KVV erhöht Ticketpreise zum 1. August

Karlsruhe (for) – Der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) erhöht seine Ticketpreise zum 1. August um durchschnittlich 3,78 Prozent. Das hat der Aufsichtsrat beschlossen.

Der KVV hebt seine Ticketpreise um durchschnittlich knapp 3,8 Prozent an. Foto: Florian Krekel/Archiv

Der KVV hebt seine Ticketpreise um durchschnittlich knapp 3,8 Prozent an. Foto: Florian Krekel/Archiv

Die Kassen sind klamm beim Karlsruher Verkehrsverbund (KVV). Während die Kosten für den Betrieb stetig steigen, hat der KVV während der Corona-Pandemie mit stark rückläufigen Fahrgastzahlen zu kämpfen – diese sind laut Verbund während der verschiedenen Lockdown-Phasen um bis zu 75 Prozent eingebrochen. Das Verkehrsunternehmen reagiert und erhöht seine Tarife ab 1. August um durchschnittlich 3,78 Prozent. Das haben die Verantwortlichen gestern mitgeteilt.

„Mit betriebswirtschaftlicher Vernunft reagieren“

Einen entsprechenden Beschluss zur Tariferhöhung hat der KVV-Aufsichtsrat mehrheitlich gefasst, die Genehmigungsbehörde muss den geplanten Änderungen noch zustimmen. Eine Zwei-Waben-Einzelkarte (Geltungsbereich Stadtgebiet Karlsruhe/Baden-Baden) für Erwachsene kostet dann etwa 2,80 Euro statt wie bisher 2,60 Euro. Bei Kindern wird der Preis von 1,50 Euro um zehn Cent angehoben.

Laut dem KVV-Aufsichtsratsvorsitzenden und Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup reagiert der KVV mit der Preiserhöhung auf erhöhte Personalkosten durch die neuen Tarifabschlüsse im Öffentlichen Dienst, gestiegene Energiepreise für den Bus- und Bahnbetrieb sowie Investitionskosten für den Erhalt und Ausbau der ÖPNV-Infrastruktur. „Angesichts der Klima- und verkehrspolitischen Ziele steht der KVV wie die gesamte ÖPNV-Branche vor der Herausforderung, die Ausweitung des Angebots oder flexiblere Ticket-Lösungen auf eine solide finanzielle Grundlage zu stellen“, sagte Mentrup. „Auch wenn eine Tarifanpassung und eine verstärkte Nutzerfinanzierung immer unpopulär sind, müssen wir mit betriebswirtschaftlicher Vernunft auf diese Kostenentwicklungen reagieren“, so Mentrup weiter. Nur so könne der KVV den Menschen in der Region auch weiterhin ein attraktives und umweltfreundliches Nahverkehrsangebot machen.

„Qualität ist entscheidend“

Zuletzt hatte der KVV im Dezember 2019 seine Tarife angepasst, im vergangenen Jahr blieb die übliche Tariferhöhung im Dezember aus, um die Senkung der Mehrwertsteuer an die Kunden weiterzugeben. Zwar erscheine die Tariferhöhung um fast vier Prozent ab August 2021 im ersten Moment als sehr hoch, „wenn wir damit aber bis Dezember 2021 gewartet hätten, wäre sie wahrscheinlich um bis zu fünf Prozent angestiegen“, merkte Mentrup an.

„Wir haben uns diese Entscheidung nicht einfach gemacht. Die beschlossene Tarifanpassung gibt den Verkehrsunternehmen im KVV jedoch etwas mehr Handlungsspielraum zur Gestaltung der klimagerechten Verkehrswende“, fügte KVV-Geschäftsführer Alexander Pischon hinzu. Mentrup betonte: „Wissenschaftliche Studien belegen, dass für die Attraktivität des ÖPNV nicht der Preis, sondern die Qualität entscheidend ist.“

„Home Zone„ startet im Dezember

Der KVV will seinen Kunden auch weiterhin „attraktive und preisgünstige Ticket-Angebote“ machen. So könnten zum Ende des Jahres bestimmte Kundengruppen von der „Home Zone“ profitieren. Mit diesem neuen Tarifmodell, das sich vom klassischen Wabensystem abhebt, will der KVV künftig besser auf die Bedürfnisse von Nutzern des Öffentlichen Personennahverkehrs eingehen. So könnten diese mithilfe der App „Regiomove“ unkompliziert einen auf die individuellen Mobilitätsbedürfnisse angepassten Bewegungsradius festzulegen und somit unabhängig vom KVV-Wabennetz verkehren. Darüber hinaus wird ein luftlinienbasierter Entfernungstarif integriert, „der vor allem ÖPNV-Nutzer auf der Kurzstrecke preislich entlastet“, so der KVV. Der luftlinienbasierte Entfernungstarif soll über die App auch allen Fahrgästen zur Verfügung stehen, die keine „Home Zone“ gebucht haben und den ÖPNV nur gelegentlich nutzen.

Erweiterte Mitnahmeregelung für Kinder

Das Tarifmodell steht ab Dezember 2021 zur Nutzung bereit, wenn auch die Kombi-Lösung an den Start geht. Mentrup bezeichnet das als eine „historische Entscheidung“ und als einen Einstieg in ein individualisiertes Tarifstrukturmodell. Neben den Verbesserungen für einige Kunden bringe die „Home Zone“ aber auch Mindereinnahmen mit sich. Rund sieben bis acht Millionen werden zusätzlich fehlen. Gleichzeitig will der KVV mit einer erweiterten Mitnahmeregelung für Kinder bei Tageskarten „seine familienfreundliche Tarifpolitik fortsetzen“, so Mentrup weiter. Kinder und Enkelkinder unter 15 Jahren fahren ab August grundsätzlich kostenlos bei ihren Eltern oder Großeltern mit. Infolge dessen rechnet der KVV mit weiteren 1,5 bis 1,8 Millionen Euro weniger Einnahmen. Die Preiserhöhung würde maximal die Hälfte der Ausgaben abfangen.

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