KSC erkämpft Remis beim Hamburger SV

Hamburg (ruf) – Zahlreiche Ausfälle, drittes Spiel in einer Woche – und dennoch kehrt der Fußball-Zweitligist Karlsruher SC mit einem Punkt im Gepäck aus Hamburg ins Badische zurück.

Rein damit: KSC-Routinier Daniel Gordon (Zweiter von links) trifft zum 1:1-Endstand. Foto: Marvin Ibo Güngör/GES

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Rein damit: KSC-Routinier Daniel Gordon (Zweiter von links) trifft zum 1:1-Endstand. Foto: Marvin Ibo Güngör/GES

Als Schiedsrichter Sven Waschitzki die Partie abpfiff, war der Miene von HSV-Coach Daniel Thioune der Ernst der Lage anzusehen. Mit dem 1:1, das der KSC den Hanseaten abgetrotzt hatte, haben die Aufstiegsambitionen des einstigen Bundesliga-Dinos einen weiteren Dämpfer bekommen.

Fünf Punkte Rückstand hat der stolze Traditionsverein nun auf den Zweiten Fürth. Das könnte zu viel sein, um den direkten Aufstieg zu schaffen. Der KSC, bei dem Daniel Gordon (57.) die Führung durch Simon Terodde (56.) ausglich, kann hingegen stolz auf eine kämpferisch wie spielerisch überzeugende Leistung sein.

Zwei Möglichkeiten hatten die Gäste bereits in den ersten 45 Minuten. In der 31. Minute köpfte Babacar Guèye einen Eckball von Marc Lorenz neben das Tor, ehe Marvin Wanitzek die beste Chance des gesamten ersten Durchgangs vergab: Benjamin Goller hatte Marco Thiede bedient, der auf dem rechten Flügel sofort Tempo aufnahm und scharf nach innen passte. Doch der Innenristschuss des Mittelfeldmannes strich wenige Zentimeter am Torpfosten vorbei.

Choi verlängert Vertrag bis 2023

Dem HSV, der passabel begonnen und durch Aaron Hunt (9.) und Manuel Wintzheimer (20.) Tor-Annäherungen zu verzeichnen hatte, waren Einsatz und Wille nicht abzusprechen. Doch der Zwang, das Spiel de facto gewinnen zu müssen, um nach drei Jahren der Zweitklassigkeit noch eine Chance auf den Aufstieg zu haben, schien manchen Akteur zu lähmen. Ab der Hälfte des ersten Durchgangs wurden die Hamburger Aktionen immer fahriger, der Gast aus Karlsruhe schien hingegen zusehends zu merken, dass in dieser Partie mehr drin sein könnte als beim jüngsten 0:0 gegen Aue.

Dabei waren die Karlsruher mit argen Personalsorgen in den Norden gereist. Robin Bormuth, Lukas Fröde und Xavier Amaechi fehlten quarantänebedingt, Linksverteidiger Philip Heise pausierte aufgrund einer Gelbsperre. Noch schwerer wog indes der Ausfall von Philipp Hofmann und Kyoung-Rok Choi. Der Südkoreaner, aufgrund seiner Spielintelligenz ein erklärter Lieblingsspieler von Trainer Christian Eichner, verlängerte am Donnerstag seinen Vertrag bei den Blau-Weißen bis 2023.

Statt Hofmann lief in Hamburg Guèye im Sturmzentrum auf, der schon bei der Arbeit gegen den Ball zuweilen weit weniger Engagement zeigt als Hofmann und nicht über dessen Abschlussqualitäten verfügt. Insgesamt war es beeindruckend, wie konsequent der KSC die hochkarätig besetzte HSV-Offensive vom eigenen Tor fernhielt. Konsequent wurden die Passwege zugestellt, der Weg in den Strafraum blieb außer bei den wenigen Standardsituationen versperrt. „Eine Mannschaft, die ihr Tor mit ihrem Leben geschützt hat“, hatte Trainer Eichner gesehen.

Eichner: Gordon „bester Kopfballspieler der Liga“

Einmal, in der 55. Minute gelang das allerdings trotz allen Einsatzes nicht. Da stoppte Unglücksrabe Guèye einen Schuss von Hunt mit der Hand – den fälligen Strafstoß verwandelte Terodde in seinem 250. Zweitligaspiel im Nachschuss, nachdem KSC-Keeper Marius Gersbeck zunächst pariert hatte (56.). Doch die Badener schlugen umgehend zurück. Nur wenige Sekunden nach dem Rückstand köpfte Daniel Gordon, den Eichner nach der Partie als „besten Kopfballspieler der Liga“ adelte, eine Flanke von Wanitzek zum 1:1 ein. „Ab einem gewissen Alter fängt man an, jedes Spiel zu genießen“, feixte der 36-Jährige nach seinem Tor. Und schob etwas ernster nach, dass mehr drin gewesen wäre, „wenn wir die Konter sauberer zu Ende gespielt hätten“.

Tatsächlich wogte das Spiel auch nach dem Ausgleich weiter hin und her, mit Chancen auf beiden Seiten. Sonny Kittel (65.) und Bakery Jatta (69.) brachten den Ball jedoch mit halbherzigen Versuchen nicht im KSC- Tor unter. Auf Karlsruher Seite zwang Jerôme Gondorf HSV-Torwart Sven Ulreich zu einer Parade (78.). „In der letzten halben Stunde waren wir dem Lucky Punch einen Tick näher als der HSV“, fand Trainer Eichner. Und hatte Recht. Auch dank Gondorf, der wie bereits in vielen Spielen zuvor als verlängerter Arm des Trainers auf dem Platz agierte, hinten die Lücken stopfte, geschickt das Spiel verlagerte und immer wieder auch Torgefahr ausstrahlte.

Erst Wellness-Programm, dann Spiel in Düsseldorf

Am Ende blieb es dennoch bei einer Punkteteilung, die sich der von vielen Ausfällen geplagte KSC beim Favoriten mit einer starken Leistung redlich verdient hatte. „Was die Mannschaft in dieser Saison bislang abgerissen hat, ist unglaublich“, fand dann auch Eichner, „da kann man auch ein bisschen stolz sein.“ Vor dem nächsten Spiel, das schon am Montag in Düsseldorf angepfiffen wird, hat Eichner derweil für seine Spieler ein eher angenehmes Programm ausgeguckt: „Gut essen, gut schlafen und viel Liebe von den Ehefrauen“, wünsche er ihnen vor der Fahrt ins Rheinland. Dass man den langen Rückweg ausnahmsweise mit dem Charter-Flieger statt mit dem Bus antrat, war am Donnerstagabend schon der erste Teil des vom Trainer empfohlenen Wellness-Programms. „So etwas“, weiß Eichner, „passiert bei uns ja auch nicht alle Tage.“

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Erstellt:
29. April 2021, 22:21 Uhr
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