Kabelsalat im Gedächtnissieb

Baden-Baden (fh) – Es sind die kleinen Momentaufnahmen des Lebens: Kurioses, Schönes, Ärgerliches. „Lebensnah“ schreibt diese Woche Fiona Herdrich über Vergesslichkeit beim Umzug ins Homeoffice.

Momentaufnahmen aus dem Alltag der BT-Redakteure sind unter der Rubrik „Lebensnah“ zu finden. Grafik: stock.adobe.com/Badisches Tagblatt

© BT

Momentaufnahmen aus dem Alltag der BT-Redakteure sind unter der Rubrik „Lebensnah“ zu finden. Grafik: stock.adobe.com/Badisches Tagblatt

Der Rucksack ist jeden Freitag gut gefüllt. Hab ich alles eingepackt? Tastatur? Check! Notizen und Pressemappen? Check! Netzteil für den Laptop? Wo ist jetzt schon wieder das Netzteil hingekommen!? Wer nicht dauerhaft im Homeoffice arbeitet, sondern immer wieder zwischen Büro und dem Schreibtisch zu Hause pendelt, kennt dieses Problem vielleicht: Irgendwas fehlt irgendwie immer irgendwo.

Meistens ist es ein Kabel. Denn kleine, schwarze Ladekabel fürs Handy schlüpfen einfach immer wieder durch die Löcher in meinem Gedächtnissieb. Sie fallen im dunklen Schlund meiner großen Tasche viel weniger auf als zum Beispiel so eine sperrige Tastatur. Also spätestens wenn der Akku sich wieder gefährlich den letzten Prozent kurz vor seinem Tod nähert, fahre ich erneut durch die Gegend auf der Suche nach dem rettenden Stecker. Was ich im Homeoffice echt vermisse, sind Kollegen von denen man sich den solchen kurz mal leihen kann.

Der Dongle hat sein eigenes Fach

Ein anderer Gegenstand, den ich auch oft suchen muss, ist der Dongle der Maus. Dongle ist übrigens ein Wort, das ich neu lernen musste. Vor der Pandemie war dieser kleine Knopf, der aussieht wie ein sehr kurz geratener USB-Stick für mich halt einfach der Stecker der Funkmaus (was sich übrigens weniger nach einem von einem Kind erfundenen Wort anhört als „Dongle“). Selbiger hat übrigens, um zu vermeiden, dass er verloren geht, sogar ein eigenes kleines Fach in der Maus. Jetzt muss ich nur noch daran denken, ihn an der Dockingstation im Büro abzuziehen, bevor ich diese einpacke.

Im ständig auf und wieder abgebauten Homeoffice geht das Kabelchaos dann weiter. Jedes Mal bin ich aufs Neue beeindruckt, wie viele Verbindungen aus einem so kleinen Laptop gucken können, die sich dann zu einem chaotischen Geflecht unter meinem heimischen Schreibtisch vermengen, das sich über den Boden zur Steckdose windet.

Auch ein Klassiker: Nach dem Homeoffice wieder ins Büro kommen und den Laptop ganz vergessen haben. Gut, ist mir persönlich jetzt noch nie passiert, muss sich aber anfühlen, wie wenn man früher in der Schule das Heft mit den Hausaufgaben zu Hause liegen hat lassen – obwohl man diese gemacht hat. Der Banknachbar im Großraumbüro ist aber – anders als der früher im Klassenzimmer – eher irritiert als hilfsbereit, wenn man versucht „einfach bei ihm mitreinzuschauen“. Also noch mal ins Auto oder aufs Fahrrad und zurück in den Pendlerverkehr.

Lebensnah schrieb BT-Volontärin Anna Strobel vor zwei Wochen über Spieltrieb und Entdeckergeist.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Fiona Herdrich

Zum Artikel

Erstellt:
1. Mai 2021, 15:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 17sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.