KSC verliert Nachholspiel gegen Sandhausen

Karlsruhe (da) – Der Karlsruher SC ist 2022 weiter sieglos: Die Eichner-Elf verlor am Dienstagabend das Nachholspiel gegen den SV Sandhausen verdient mit 0:2 – und ist im Abstiegskampf angekommen.

Vergeblich gestreckt: KSC-Keeper Marius Gersbeck kann den 0:1-Rückstand nicht mehr verhindern. Foto: Helge Prang/GES

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Vergeblich gestreckt: KSC-Keeper Marius Gersbeck kann den 0:1-Rückstand nicht mehr verhindern. Foto: Helge Prang/GES

„Der Sieg schmeckt gut, egal gegen welchen Gegner“, sagte Alois Schwartz bei der Pressekonferenz. Sein SV Sandhausen war auf der Wildpark-Baustelle verdient zu den „Big Points“ gekommen. Das damit auf 23 aufgestockte Punktekonto ließ Karlsruhes Liga-Nachbar aus der Kurpfalz die Abstiegszone verlassen. Für den Trainer Schwartz, der vor zwei Jahren im Wildpark gehen musste, war das 2:0 (0:0) an alter Wirkungsstätte „eine besondere Genugtuung“.

Kurz ballte der 54-Jährige im Moment des Abpfiffs die Faust. Später sprach er von einem „tollen Auswärtsspiel“. Christian Eichner, sein früherer Assistent beim Karlsruher SC, hatte die seiner Mannschaft geltenden Pfiffe von den Rängen registriert und wusste, dass Aufbauarbeit auf ihn warten würde. Nach dem Treffer des herausragenden Pascal Testroet (45+2) und dem Eigentor von Kapitän Jérome Gondorf (85.) im Nachholspiel gegen die Sandhäuser schrumpfte der Abstand der Karlsruher zur Abstiegszone auf sechs Zähler.

„Wenn der gegnerische Torwart nicht einmal die Handschuhe zum Fangen benutzt, in einem Heimspiel, dann wird es schwierig, das Spiel auf deine Seite zu ziehen“, beklagte der KSC-Trainer, der die eingetretene Lage als „extrem gefährlich bezeichnete“.

Goller feiert Comeback

Offiziell nur 6.532 der 9.500 Dauerkartenbesitzer des KSC wollten das Flutlichtspiel im Stadion miterleben. Drei Änderungen hatte Eichner gegenüber der 1:2-Niederlage in Bremen vorgenommen: Der 37 Jahre alte Daniel Gordon ordnete sich zentral in der Viererkette anstelle des gesperrten Christoph Kobald ein. Für die Außenbahnen kamen Benjamin Goller und Marc Lorenz neu ins Team. Dafür blieben Tim Breithaupt und zunächst auch Fabian Schleusener draußen. Kyoung-Rok Choi rutschte ins zentrale Mittelfeld. Werder-Leihgabe Goller feierte damit 285 Tage nach seinem Ausstand sein Comeback im KSC-Dress.

Mit Tempo und mit vielen Zweikämpfen ließ sich die Partie an. Nach nicht ganz fünf Minuten trat der KSC über die rechte Seite erstmals erwähnenswert in Erscheinung. Goller setzte sich energisch ein, sodass der Ball über Choi bei Hofmann im Zentrum landete. Dessen Schussversuch blockte Dario Dumic aber.

Der SVS hatte sich wie erwartet eingeführt. Mit langen Schlägen von Dumic und Aleksandr Zhirov aus der Abwehr bemühten sich die Gäste darum, das Mittelfeld zu überspielen und Testroet in Position zu bringen. Ansonsten setzte er auf seine Umschaltqualitäten. Beispielhaft dafür war die 13. Minute, nachdem Philipp Hofmann im Mittelfeld den Ball Cebio Soukou vor die Füße gespielt hatte. Mit einem klugen Steilpass ins Zentrum setzte Soukou postwendend Testroet ein. Der Mittelstürmer visierte mit seinem Schlenzer das linke Eck an, doch Marius Gersbeck war zur Stelle und parierte.

