KSC beweist auf Schalke viel Charakter

Gelsenkirchen (rap) – Der Karlsruher SC hat nach vier sieglosen Ligaspielen bei Schalke 04 gewonnen. Der KSC kam nach einer Woche mit personellen Rückschlägen durch eine Energieleistung zum Sieg.

Im Duell: KSC-Siegtorschütze Marvin Wanitzek (links) und Schalkes Rotsünder Victor Palsson. Foto: Helge Prang/GES

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Im Duell: KSC-Siegtorschütze Marvin Wanitzek (links) und Schalkes Rotsünder Victor Palsson. Foto: Helge Prang/GES

Die vergangene Woche war eine ziemlich verkorkste für den Karlsruher SC – bis zum Freitagabend. Und eben jenem Moment, als Marvin Wanitzek in Minute 88 beim Gastspiel auf Schalke aus 23 Metern den Ball ins Tordreieck gejagt und dem KSC einen „nicht ganz erwartbaren“ (Christian Eichner) Auswärtssieg beschert hatte. Denn in den Tagen zuvor mussten die Wildparkprofis zwei Rückschläge verkraften. Erst zog sich Kapitan Jerôme Gondorf einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zu, später riss bei Außenverteidiger Sebastian Jung das vordere Kreuzband. Der eine (Gondorf) wird den Blau-Weißen einige Wochen fehlen, der andere (Jung) mindestens ein halbes Jahr.

Besodere Geste für Sebastian Jung

Wanitzeks Sieg-Hammer nach der frühen Führung durch Kyoung-Rok Choi, bei der Schalke-Keeper Ralf Fährmann dick patzte (1.), und dem Ausgleich durch Simon Terodde (15.) wirkte für den KSC wie eine Erlösung. Mitten in der Jubeltraube tauchte plötzlich ein Trikot auf. Es war das mit der Rückennummer 2, also jener von Sebastian Jung, versehen mit der Botschaft: „Gute Besserung“. Hoch gehoben von Marco Thiede, der für Jung auf der rechten Abwehrseite spielte, und Robin Bormuth, der nach einem Luftkampf mit Terodde 60 Minuten lang mit einem geschwollenen linken Auge samt Veilchen ackerte und rackerte.

Es sind Szenen wie diese, die verdeutlichen, was diese KSC-Mannschaft auszeichnet: ein großes Herz, viel Mentalität und der Glaube an sich selbst. „Großes Kompliment an die gesamte Mannschaft, wie sie nach den zwei Rückschlägen für diese Jungs gefightet hat“, lobte Trainer Eichner.

Vier Spiele wartete der KSC auf einen Sieg, der Coup auf Schalke dürfte – trotz aller Verletzungssorgen – Auftrieb für das Heimspiel am Samstag gegen den FC St. Pauli geben. Zumal die Badener gegen den Bundesliga-Absteiger mutig agierten, früh pressten, Königsblau so zu vielen Fehlern im Spielaufbau zwangen und insgesamt eine geschlossene Teamleistung zeigten.

Ballbesitz für Eichner nicht wichtig

Bei Choi, der gegen Schalke im zweiten Spiel in Serie traf, zeigt die Formkurve nach einem schleppenden Saisonstart weiter nach oben, im Angriff rieb sich Philipp Hofmann („Das war ein ganz besonderes Spiel für mich, zurück in der alten Heimat.“) wie gewohnt in unzähligen Duellen auf und fungierte immer wieder gekonnt als Wandspieler. Im Mittelfeld spulten Wanitzek und der 19-jährige Tim Breithaupt Kilometer um Kilometer ab und gingen in einer extrem hitzigen und körperbetonten Partie keinem Zweikampf aus dem Weg. In der Defensive ersetzte Thiede Jung ohne Qualitätsverlust, während S04-Torjäger Terodde – außer beim Ausgleich – bei den Innenverteidigern Bormuth und Christoph Kobald nahezu abgemeldet war. „Sie hat von Anfang an das umgesetzt, was wir ihr auf den Weg mitgegeben haben“, sagte Eichner über seine Mannschaft: „Sie war sehr, sehr mutig im Attackieren.“ Schalke hatte zwar bis zur Roten Karte für Kapitän Victor Palsson (S04-Coach Dimitrios Grammozis: „Vertretbar“), der Wanitzek per Grätsche von hinten an der Ferse traf (72.), mehr Ballbesitz, mehr gespielte Pässe und auch mehr Torschüsse aufzuweisen – kam aber kaum gefährlich in die Box. KSC-Keeper Marius Gersbeck war nahezu beschäftigungslos.

„Ballbesitz brauchst du in dieser Liga nicht zu haben, das entscheidet die Spiele nicht“, sagte Eichner. „Spiele werden im Sechzehner entschieden.“ Manchmal aber auch ein paar Meter dahinter – per Traumtor aus der Distanz.

Ihr Autor

BT-Redakteur Christian Rapp

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Erstellt:
19. September 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
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