KSC feiert Klassenerhalt

Fürth (ruf) – Erleichterte Gesichter auf dem Platz nach dem Schlusspfiff, eine erste Kabinen-Party im Anschluss: Der Karlsruher SC feierte am Sonntag den Klassenerhalt in Liga zwei.

Start einer langen Nacht: Die KSC-Profis feiern den Klassenerhalt in der Kabine. Foto: Helge Prang/GES

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Start einer langen Nacht: Die KSC-Profis feiern den Klassenerhalt in der Kabine. Foto: Helge Prang/GES

In Fürth haben sie ein Stadionlied, das von den Lokalmatadoren „Travelling Playmates“ gesungen wird. Die Band, die von sich behauptet, „mit ihrem ureigenen Sound die Sümpfe Louisianas in das heimische Rednitz-Pegnitz-Regnitz-Delta“ zu verlegen, lässt im „Kleeblattsong“, die 70er hochleben: „Geg’n Stuttgart, die 60er und unsre Vorstadt is’gange“, singen sie weiter. Die Verachtung für die um schlappe 400 000 Einwohner größere Stadt ist in Fürth eben grenzenlos – was die zum Teil recht deutliche Schadenfreude erklären dürfte, die das Los der „Cluberrer“ auf der Fürther Haupttribüne auslöste.

Denn gegen die Vorstadt ging es nicht nur in den Siebzigern, sondern auch am Sonntag im Fernduell der 2. Fußball-Bundesliga. Dass eine Fürther Niederlage gegen den Karlsruher SC das Abrutschen des ungeliebten Lokalrivalen aus Nürnberg auf den Relegationsplatz befördern würde, war bekannt. Und genau so kam es schließlich auch: Karlsruhe gewann 2:1, das allerdings gegen ein Fürther Team, das stark genug spielte, um sich keine Wettbewerbsverzerrung vorwerfen lassen zu müssen. Nach dem Schlusspfiff mussten die KSC-Spieler dann noch drei unendliche Minuten warten, bevor die Party keine Grenzen mehr kannte: Die Badener hatten dank des Nürnberger 1:1 in Kiel doch noch den Sprung auf Platz 15 geschafft – die beiden Relegationsspiele bleiben der Mannschaft von Christian Eichner also erspart.

„Ich kann nicht so richtig fassen, was heute passiert ist“, sagte Christian Eichner nach der Partie. „Die letzten Wochen waren geprägt von hoher mannschaftlicher Geschlossenheit. Das ist der Weg, den der KSC auch künftig gehen muss, wenn er dauerhaftes Mitglied der Zweiten Liga bleiben will.“

Spannender 90-Minuten-Spielfilm

An Spannung kaum zu überbieten war der 90-Minuten-Spielfilm tatsächlich schon vor dem Happy End. Und der begann ohne großes Herumgeplänkel. Zwar behaupten die Franken von sich gerne, eher gemächliche Menschen zu sein, doch die Lage nach 180 Sekunden sprach dieser Selbsteinschätzung Hohn. Zu diesem Zeitpunkt hatten nämlich sowohl Nürnberg als auch Fürth schon je einen Treffer erzielt. Um 15.51 Uhr war dann nach dem KSC-Ausgleich aus zwei unterschiedlichen Richtungen Jubel über den Treffer von Dominik Kother zu vernehmen: Zum einen freute sich der kleine KSC-Tross um Präsidentschaftskandidat Holger Siegmund-Schultze – und es drangen tatsächlich Freudenrufe von draußen auf den Rasen: Gut ein Dutzend KSC-Fans, die es sich vor dem Spiel auf Höhe der selbstredend menschenleeren Gästekurve, vorm „Greuther Teeladen“, gemütlich gemacht hatte, waren vor den Haupteingang am Laubenweg gekommen und freuten sich offensiv. Extra aus Baden sei man angereist, hatte der Mini-Pulk, der in den entscheidenden Stunden möglichst nah bei der Mannschaft sein wollte, vor dem Spiel berichtet.

Doch wenn es überhaupt noch eine Chance auf Platz 15 geben sollte, dann brauchte der KSC ganz dringend ja drei Punkte. Einer zumindest schien das verstanden zu haben: Trainer Christian Eichner. Der schrie und wütete, was das Zeug hielt, von Minute zu Minute heiserer schien er zu werden. Es war dann ein vom ehemaligen Fürther Philipp Hofmann verwandelter Elfmeter (61.), der im hohen Norden für Nürnberger Nervosität gesorgt haben dürfte. Denn nun würde ein Kieler Tor genügen, um den Club der Dritten Liga deutlich näher zu bringen. Und spätestens, als Holstein tatsächlich ausglich (67.), dürfte die Nervosität in Panik umgeschlagen sein, ehe endgültig feststand, dass Nürnberg und Karlsruhe doch noch die Plätze tauschen würden.

Glückliche KSC-Gesichter im Fürther Ronhof

Glückliche Gesichter gab es trotzdem fast überall in Fürth-Ronhof. Gut 30 Karlsruher Spieler und Funktionäre brüllten ihre Freude um 17.23 Uhr heraus, derweil sich auch die rund 40 Fürth-Anhänger unter den handverlesenen Tribünengästen zumindest teilweise ein Grinsen nicht verkneifen konnten. Denn nun muss der FCN in die Relegationsspiele gegen den Dritten der Dritten Liga und könnte bald erstmal in seiner 120-jährigen Geschichte eine Klasse unter den Fürthern spielen.

Das Häuflein KSC-Fans außerhalb des Stadions hatte derweil während des Spiels offenbar erfolgreich auf sich aufmerksam gemacht: Fünf Minuten nach Schlusspfiff machten die feiernden KSC-Spieler die La-Ola-Welle in die Richtung, in der sie jenseits der Tribüne ihre Fans vermuteten.

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Erstellt:
29. Juni 2020, 07:30 Uhr
Lesedauer:
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