KVV will Preise im Sommer erhöhen

Karlsruhe (kli) –Noch ist es nicht offiziell, doch der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) will im Sommer die Fahrpreise für seine Kunden deutlich erhöhen. Die Rede ist von bis zu 3,9 Prozent.

Der Karlsruher Verkehrsverbund plant deutlich höhere Fahrpreise.     Foto: pr

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Der Karlsruher Verkehrsverbund plant deutlich höhere Fahrpreise. Foto: pr

Auf die Fahrgäste des Öffentlichen Nahverkehrs kommen ab dem Sommer höhere Kosten zu. Der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) beabsichtigt eine Preiserhöhung um bis zu 3,9 Prozent. Die genaue Preisgestaltung ist noch nicht sicher. Offiziell ist der Beschluss noch nicht, der KVV-Aufsichtsrat muss das Vorhaben noch im schriftlichen Umlaufverfahren bestätigen. Doch der Trend ist klar.

Zuletzt hatte der KVV die Preise im Dezember 2019 um 1,8 Prozent erhöht. 2020 hatte er die Erhöhung ausgesetzt.

Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen, die im aus 28 Mitglieder bestehenden KVV-Aufsichtsrat sitzt, bestätigte dem BT die beabsichtigte Preiserhöhung und befürwortet sie. „Ich unterstütze den KVV, er bietet ein ausgeprochen gutes Preis-Leistungs-Verhältnis im deutschlandweiten Vergleich“, sagte Mergen gestern dem BT: Es gebe im KVV-Gebiet eine gute Taktung und gute Verkehrsanbindungen. Man habe sich im Aufsichtsrat intensiv mit Tarifentwicklungen befasst und sich durch Gutachter beraten lassen. Die Preiserhöhung um bis zu 3,9 Prozent sei gerechtfertigt, denn die Tariferhöhungen für die Fahrer und steigende Treibstoffkosten schlügen zu Buche. „Es sind reale Kostensteigerungen, die die Tariferhöhung des KVV rechtfertigen“, so Mergen. In einer Online-Sitzung habe der Aufsichtsrat dem KVV-Vorhaben zugestimmt, nun stehe noch die schriftliche Abstimmung im Umlaufverfahren für die rechtliche Verbindlichkeit an. Das sei ein übliches Verfahren, das es auch in anderen Aufsichtsratsgremien gebe.

Kritik an der Erhöhung kann Mergen nachvollziehen: „Gebührenerhöhungen sind keine angenehme Sache. Die Kunden nutzen das KVV-Angebot zur Zeit während Corona sehr zurückhaltend, auch der Schulbetrieb war lange Zeit unterbrochen.“ Aber die Tarifsteigerungen seien aus den genannten Gründen gerechtfertigt.

„Maßvolle Preisgestaltung“

Der Landkreis Rastatt, der ebenfalls im KVV-Aufsichtsrat vertreten ist, äußert sich zurückhaltend. „Einerseits sind aus Sicht des Kunden Preiserhöhungen natürlich immer schwierig zu erklären, andererseits hat sich der KVV in den vergangenen Jahren insgesamt mit einer verhältnismäßigen und maßvollen Preisgestaltung ausgezeichnet. Wir möchten uns, bevor der Beschluss gefasst ist, nicht an Spekulationen beteiligen“, teilte Pressesprecher Benjamin Wedewart auf Anfrage mit. Der Aufsichtsrat entscheide. „Einzelmeinungen wollen wir nicht beisteuern“, so Wedewart. Im Kreistag werde das Thema nicht aufgegriffen.

Anders im Landkreis Karlsruhe. Dort steht das Thema bei der Sitzung heute auf der Tagesordnung. In der Vorlage zur Sitzung verweist man auf zwei neue Angebote, die der KVV Ende 2021 einführen will: Der Home-Zone-Tarif und der Entfernungstarif sollen es Vielfahrern und Dauernutzern, aber auch Gelegenheitsfahrern ermöglichen, das Angebot besser zu nutzen. Die neuen Modelle sollen die bisherige Wabenstruktur ergänzen.

Der KVV-Aufsichtsratsvorsitzende, Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD), verweist gegenüber dem BT auf das laufende Abstimmungsverfahren. Daher könne man noch nicht genau sagen, wie sich die Tariferhöhung ab Sommer gestalte. Abhängig vom Typus der Fahrkarten gebe es Abstufungen. Man habe im Aufsichtsrat darüber zwei Mal beraten und mit Mehrheit abgestimmt, aber es habe auch unterschiedliche Meinungen gegeben. „Zwischen Null und 3,9 Prozent ist daher alles möglich, ich weiß noch nicht, was am Ende rauskommt.“

Neue Tarife ergeben Mindereinnahmen

Als die Preise im Jahr 2020 nicht erhöht worden seien, sei klar gewesen, dass man im ersten Halbjahr 2021 wieder ranmüsse. Die Alternative, im kommenden Winter die Preise noch stärker zu erhöhen, sei nicht vermittelbar. Mit den beabsichtigten Tariferhöhungen würden aber nicht die Verluste durch Corona, sondern nur die Kostensteigerungen ausgeglichen. Mit den neuen Angeboten Home-Zone und Entfernungstarif ergäben sich für den KVV Mindereinnahmen von sieben Millionen Euro.

Auf ähnliche Zahlen kommt auch der Landkreis: In der Sitzungsvorlage schlagen Einnahmeverluste von 6,6 Millionen Euro für die beiden neuen Angebote zu Buche. Eine Preissteigerung, die die Inflation abdeckt, trägt der Landkreis Karlsruhe mit. Es werde anerkannt, „dass eine Anpassung der Kosten an die Inflation eine Berechtigung hat, alles darüber hinaus wird in der aktuellen Zeit als kritisch angesehen“, heißt es in der Vorlage zur heutigen Sitzung.

Mentrup sagt, wenn man für die zwei Jahre 2020 und 2021 je zwei Prozent Inflation zusammenrechne, komme man auf etwa die 3,9 Prozent.

Der KVV bestätigt die geplanten Steigerungen nicht. „Wir müssen abwarten, wie die Aufsichtsratsmitglieder entscheiden, der Beschluss soll Anfang nächster Woche stehen“, sagt Pressesprecherin Sarah Fricke. Man werde wohl für kommende Woche zu einer Pressekonferenz einladen.

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Erstellt:
5. Mai 2021, 18:54 Uhr
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