KSC kommt nicht vom Fleck

Karlsruhe (rap) – Fußball-Zweitligist Karlsruher SC hat durch das 1:1 am Samstag gegen St. Pauli den Sprung auf einen Nicht-Abstiegsplatz verpasst. Trainer Christian Eichner trauert wieder einmal zwei verschenkten Punkten nach.

KSC-Angreifer Philipp Hofmann fehlt den Badenern am Sonntag in Aue aufgrund einer Gelbsperre. Foto: Gilliar/GES

© Markus Gilliar/GES/POOL

KSC-Angreifer Philipp Hofmann fehlt den Badenern am Sonntag in Aue aufgrund einer Gelbsperre. Foto: Gilliar/GES

„Die Birne abschalten“, lautete der Auftrag von Christian Eichner an seine Jungs. Den Kopf frei bekommen. Regenerieren. Kräfte sammeln für die fünf kommenden Endspiele. Schließlich kann so ein Abstiegskampf ziemlich an den Nerven zehren, Beine und Kopf lähmen. Bestes Beispiel hierfür: das schwache Kellerduell am Samstagmittag auf der gespenstisch wirkenden Baustelle Wildpark. Gegen den FC St. Pauli mühte sich der Karlsruher SC zu einem 1:1-Unentschieden, dem dritten in Serie, bereits das zwölfte in der Saison.

Der KSC kommt also nicht vom Fleck. Statt mit einem Sieg auf einen Nicht-Abstiegsplatz vorzurücken, treten die Blau-Weißen mit 30 Punkten weiter auf der Stelle – dem Relegationsplatz. Unentschieden sind in der Situation, in der sich die Badener befinden, und zwar tief im Abstiegsschlamassel, schlicht zu wenig. Gerade zu Hause, gerade gegen einen Mitkonkurrenten wie die Kiezkicker aus Hamburg. Dementsprechend unzufrieden zeigte sich der KSC-Chefcoach hernach. Die Enttäuschung sitze „tief drin“, sagte Eichner, angesprochen auf erneut liegen gelassene zwei Punkte. „Wir hatten die Möglichkeit, wieder näher an das Feld heranzurücken. Jetzt müssen wir schauen, dass wir die Wunden lecken.“

Erinnerungen an vergangenen Herbst

Zwar ist der KSC nach der Corona-Zwangspause weiter ungeschlagen (ein Sieg, drei Remis), doch die Situation ist trügerisch, erinnert sehr an den vergangenen Herbst, als die Badener, damals noch unter Ex-Trainer Alois Schwartz, in der Hinrunde gar sieben Spiele in Serie die Punkte teilen mussten. Vieles wurde schön geredet, die imposante Ungeschlagen-Serie als Aufsteiger hervorgehoben, doch schon damals krankte das KSC-Spiel gewaltig. Rückblickend sollte es der Anfang vom Absturz in der Tabelle sein, der den KSC zwischenzeitlich gar bis auf den 17. Rang spülte.

Seit Eichner an der Seitenlinie das Sagen hat, sind Fortschritte im KSC-Spiel zu erkennen, allerdings fehlen die Siege und Punkte. „Deutlich stabiler und deutlich näher dran“ sei man, die Spiele zu gewinnen, betonte am Samstag zwar Mittelfeldstaubsauger Lukas Fröde, verbunden aber mit dem wohl wichtigeren Zusatz: „Es fehlt halt immer so ein Quäntchen.“

Am Samstag gegen St. Pauli fehlte freilich eine Menge. „Körperlichkeit, vor allem in der ersten Halbzeit“, prangerte Eichner an, Zweikampfhärte, Tempo und Ideen gegen tief stehende Hamburger. „Wir sind nicht die Mannschaft, die einen Gegner auseinanderspielt, der so kompakt hinten alles verdichtet“, räumte der KSC-Coach auch fehlende Qualität ein. Doch vor allem fehlte eins: Typen. Führungsspieler, die Verantwortung übernehmen. Jerôme Gondorf, der in Minute 57 nach butterweicher Wanitzek-Flanke das 1:1 erzielte und so Gordons Fauxpas vor dem 0:1 durch Diamantakos (55.) postwendend egalisierte, war zwar um Struktur im KSC-Spiel bemüht, doch dem Winter-Neuzugang merkt man sein langes Reservisten-Dasein in Freiburg noch an. Ein anderer Neuzugang, der qua seines Naturells nur so vor Selbstbewusstsein strotzt, ist Änis Ben-Hatira. Doch nach schwacher Leistung in Hälfte eins „krönte“ der 31-Jährige seinen Auftritt mit einem verschossenen Foulelfmeter (49.), den FC-Keeper Himmelmann gar problemlos festhielt.

Hofmann und Stiefler fehlen in Aue

„Ich bin kein Freund davon, Spieler in Situationen hineinzudrücken, wo sie sich vielleicht gar nicht wohlfühlen“, erklärte Eichner, warum Ben-Hatira, der nach Rotsperre und einem Joker-Einsatz in Hannover erstmals wieder in der Startelf stand, antrat. Offenbar traute sich kein anderer Spieler. Auch nicht Wanitzek, sonst sicherer Elfmeterschütze, der aber vor Corona gegen Osnabrück verschossen hatte.

Leichter jedenfalls, so viel steht fest, wird es für den KSC nicht. Am Sonntag in Aue muss Eichner ohne die gelbgesperrten Stiefler und Hofmann auskommen – und endlich den Remis-Fluch besiegen.

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Erstellt:
1. Juni 2020, 17:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 47sec

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