Mal kombinierte sie sich gefährlich vors Kieler Tor. Nach einer Flanke von Lorenz köpfte Hofmann den Ball an den Pfosten (43.), kurz darauf (44.) prüfte er Gelios erneut per Kopf. Nach der anschließenden Ecke von Wanitzek, die Hofmann nach hinten verlängerte, war dann auch der starke Kieler Keeper machtlos: Marco Thiede wuchtete den Ball zu seinem zweiten Saisontor ins Netz (45.).

Mit „Pulp Fiction“ in Hälfte zwei

Mit dem „Pulp-Fiction“-Titelthema als Einlaufmelodie begann im sonnigen Kiel dann die zweite Halbzeit, in der Holstein stark aufspielte und bald KSC-Keeper Marius Gersbeck in den Mittelpunkt des Geschehens rückte. Nach einem Eckball von Alexander Mühling kam Marco Komenda unbedrängt zum Kopfball, doch Gersbeck hielt dessen wuchtigen Kopfstoß aus drei Metern (55.) – eine Szene, die mindestens so spielentscheidend war wie jeder der drei Karlsruher Treffer. Kurz darauf war allerdings auch der an diesem Tag überragende Karlsruher Schlussmann machtlos, als Serra ein Zuspiel von Reese zum 1:2 verwertete. KSC-Innenverteidiger Robin Bormuth, der spätere Schütze des Siegtores, hatte den Ball zuvor nicht klären können (60.).

Während der KSC zumindest kurzzeitig wieder in Mutlosigkeit verfiel, drängte Kiel weiter auf den Ausgleich, der förmlich in der Luft lag. Kurz nach dem Anschlusstreffer verfehlte ein Kopfball von Serra noch knapp das KSC-Tor (65.), in der 77. Minute war es dann aber soweit: Serra erzielte nach Vorarbeit von Lee seinen zweiten Treffer, indem er den Ball am langen Pfosten über die Linie grätschte.

Eichner: Wurden regelrecht „paniert“

Ein 2:2 wäre alles in allem auch ein gerechtes Resultat in einer Partie zwischen zwei mutigen und angriffsfreudigen Mannschaften gewesen. Der KSC hätte sich allerdings auch nicht beschweren dürfen, wenn er in den beiden Kieler Drangphasen noch mehr Gegentore kassiert hätte. „Man hat in jeder Sekunde die große Klasse des Gegners gesehen“, gab auch Christian Eichner zu, der fand, dass sein Team „von der 46. Minute an regelrecht paniert“ worden war und „den Sechzehner nur noch aus großer Entfernung gesehen“ habe.

Doch es sollte anders kommen. Der KSC scheint derzeit tatsächlich das „Matchglück“ zu haben, von dem Eichner so gerne spricht. In der 85. Minute, neun Minuten vor dem ersehnten Abpfiff, köpfte Bormuth einen Freistoß von Heise ins Tor und brachte den dritten Karlsruher Sieg in Folge unter Dach und Fach. Einstweilen steht die Eichner-Elf mit 25 Punkten auf dem sechsten Tabellenplatz – Parameter, mit denen sich die neunstündige Rückfahrt nach Karlsruhe deutlich besser überstehen ließ.


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