KSC verliert in Aue

Aue (ruf) – Zu harmlos, zu ideenlos: Fußball-Zweitligist Karlsruher SC hat am Sonntagmittag sein Auswärtsspiel bei Erzgebirge Aue mit 0:1 verloren und bleibt weiter tief im Abstiegskampf.

Ratlose Gesichter: Nach der Niederlage in Aue bleibt der KSC weiter tief im Abstiegskampf. Foto: Michael/dpa

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Ratlose Gesichter: Nach der Niederlage in Aue bleibt der KSC weiter tief im Abstiegskampf. Foto: Michael/dpa

Als Schiedsrichter Daniel Siebert die Partie abpfiff und mit dem 0:1 aus Karlsruher Sicht sowohl der Auer Klassenerhalt als auch die KSC-Niederlage in einem eminent wichtigen Spiel feststanden, hörte man am Sonntagmittag im fast menschenleeren Stadion plötzlich das Geräusch aufsteigender Raketen. Irgendwo außerhalb, womöglich in der erhöht gelegenen Kleingartenanlage mit Blick aufs Spielfeld, wollten Fans der Sachsen ihre Lieblingsspieler offenbar wissen lassen, dass sie auch in Geisterspielzeiten nicht alleine feiern müssen.

Den KSC-Spielern, die parallel merkwürdig sprachlos vom Rasen stapften, muss das wie Hohn vorgekommen sein. Nach Lage der Dinge werden sie schließlich bis zum 34. Spieltag um den Klassenerhalt bangen müssen – und am Ende froh sein, wenn sie sich in die Relegationsspiele gegen den Dritten der 3. Liga retten.

Dabei hatten die Karlsruher Spieler schon fünf Minuten vor Anpfiff den Rasen betreten – Entschlossenheit und Zuversicht vor einem schwierigen Auswärtsspiel sollte das signalisieren. Und an fehlendem Willen lag es letztlich auch nicht, dass das Spiel verloren ging. Eher daran, dass eine Mannschaft, die erst in der Nachspielzeit die erste richtige Torchance hat, geradezu zwangsläufig mit einer Niederlage nach Hause reist.

Aue geht früh in Führung

Zumal Aue im penetranten Dauerregen schon früh in Führung ging: Nach einer Hereingabe von Jan Hochscheidt musste Florian Krüger nur den Fuß hinhalten, um den FC Erzgebirge mit 1:0 in Führung zu bringen – gerade einmal zehn Minuten waren da gespielt. Eine gute Figur machten bei dem frühen Gegentor weder Gondorf noch Carlson, die zu zögerlich agierten und Hochscheidt fast unbedrängt zum Flanken kommen ließen. „Das Tor spielt Aue natürlich in die Karten“, sagte KSC-Trainer Christian Eichner nach der Partie. Er hatte „eine gute Spielkontrolle“ seiner Elf gesehen, gestand aber ehrlich ein, dass man zu wenig Torgefahr entwickelt habe: „Abgerechnet wird in beiden Strafräumen. Und in der Summe haben wir den Auer Torwart nur einmal zwingen können, seine Hände zu benutzen.“

Auch angesichts der tabellarischen Ausgangslage war das ein denkbar ungünstiger Spielbeginn aus Sicht der Badener. Nach den wenig erfreulichen Ergebnissen vom Wochenende mit einem Sieg von Dynamo Dresden und Punktgewinnen für Osnabrück und Nürnberg war man fast schon zum Siegen verdammt gewesen. Was der KSC läuferisch und kämpferisch bot, war unterm Strich auch in Ordnung. Allerdings beteiligten sich nicht alle Mannschaftsteile konsequent am Pressing. Die vom langjährigen KSC-Spieler Dirk Schuster trainierten Auer gehören spielerisch auch nicht eben zur Elite der Liga, zeigten aber deutlich besser, welche Spielweise im Abstiegskampf gefragt ist. Dimitrij Nazarov, Pascal Testroet und Florian Krüger arbeiteten fleißig nach hinten und störten die KSC-Verteidiger beim Spielaufbau. Auf Karlsruher Seite blieben die Offensiven nach Ballverlusten hingegen passiv, vor allem Marco Djuricin, der den gesperrten Philipp Hofmann ersetzen musste, bekleckerte sich in dieser Hinsicht nicht mit Ruhm. „Männer, Körpersprache!“, rief Routinier Daniel Gordon kurz vor der Halbzeit. Es war zu diesem Zeitpunkt ein absolut berechtigter Hinweis an eine Mannschaft, die zwar 62 Prozent Ballbesitz hatte – aber zu selten eine Idee, was sie damit anstellen könnte.

KSC: Feldüberlegen, aber keine Torgefahr

Auch im zweiten Durchgang war der KSC feldüberlegen, schaffte es aber nicht, Torgefahr zu entfalten. Nach einer Stunde hatte Eichner genug und brachte Änis Ben-Hatira und Dominik Kother für Martin Röser und Marc Lorenz, kurz darauf kam Anton Fink für Lukas Fröde. Doch gefährlich wurde es auch danach nur vor dem KSC-Tor: Zunächst prüfte Nazarov Torwart Benjamin Uphoff (67.), ehe Aue zu einer Doppelchance kam. Einen Schuss von Testroet konnte Uphoff zur Seite abwehren, gegen den Nachschuss von Nazarov wäre er machtlos gewesen. Doch der klatschte an die Unterkante der Latte (74.).

Der KSC wiederum kam nur noch zwei Mal gefährlich vors Auer Tor. Doch der Treffer von Djuricin wurde nicht gegeben, denn beim Zuspiel von Kother stand der Österreicher knapp im Abseits (86.). In der Nachspielzeit dann schließlich die erste wirkliche Chance für die Badener: FCE-Keeper Martin Männel hielt einen 18-Meter-Schuss von Marvin Wanitzek und damit den Auer Sieg fest.

Der KSC, der durch die Niederlage auf dem Relegationsplatz bleibt, trifft am Sonntag auf den VfB Stuttgart. Kein Grund zur Panik, wie Eichner fand: „Man kann das auch als Chance sehen, und meines Wissens hat der VfB heute auch nicht gewonnen.“


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