KSC führt 2G-Regel ein

Karlsruhe (ket) – Fußball-Zweitligist Karlsruher SC setzt auf die 2G-Regelung. Das heißt: Ab sofort dürfen nur noch Geimpfte und Genesene ins Wildpark-Stadion. Nicht allen Fans wird das gefallen.

Verstöße gegen die Maskenpflicht wie hier, Ende Juli, können durch die 2G-Regelung im Wildpark künftig nicht mehr vorkommen. Foto: Helge Prang/GES

© GES/Helge Prang

Verstöße gegen die Maskenpflicht wie hier, Ende Juli, können durch die 2G-Regelung im Wildpark künftig nicht mehr vorkommen. Foto: Helge Prang/GES

Die Frage hat durchaus hamletsche Dimensionen, zumindest für die Profifußball-Klubs im Land. Zwar geht es, anders als in Shakespeares Tragödie, nicht ganz direkt um „Sein oder Nichtsein“, zumindest in die Richtung zielt das Thema letzten Endes aber durchaus schon. Zwei oder drei G – das ist dabei die Frage, wer künftig trotz anhaltender Corona-Pandemie Einlass ins Stadion bekommen soll. Also ausschließlich genesene und geimpfte Menschen – oder auch solche, die lediglich einen gültigen Corona-Test vorweisen können.

Der Vorteil der zwei G’s für die Vereine liegt auf der Hand: Sie dürfen, bis hin zur Vollauslastung, wieder mehr Zuschauer in die Stadien lassen, entsprechend steigen auch die Zuschauereinnahmen. Hinzu kommt, dass die Maskenpflicht und damit die Kontrolle der Einhaltung derselben entfällt. Der mögliche Nachteil: Ein nicht unwesentlicher Teil der Ultra-Szene kann sich mit der 2G-Variante nicht anfreunden, sogar zu Spiel-Boykotten ist es, beispielsweise bei Dynamo Dresden, schon gekommen. Beim FC Kaiserslautern wiederum haben Fans als Reaktion ihre Mitgliedschaft gekündigt. Es besteht also durchaus die Gefahr, es mit einem Teil seiner Klientel zu verscherzen oder sie gar zu verlieren.

Reaktionen der Fans nur schwer vorhersehbar

Dabei scheint nur schwer vorhersehbar, wie die Reaktionen letztendlich ausfallen. „In den Fanszenen wird das kontrovers diskutiert – und die Gruppen kommen zu unterschiedlichen Entscheidungen. Manche sind unter den 3G-Bedingungen ins Stadion gegangen, für die ist jetzt 2G das No-Go. Andere sagen, 3G kam für uns nicht infrage, aber unter 2G gehen wir wieder hin. Man kann das nicht pauschal sagen. Wahrscheinlich gibt es sogar innerhalb der einzelnen Ultra-Gruppen unterschiedliche Positionen, auch wenn sie dann eine gemeinsame Entscheidung treffen“, hat der Berliner Fanforscher Jonas Gabler das in einem Beitrag für den Norddeutschen Rundfunk NDR zusammengefasst.

Die Frage nach den G’s will also gut überlegt sein. Beim Karlsruher SC haben sie das zuletzt offenbar getan. Das Ergebnis gab der Zweitligist gestern in einer Presseinformation vorab bekannt. „Nach intensiven internen Abwägungen und dem Austausch mit Gesundheitsamt, Ordnungsamt, dem Fandachverband ‚Supporters Karlsruhe 1986‘ e.V. sowie Vertretern der aktiven Fanszene haben sich Beirat und Geschäftsführung des KSC für die Einführung der 2G-Regelung entschieden“, wird KSC-Geschäftsführer Michael Becker in dieser zitiert. Und weiter: „Nur so ist die Rückkehr zur Maximalauslastung und damit der nächste Schritt in Richtung Normalität möglich. Zudem macht es uns die 2G-Regelung möglich, die viel diskutierte Maskenpflicht im Stadion komplett abzuschaffen. Zuletzt kam es hier bekanntlich immer wieder zu Verstößen, die so nun der Vergangenheit angehören.“ Erstmalige Anwendung soll die 2G-Regel beim nächsten Heimspiel gegen den SC Paderborn am Sonntag in einer Woche finden. 20.000 Zuschauer könnten der Partie dann beiwohnen.

„Mit Lösung nicht vollends zufrieden“

Bei aller Freude über das Plus an Zuschauern und somit an Einnahmen findet Becker auch kritische Worte. „Wir hätten uns vonseiten der Politik eine klarere und bundesweit einheitliche Positionierung gewünscht, anstatt die Entscheidung an die Clubs weiterzugeben und unterschiedliche Verordnungen je nach Bundesland einzuführen“, wird Becker zitiert. Damit nicht genug: „Auch die weitere Möglichkeit zum Einlass mit PCR-Tests, wie es zum Beispiel in Bayern der Fall ist, hätten wir im Sinne unserer Fans begrüßt. Für eine solche Ausnahmeregelung haben wir uns im Vorfeld gegenüber den Behörden vergeblich eingesetzt. Fußball sollte für alle da sein, das ist unser übergeordnetes Ziel beim Weg in Richtung Normalität, so dass wir mit der nun getroffenen Lösung auch nicht vollends zufrieden sind.“

Dessen ungeachtet sind die Realitäten ab dem kommenden Heimspiel laut Presseinfo so: Zutritt zum Wildpark erhalten nur vollständig geimpfte oder genesene Personen (2G-Regelung). Ausgenommen davon sind Kinder und Jugendliche bis einschließlich 17 Jahren. Ebenso ausgenommen sind nicht impffähige Personen mit entsprechendem ärztlichen Attest. Dauerkarteninhaber, welche aufgrund der neuen Regelung die Heimspiele nicht mehr besuchen können, haben die Möglichkeit, ihre Dauerkarte zurückzugeben und erhalten anteilig ihr Geld zurück. Über den genauen Prozess will der KSC in Kürze informieren.

Zum Artikel

Erstellt:
19. Oktober 2021, 16:56 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 02sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.