KSC muss St. Paulis Überlegenheit anerkennen

Karlsruhe (ket) – Der Karlsruher SC unterliegt im Heimspiel gegen den Hamburger Gast St. Pauli mit 1:3. Gegen die offensivstarken Norddeutschen war für die Karlsruher nicht mehr als ein Ehrentor drin.

Nur scheinbar ausgeglichen: In Wahrheit waren Guido Burgstaller (rechts) und St. Pauli dem KSC und Philip Heise doch deutlich überlegen. Foto: Uli Deck/dpa

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Nur scheinbar ausgeglichen: In Wahrheit waren Guido Burgstaller (rechts) und St. Pauli dem KSC und Philip Heise doch deutlich überlegen. Foto: Uli Deck/dpa

Das Geständnis leitete Tim Breithaupt mit einem leise gesprochenen „leider“ ein – den Rest konnte man sich schnell zusammenreimen. In der Originalfassung, also von Breithaupt selbst gesprochen, klang es so: „Ich muss leider sagen, für mich war es ein Elfmeter. Er kreuzt meinen Laufweg. Ich kann mich nicht in Luft auflösen und laufe ihm unglücklich in die Hacken.“

Die dreigeteilte Folge, die das Gros der 12.500 Zuschauer am spätsommerlich warmen Samstag auf der Wildparkbaustelle mit einem gellenden Pfeifkonzert quittierte: St. Paulis Kofi Kyereh kommt im Strafraum zu Fall. Schiedsrichter Nicolas Winter deutet nach kurzem Zögern und entgegen der Mehrheitsmeinung wohl doch berechtigt auf den Elfmeterpunkt. Guido Burgstaller trifft von diesem aus schließlich zum 2:0 ins Tor für den FC St. Pauli.

Wantzek spricht „von zwei Geschenken“ an die Gäste

Zugetragen hatte sich all dies kurz vor der Halbzeitpause des Spiels zwischen dem Karlsruher SC und den Kiez-Kickern. Bereits Treffer Nummer eins, gefallen in der 13. Spielminute, war eher unglücklich zustande gekommen, nach einer anfänglichen kurzen Druckphase der Hausherren und, dazu passend, per Eigentor. Nach einem abgefangenen Angriff von Kyoung-Rok Choi hatte Burgstaller den Sturmkollegen Maximilian Dittgen über links zum Konter geschickt. Dessen Flanke in die Mitte bugsierte sich KSC-Keeper Marius Gersbeck unbedrängt selbst ins Tor – in der redlichen Absicht, den mehr als wahrscheinlichen Einschuss des dahinter lauernden Kyerehs zu verhindern.

So war es faktisch zumindest nicht gänzlich korrekt, dass KSC-Spielmacher Marvin Wanitzek nach der Partie „von zwei Geschenken“ sprach, die man dem Gegner mit den ersten beiden Toren gemacht habe. Weder Elfmeter noch Gersbecks Missgeschick waren schließlich einer exorbitanten Nachlässigkeit geschuldet oder sonst irgendwie schleifchenverdächtig. Breithaupts Wortwahl – er sprach von unglücklichen Gegentoren – traf es da schon besser. Genau auf den Punkt brachte Wanitzek die Gemengelage zur Pause indes mit seiner Feststellung, dass es gegen eine „qualitativ so gute Mannschaft“ schwer sein würde, noch mal ins Spiel zurückzukommen oder es gar noch drehen zu können, selbst für diesen KSC, der sich den Ruf erarbeitet hat, ein Mentalitätsmonster zu sein.

Mehr als ein Ehrentor ist für den KSC nicht drin

Immerhin: Zumindest gesucht haben Wanitzek und Co. ihren Drehmoment auch am Samstag. So bot sich gleich nach der Pause Philip Hofmann gegen mittlerweile etwas zurückhaltender agierende Gäste eine Trilogie an Torchancen (51., 52. und 56.) an, deren zwei Pauli-Keeper Nikola Vasilj glänzend abwehrte. Und selbst nach der endgültigen Vorentscheidung in Minute 58 – St. Pauli antwortete auf Hofmanns Tordrang ziemlich humorlos mit dem über Jackson Irvine und Burgstaller vorgearbeiteten 3:0 durch Kyereh – warfen die Blau-Weißen die Flinte nicht ins Korn, sondern versuchten durch einen Dreier-Wechsel in der 63. Minute (Philip Heise, Choi und Marc Lorenz gingen, Kilian Jakob, Dominik Kother und Malik Batmaz kamen) zumindest den Anschein zu wahren, noch an das Wunder zu glauben. Mehr als das Ehrentor durch Schleusener (79.) gestatteten die Norddeutschen ihren Gastgebern freilich nicht.

„Die Niederlage geht in Ordnung“, stellte entsprechend Marvin Wanitzek fest, der am Samstag, anders als vor einer Woche beim 2:1-Sieg auf Schalke, kaum Zugriff aufs Spiel bekam. „Wir waren heute der verdiente Verlierer“, fand auch Tim Breithaupt, der gegen die offensivstarken Hanseaten einen schweren Stand und nicht immer das Spielglück auf seiner Seite hatte. Beide KSC-Profis waren sich einig darin, die Schuld für die Niederlage nicht bei anderen suchen zu wollen, etwa bei Schiri Winter, dessen Entscheidungen bisweilen seltsam anmuteten und der mit neun gezückten Gelben Karten – eine davon ging an KSC-Coach Eichner – zusehends Hektik ins Spiel gebracht hatte.

Am Samstag geht’s nach Regensburg

Und wenn schon etwas anderes als eigene Schwäche oder Fehler als Erklärung für diese 1:3-Niederlage herhalten sollten, dann doch – bitte schön – die Stärke des Gegners. Vor allem Christian Eichner war es, der ein ums andere Mal die „fußballerische Reife und Qualität“ der Norddeutschen ins Feld führte. „Die sind über Monate gewachsen. Da hat jeder eine Idee, wenn er die Kugel bekommt“, lobte der KSC-Coach. Bezüglich seiner Mannschaft, das weiß Eichner, kann er das (noch) nicht behaupten.

Am Samstag war, die ersten zehn Minuten ausgenommen, vor allem das Spiel nach vorne in Summe einmal mehr nicht zwingend genug, zumindest nicht, um die robuste Hintermannschaft St. Paulis über längere Strecke in die Bredouille bringen zu können. Mehr noch als diese fußballerischen Vorteile störte den 38-Jährigen diesmal freilich, „dass der Gegner einen Schuss mehr Männlichkeit auf dem Platz hatte“. Just dies, so Eichner, gelte es aufzuarbeiten.

Als Tabellen-Neunter werden die Badener dies in dieser Woche tun – und mit der Aussicht auf ein Zusammentreffen mit dem nächsten Hochkaräter der Liga: Am Samstag (13.30 Uhr) gastiert der KSC dann bei Tabellenführer Jahn Regensburg.

Ihr Autor

BT-Redakteur Frank Ketterer

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Erstellt:
27. September 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 29sec

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