Nackenschlag in der Nachspielzeit

Der KSC brauchte eine Weile, bis er überzeugter in seinem Vorsatz wirkte, mit spielerischen Mitteln Lücken in den Sandhäuser Abwehrverbund zu reißen. Die Heimelf blieb dran, und Goller wie auch Lorenz hatten ihre guten Momente. Lorenz rückte einige Male von links ins Zentrum ein, in der 33. Minute tauchte er nach einer Flanke Heises brandgefährlich vor Drewes auf. Im Fallen zog er ab, Sandhausens Schlussmann lenkte den starken Schuss aber an die Latte.

Der KSC setzte nach, machte Druck und schien sich der Führung anzunähern. Doch die Flanken, die über Heise und Goller in den SVS-Strafraum segelten, fehlte jede Präzision. Als die Nachspielzeit lief, holte Gondorf vor dem eigenen Sechzehner dann Zenga von den Beinen. Okoroji lancierte den ruhenden Ball gefühlvoll an den Fünfer, wo Testroet ihn ins Netz wuchtete. Hofmanns Versuch, diese Situation mit dem Fuß zu verhindern: ungeeignet.

66 Prozent Ballbesitz bis zur Pause, aber mit 0:1 im Rückstand. Die Aufgabe, die auf den KSC im zweiten Abschnitt zukam, war herausfordernd. Denn alles schien exakt so angerichtet, wie es der Spielanlage der abstiegsgefährdeten Schwartz-Truppe entgegenkam. Berko (50.) hatte das 2:0 für die Gäste auf dem Fuß. Strafstoß forderten die Sandhäuser, als Gordon in seinem Revier recht rüde Testroet abgeräumt hatte. Schiedsrichter Marco Fritz sah in dem Einsatz des Routiniers nichts Regelwidriges.

Eichner setzte bald ein Zeichen und entschied sich nach 58 Minuten für einen Doppelwechsel. Für Marco Thiede kam Ricardo van Rhijn, für Lorenz zeitgleich Schleusener. Das änderte nichts daran, dass von Sandhausen einfach mehr kam und die KSC-Elf phasenweise wie aufgescheucht wirkte. Soukou setzte einen strammen Abschluss drüber (58.), und Gersbeck war beim nächsten Mal gegen Zenga (60.) zur Stelle. Auch der KSC monierte bald nach einem Zusammenprall von Schleusener mit Okoroji, dass ein Foulelfmeter fällig wäre. Doch auch in dieser Szene winkte Fritz nur ab.

Eichner: „Wir sind jetzt dabei“

Der KSC bekam keine Struktur in seine Bemühungen. „Wir haben aufgehört, Fußball zu spielen“, sollte Eichner später in seiner Analyse festhalten, man habe „gegen elf Tiere gespielt, die uns in diesen Bereichen überlegen waren“. Eigentlich kamen die Blau-Weißen nur ein einziges Mal dem Ausgleich nahe. Da waren 72 Minuten vorbei. Nach einem weiten Einwurf von Daniel O’Shaughnessy stieg Gordon in der Box am höchsten. Der Kopfball des Abwehrspielers landete an der Latte.

Schließlich passte das Ende der Karlsruher Hoffnung zum gebrauchten Abend. Fünf Minuten vor dem Ende leistete sich Gondorf nach einer harmlosen Flanke einen Blackout und köpfte den Ball ins eigene Tor. Eichner fasste anschließend die Konsequenz zusammen: „Wir sind jetzt dabei. Im Kreis dieser Mannschaften, die aktuell sehr eng beieinanderliegen, was diesen Platz 16 aufwärts anbelangt. Darauf sind wir vorbereitet und werden das Spiel schnell abhaken.“

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Ihr Autor

René Dankert

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Erstellt:
8. Februar 2022, 23:11 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 57sec

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