KSC reist ersatzgeschwächt zu Schalke 04

Karlsruhe (rap) – Zweitligist Karlsruher SC muss am Freitag (18.30 Uhr) bei Schalke 04 ohne die Führungsspieler Jerôme Gondorf (Muskelverletzung) und Sebastian Jung (Kreuzbandriss) auskommen.

Fällt wegen einer Muskelverletzung im Oberschenkel gegen Schalke 04 aus: KSC-Kapitän Jerôme Gondorf (weißes Trikot). Foto: Daniel Karmann/dpa

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Fällt wegen einer Muskelverletzung im Oberschenkel gegen Schalke 04 aus: KSC-Kapitän Jerôme Gondorf (weißes Trikot). Foto: Daniel Karmann/dpa

Christian Eichner hatte einen Zettel mitgebracht, ganz in der guten alten Ewald-Lienen-Tradition. Allein auf dem Stück Papier standen keine taktischen Anweisungen für die Partie am Freitagabend beim Bundesliga-Absteiger FC Schalke 04 (18.30 Uhr), sondern die Namen jener Spieler, die die Reise nach Gelsenkirchen verletzungsbedingt nicht auf sich nehmen können.

Die Youngster Jannis Rabold und Lazar Mirkovic waren dort vermerkt, auch – wie schon seit vielen Wochen – Ersatztorwart Paul Löhr und Neuzugang Leon Jensen (beide Kreuzbandriss). Am Dienstag gesellte sich Routinier Sebastian Jung (Eichner: „Das ist eine Tragödie. Ich kann es nicht in Worte fassen, wie sehr es mir leidtut.“), nachdem er im Training im Rasen hängen geblieben war, mit einem Kreuzbandriss dazu. Doch der KSC-Coach war bei seiner Litanei des Schreckens noch nicht ganz am Ende angelangt. „Last but not least wird auch unser Kapitän aufgrund einer muskulären Verletzung die Reise nach Schalke nicht mitmachen“, verkündete Eichner. Auch Jerôme Gondorf erwischte es an diesem so schwarzen Dienstag im Wildpark. „Bei einem rassigen Zweikampf hat er einen zu langen Schritt gemacht und über Schmerzen im Oberschenkel geklagt“, berichtete der KSC-Coach. Zunächst sei man von nichts „Dramatischem“ ausgegangen, nun habe es sich aber doch als schlimmere Verletzung herauskristallisiert, wenngleich die genaue Diagnose noch ausstehe, so Eichner.

Thiede ersetzt Jung

„In Kombination mit Sebastian Jung sind das zwei absolute Qualitätsspieler, die uns da wegbrechen. Das hat uns schon getroffen“, sagte Eichner am Donnerstagmittag während der Pressekonferenz. Lange Trübsal blasen wollte der 38-Jährige aber nicht, vielmehr begreift er die Ausfälle auch als Chance – für die Spieler aus der zweiten Reihe: „Wir haben noch andere gute Jungs, die dürfen jetzt zeigen, dass sie gute Jungs sind.“ Zumindest was die Rechtsverteidigerposition betrifft, dürften sich die Sorgenfalten von Eichner in Grenzen halten. Für Jung rückt wieder Marco Thiede auf seinen angestammten Posten. Der 29-Jährige entwickelte sich unter Eichner enorm, gehörte in der vergangenen Saison zu den besten Außenverteidigern der Liga.

Der Gondorf-Ausfall wiegt zweifelsohne schwerer. Gut möglich, dass Kyoung-Rok Choi, der gegen Kiel auf dem rechten Flügel merklich aufblühte, wieder in die Zentrale neben Marvin Wanitzek beordert wird, dahinter dürfte Youngster Tim Breithaupt den alleinigen Abfangjäger spielen. Die rechte Flanke könnte dann Fabian Schleusener, der bei seinen Kurzauftritten in Nürnberg und gegen Kiel für frischen Wind sorgte, beackern. „Was wir machen, wird Schalke morgen sehen“, sagte Eichner, der lediglich eine Dreierkette ausschloss. „Wir werden nicht mit sieben Bussen nach Schalke fahren, sondern versuchen, ein offenes Spiel hinzubekommen. Das traue ich meiner Mannschaft zu.“

Eine Armada an Bussen brauchen die Badener freilich nicht, um Simon Terodde, den gefährlichsten Torjäger aller Zeiten im deutschen Fußball-Unterhaus, unter Kontrolle zu bringen, dafür aber zwei hellwache Innenverteidiger und eine insgesamt hoch konzentrierte Leistung in der Defensive. Einen Terodde-Bewacher verneinte Eichner, den „Unterschiedsspieler“ müsse man „in der Gruppe auffangen. Es ist nicht mehr wie früher, als man dem gefährlichsten Spieler 90 Minuten hinterhergerannt ist und er wahrscheinlich noch nachts im Wohnzimmer oder der Toilette aufgetaucht ist“.

Eichner fordert „riesengroßes Herz“

Zumal die Mannschaft von Coach Dimitrios Grammozis mehr als die Simon-Terodde-Show ist. „Die haben einen richtig starken Kader, eine Mannschaft, die Schritt für Schritt zusammengekommen ist“, sagte Eichner. Nach einem Stotterstart haben sich die Königsblauen allmählich akklimatisiert in der Liga, feierten zuletzt zwei Siege in Serie und liegen auf Platz sieben einen Punkt sowie einen Rang vor dem KSC.

„Meine Mannschaft hat ein sehr gutes Gespür, was notwendig sein wird, um gegen qualitativ hochwertige Mannschaften zu bestehen“, sagte der KSC-Trainer. Nämlich „eine mentale Widerstandsfähigkeit und ein riesengroßes Herz“. Dann könne es „durchaus interessant werden“.

Vielleicht zückt Christian Eichner dann wieder einen Zettel – um den Karlsruher Siegtorschützen zu notieren.

Ihr Autor

BT-Redakteur Christian Rapp

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Erstellt:
16. September 2021, 16:54 Uhr
Lesedauer:
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