KSC gibt Tabellenführung aus der Hand

Karlsruhe (ket) – Fußball-Zweitligist Karlsruher SC hat den dritten Saisonsieg verpasst, bleibt nach dem 0:0 in Sandhausen aber ungeschlagen. Trainer Eichner haderte mit den Platzverhältnissen.

Kampf um den Ball: KSC-Kapitän Jerôme Gondorf (links) und  Arne Sicker. Foto: Marvin Ibo Güngör/GES

© GES/Marvin Ibo Güngör

Kampf um den Ball: KSC-Kapitän Jerôme Gondorf (links) und Arne Sicker. Foto: Marvin Ibo Güngör/GES

Der Mann am Mikrofon wusste genau, wie er das Spiel, das im Sandhäuser Hardtwaldstadion gerade zu Ende gegangen war, zusammenzufassen hatte – und er wählte die kürzest mögliche Version. „Wir haben den ersten Punkt gegen den Tabellenführer eingefahren“, blies er ins sich langsam leerende Stadionviereck. Viel mehr – außer dem obligatorischen „Kommen Sie gut nach Hause!“ natürlich – musste er gar nicht mehr sagen.

Die Begeisterung in seiner leicht überdrehten Stadionsprecherstimme machte von ganz alleine deutlich, wie dieser mit einem 0:0 gegen den Karlsruher SC ergatterte erste Saison-Zähler zumindest aus Sicht des SV Sandhausen nach zuvor zwei Spielen ohne Punkt und Tor zu werten ist: als Erfolg. Dass auf der Gegenseite zeitgleich just das Gegenteil der Fall war, unterstrich nur, dass der Mikrofonmann mit seiner Bewertung keineswegs daneben lag. In KSC-Reihen rief das torlose Remis beim Tabellenvorletzten schließlich nicht nur bei Christian Eichner „gemischte“ Gefühle hervor. „Wir hatten uns viel vorgenommen“, sagte der KSC-Coach, um sogleich zu präzisieren: „Wir hatten uns vorgenommen, das dritte Spiel in Folge zu gewinnen.“

Dass es dazu nicht kam, hatte auch damit zu tun, dass die Eichner-Elf, in der Philip Heise wieder den Linksverteidiger gab und Fabian Schleusener sowie Fabio Kaufmann schon wie zuletzt im Pokal die Flügel übernahmen, auf einen Gegner traf, der deutlich anders agierte als erwartet. Statt „mit dem Messer in der Hand“ (Eichner) die Flucht nach vorne anzutreten und so zu versuchen, den Gegner in eigener Hütte unter Druck zu setzen und zu Fehlern zu zwingen, sah es der Matchplan der Gastgeber eher vor, nach zuletzt neun Gegentoren in erster Linie die eigene „Defensive abzusichern“ wie Stefan Kulovitz, der den SVS zusammen mit Gerhard Kleppinger trainiert, hernach verriet. Zu was das vor allem in der ersten Halbzeit führte, formulierte Karlsruhes Jerôme Gondorf gewohnt schonungslos. „Die haben nichts fürs Spiel getan. Gefühlt wollten die gar nichts“, bemängelte er.

Probleme mit tiefstehenden Gegnern

Was sich bei anderen beruhigend anhört, wird für diese Karlsruher Mannschaft bisweilen freilich zum Problem. „Nach wie vor tun wir uns gegen tiefstehende Gegner schwer“, stellte Eichner dazu passend fest, um in der Folge zu ergänzen: „Tore zu kreieren ist nach wie vor nicht unsere Kernkompetenz.“ Am Samstag führte das vor allem in der ersten Halbzeit zu einer ebenso optischen wie statistischen Überlegenheit, zu mehr allerdings nicht. Nach 45 Minuten hatten die Blau-Weißen 66 Prozent Ballbesitz, eine 85-prozentigen Passquote, 45:26 gewonnene Zweikämpfe sowie 3:0 Ecken zu verbuchen, aber eben genau so viele Tore wie ihre Gastgeber: Null – bei nicht viel mehr Chancen.

Ein Schuss aus kurzer Distanz des ansonsten unauffälligen Marvin Wanitzek nach zehn Minuten gehörte dazu, zudem einer von Gondorf aus der Ferne 20 Minuten später sowie einer von Kyoung-Rok Choi in der 38. Immerhin auf eine gute Möglichkeit brachten es in Durchgang eins dann auch noch die Sandhäuser: Arne Sicker prüfte in der Nachspielzeit aus ziemlich heiterem Himmel KSC-Keeper Marius Gersbeck, Christoph Kobald bereinigte die Situation schließlich vollends.

Es war eine dieser „Gut-Glück“-Situationen, auf die einzig und allein zu setzen Gondorf die Gastgeber in seiner Spielanalyse später schalt. Und es war Warnung, bei allem Drängen die eigene Absicherung gegen die zumindest kämpferisch überzeugenden Sandhäuser nicht zu vernachlässigen.

Zumal das Projekt „dritter Saisonsieg“ in Durchgang zwei schon wegen der hohen Temperaturen von knapp unter 35 Grad kein leichtes Unterfangen war. Deutlich erschwert wurde es zudem vom Rasenwuchs im Hardtwaldstadion, dessen Länge vor allem Eichner auf die Palme trieb. „Das hatte mit Zweitliga-Bedingungen nichts zu tun“, schimpfte der KSC-Coach und verband dies mit dem ironischen Hinweis, „in ganz Sandhausen und Umgebung“ seien wohl „alle Rasenmäher ausgefallen“.

Eichner ärgert sich über „Schwimmbadrasen“

Dass ein all zu hohes Gras vor allem der ballbesitzenden Mannschaft das Spiel deutlich erschwert, steht außer Frage. Ob das der Grund war, warum der KSC auch in der zweiten Halbzeit kaum Zwingendes auf den Platz brachte, sei dennoch dahingestellt. Auf jeden Fall hob es die Vorsicht, nicht selbst in Rückstand zu geraten. „Sonst rennst du hier bei 40 Grad auf einem Schwimmbadrasen hinterher“, stellte Eichner fest.

Immerhin dazu ist es nicht gekommen, auch wenn die Überlegenheit der Gäste in der letzten halben Stunde peu à peu nachließ und die Gastgeber das hektischer werdende Spiel nun mehr und mehr ausgeglichen gestalten konnten. Anas Ouahim rang KSC-Keeper Gersbeck in der 82. Minute mit einem Schuss aus zwölf Metern sogar eine Glanztat ab.

Weil in der zweiten Minute der Nachspielzeit auch ein Schuss von KSC-Verteidiger Sebastian Jung nicht ins Ziel fand, sondern knapp am Tor vorbeistrich, blieb es bei der Torlosigkeit im Hardtwald – und den gemischten Gefühlen bei Eichner.

Ihr Autor

BT-Redakteur Frank Ketterer

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Erstellt:
15. August 2021, 22:00 Uhr
Lesedauer:
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