KSC will Derbysieg

Karlsruhe (ket) – Im Derby am Sonntagmittag zwischen dem Karlsruher SC und dem VfB geht es für beide Teams um mehr als nur den Sieg. Die Badener wollen in der zweiten Liga bleiben, die Schwaben freilich aus ihr raus.

Kann Philipp Hofmann dem Karlsruher SC morgen den Weg zum Sieg im Geister-Derby zeigen? Foto: Eisenhuth/GES

© GES/Thomas Eisenhuth

Kann Philipp Hofmann dem Karlsruher SC morgen den Weg zum Sieg im Geister-Derby zeigen? Foto: Eisenhuth/GES

Natürlich kann Christian Eichner sich noch gut an dieses Datum erinnern. Tage wie diesen, vergisst man nicht. Es war der 2. September 2007, ein Sonntag also – und es war ein Derbytag. Der VfB Stuttgart kam damals als amtierender deutscher Meister in den vor Hochspannung flirrenden Wildpark gereist – und er trat die Heimreise als bedröppelter Verlierer an. Eichner spielte damals Linksverteidiger neben Maik Franz, Tamas Hajnal zog meist genialistisch die Fäden im Mittelfeld und schoss in der 54. Spielminute das 1:0 und somit auch schon den Siegtreffer für die Elf von Trainer Ede Becker. Der Wildpark stand endlich mal wieder Kopf. Es war schließlich ein grandioser Tag für die Karlsruher – und doch auch, zumindest in der Rückschau, ein trauriger, nämlich der des seitdem letzten Derbysieges.

„Es waren andere Zeiten“, sagt Christian Eichner heute. „Andere Voraussetzungen, andere Spieler, eine andere Liga“, fügt der Trainer des Karlsruher SC an. „Wir tun gut daran, das in Erinnerung zu behalten und uns gleichzeitig aufs Hier und Jetzt zu konzentrieren“, findet er. Die Erinnerung: Damals waren KSC wie VfB erstklassig. Das Hier und Jetzt: Heute, also am Sonntag (13.30 Uhr), kämpfen beide in Liga zwei. Die einen – jene aus Schwaben – immerhin um den Aufstieg, die anderen, also die Badener, sogar schon wieder gegen den Abstieg. Dass es nur noch vier Spieltage bis zum Saisonende sind, verschärft die Lage nur – und zwar für beide. „Wir kommen jetzt in die heiße Phase. Da ist es wichtig zu punkten, egal wie groß der Name auf der anderen Seite ist“, stellt Karlsruhes Lukas Fröde fest. Dass das Derby wie alle Fußballspiele derzeit, ohne Zuschauer stattfindet, empfindet der Mann aus dem defensiven Mittelfeld eher als Vorteil für die Gäste. „Ein Derby zu Hause kann eine gewisse Kraft entwickeln, gerade im Zusammenspiel mit dem Stadion. Das fehlt uns diesmal“, begründet Fröde dies.

VfB haushoher Favorit

Dabei könnten die Blau-Weißen jegliche Zusatzunterstützung gut gebrauchen. Die Rollen am Sonntag sind schließlich klar verteilt: Der VfB kommt als haushoher Favorit, schon die Etats machen das deutlich: Auf 60 Millionen Euro wird jener der Stuttgarter beziffert, auf knapp zehn Millionen der der Karlsruher. „Wir treffen auf eine Mannschaft, die auf jeder Position glänzend aufgestellt ist und die egal in welchem Mannschaftsteil den Gegner bedrohen kann“, sagt dazu passend KSC-Trainer Eichner. Allerdings stellt er auch fest: „Weder der Hamburger SV noch der VfB sind durch die Saison durchmarschiert.“ Ganz im Gegenteil. Gerade gegen die vermeintlichen Underdogs taten sich die Schwaben zuletzt schwer. Und warum sollte der KSC nicht hinkriegen, was sogar dem SV Wehen Wiesbaden (2:1-Sieger) zuletzt gelungen ist?

Zumal ja nicht gänzlich schlecht war, was die Eichner-Schützlinge seit der Corona-Pause gezeigt haben. Ganz im Gegenteil. „Meine Jungs haben in den vergangenen Wochen viele Dinge gut und richtig gemacht“, lobt der Trainer. Mit ein bisschen mehr Konsequenz, Glück und Geschick hätten es jedenfalls durchaus mehr als die sechs Punkte (ein Sieg, drei Remis) aus fünf Spielen sein können. Vor allem mit dem Spielaufbau der Seinen ist Eichner im Rahmen der Möglichkeiten schon ganz zufrieden. „Unser Problem ist eher 20 Meter vor dem Tor zu sehen“, stellt er fest. „Königsbereich“ nennt er diese Zone, in der die Spieler mehr oder weniger auf sich alleine gestellt seien und in der es mehr als anderswo darum gehe, „intelligent zu spielen und die richtigen Entscheidungen zu treffen“. Das hat auch, wie alles im Fußball, mit Training zu tun. Aber eben auch mit Qualität. Just diese scheint zumindest bei dieser letzten Konsequenz, dem ein oder anderen im Kader zu fehlen.

KSC-Torjäger Hofmann kehrt nach Gelbsperre zurück

Da ist es gut, dass Philipp Hofmann nach seiner Gelbsperre in die Mannschaft zurückkehrt, Karlsruhes 13-Tore-Stürmer. Durch ihn erhöht sich zumindest die Möglichkeit, dass sich die Partie endlich mal so entwickelt, wie es sich Eichner seit einiger Zeit schon erhofft, nämlich mit der Führung im Rücken. „Wir müssen es einfach mal schaffen, den Spielverlauf auf unsere Seite zu ziehen, um den Gegner noch mehr zu locken“, formuliert das der Trainer. Um das zu erreichen komme es nicht zuletzt auf eine gute Mischung im eigenen Spiel an – und zwar zwischen Sicherheit und Risiko, Abwehr und Angriff. „Es wird Phasen geben, in denen wir leiden und sehr wenig den Ball haben werden“, prophezeit Eichner dessen ungeachtet. Dann gelte es um so mehr, „die Ruhe zu bewahren, das eigene Tor zu beschützen und schließlich aus dem ein oder anderen Ballgewinn den VfB vor Probleme zu stellen“.

Wem er welche Aufgabe am Sonntag anvertrauen möchte, ließ der 37-Jährige gestern noch offen, ebenso in welcher Grundordnung er die Aufgabe gegen den VfB angehen möchte. Derbyzeit ist auch Zeit der Geheimniskrämer.

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Erstellt:
13. Juni 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
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