KSC vergibt Sieg in der Nachspielzeit

Karlsruhe (rap) – Fußball-Zweitligist Karlsruher SC hat einen Start nach Maß nach der Quarantäne nur um Sekunden verpasst. Die Eichner-Elf spielte am Freitagabend 2:2 gegen die Würzburger Kickers.

Enttäuscht: KSC-Keeper Marius Gersbeck nach seinem Lapsus in der Nachspielzeit. Foto: Markus Gilliar/GES

© GES/Markus Gilliar

Enttäuscht: KSC-Keeper Marius Gersbeck nach seinem Lapsus in der Nachspielzeit. Foto: Markus Gilliar/GES

Als der Schlusspfiff ertönte, lief Marius Gersbeck langsam, mit gesenktem Kopf und hängenden Schultern Richtung Tor, hob seine rote Wasserflasche auf und nahm einen kräftigen Schluck aus der Pulle. Gefrustet stand der Schlussmann des Karlsruher SC auf dem Rasen. Sturmtank Philipp Hofmann eilte umgehend zum Unglücksraben, um ihn zu trösten. Doch der 25-Jährige war schlicht untröstbar.

Was war passiert? Sekunden vor dem Ende des Spiels, dem ersten des KSC nach der 14-tägigen Quarantäne, setzte Gersbeck beim Stand von 2:1 gegen das Schlusslicht aus Würzburg zu einem Dribbling im eigenen Sechzehner an – mit fatalen Folgen: Der Ball sprang dem KSC-Torwart zu weit weg, Kickers-Innenverteidiger Lars Dietz spritzte dazwischen und traf zum 2:2-Endstand ins verwaiste Karlsruher Gehäuse. So vergaben die Badener gegen biedere Gäste den sicher scheinenden Erfolg. „Wir hätten den Sieg verdient gehabt. Am Ende entscheiden zwei Fehler von mir das Spiel, machen den Unterschied. Heute kann man selbstkritisch genug sein, um das Ding auf seine Kappe zu nehmen“, sagte Pechvogel Gersbeck, verbunden mit dem Hinweis: „Ich geh‘ deswegen aber nicht unter.“

Breithaupt feiert blitzsauberes Startelfdebüt

Bevor der Ball bei frühsommerlichen Temperaturen auf der Baustelle Wildpark rollte, sorgte Corona im Vorfeld für reichlich Gesprächsstoff: Am Donnerstag wurden zwei Spieler der Franken positiv auf Covid-19 getestet, eine anschließend durchgeführte PCR-Testung gab am Freitagmorgen jedoch Entwarnung, keine weiteren Spieler waren positiv. Doch auch beim KSC spielte das Virus eine Rolle – und hatte gar Auswirkungen in der Startaufstellung. Da Robin Bormuth laut „Kicker“ am Mittwoch Kontakt zu einem später positiv getesteten Betreuer hatte, musste sich der Innenverteidiger in Isolation begeben. Zudem wechselte Eichner auf zwei weiteren Positionen. Tim Breithaupt feierte sein Startelfdebüt, zudem durfte Dominik Kother von Beginn an ran. Dafür mussten Benjamin Goller und Marc Lorenz mit der Bank vorliebnehmen.

Etwaige Quarantäne-Nachwehen waren bei den Hausherren zunächst nicht wirklich zu spüren, zwar feuerten die Kickers in Person von Daniel Hägele zuerst Richtung Tor (6.), doch erstmals gefährlich wurde es in Minute 16 nach einem KSC-Standard: Linksverteidiger Philip Heise servierte vom linken Halbfeld, Christoph Kobald köpfte Zentimeter am Pfosten vorbei. In der Folge hatten die Badener mehr Ballbesitz, doch meist war der letzte Ball zu ungenau, die letzte Idee vor dem Kickers-Strafraum zu umständlich.

Choi bricht den Torlos-Bann im Wildpark

Nach insgesamt 501 torlosen Minuten im Wildpark war der Bann dann aber gebrochen: Heise löffelte den Ball gefühlvoll vom Sechszehnereck Richtung Fünfmeterraum, wo Kyoung-Rok Choi – völlig unbedrängt – per Volleyabnahme in die Maschen traf (26.).

Wirklich lang durfte sich der KSC daran aber nicht erfreuen – mit seinem ersten Eckball in Minute 36 kam das Schlusslicht zum Ausgleich, bei dem Marius Gersbeck das erste Gastgeschenk verteilte: Der KSC-Torhüter verschätzte sich, Marvin Pieringer stand goldrichtig und nickte ins leere Tor ein. Die Hausherren brauchten ein paar Minuten, um den Nackenschlag zu verdauen, schlugen dann aber eiskalt und zu einem idealen Zeitpunkt – quasi mit dem Halbzeitpfiff – zurück: Jerôme Gondorf, der wie gewohnt im Mittelfeld die Strippen zog, trieb den Ball durchs Zentrum, legte 16 Meter vor dem Tor quer zu Breithaupt, der im defensiven Mittelfeld ein blitzsauberes Startelfdebüt abspulte. Dessen leicht abgefälschten Schlenzer ließ Kickers-Keeper Hendrik Bonmann nach vorne abprallen, wo der bis dato blasse Kother mutterseelenallein zur erneuten Führung einschob.

Viel Leerlauf, dann Gersbecks Patzer

Zu Beginn der zweiten Halbzeit schaltete der KSC etwas in den Verwaltungsmodus, doch Würzburg biss sich an der gut gestaffelten Defensive die Zähne aus, wirkliche Torgefahr strahlten die Gäste nicht aus. So gehörte der Eichner-Elf das erste Lebenszeichen in Abschnitt zwei: Chois Schuss aus zehn Metern verfehlte den Kickers-Kasten aber um einen guten Meter (56.).

Offensiv verflachte die Partie zusehends, der KSC wechselte in Anbetracht des Mammutprogramms in den kommenden Tagen munter durch. Die Gäste, die, um noch eine Restchance auf den Klassenerhalt zu haben drei Punkte benötigten, spielten nach vorne viel zu harm- und ideenlos.

So plätscherte die zweite Hälfte ereignislos ihrem Ende entgegen – bis zu Minute 93 und Gersbecks Lapsus, der den Arbeitstag des Keepers vollends zu einem schwarzen machen sollte.

Ihr Autor

BT-Redakteur Christian Rapp

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Erstellt:
23. April 2021, 22:26 Uhr
Lesedauer:
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