Kahlschlag bei Pabel-Moewig

Rastatt – (ema) – Die Bauer Media Group wird bis Ende Oktober dieses Jahres die Druckerei ihres Rastatter Tochterunternehmens VPM dichtmachen. 163 Mitarbeiter verlieren ihren Job.

Was der Konzern aus den VPM-Immobilien in der Karlsruher Straße macht, ist noch offen. Foto: Archiv

Was der Konzern aus den VPM-Immobilien in der Karlsruher Straße macht, ist noch offen. Foto: Archiv

Erst der Verlag, jetzt auch die Druckerei: Das Rastatter Traditionsunternehmen Pabel-Moewig (VPM) steht vor dem Aus. Der Hamburger Mutterkonzern Bauer Media Group kündigte gestern an, die Druckerei in der Karlsruher Straße Ende Oktober dieses Jahres zu schließen. 163 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Erst im Februar hatte Bauer den rund 80 Mitarbeitern des Zeitschriftenverlags VPM offenbart, dass man alle Titel und Mitarbeiter in Rastatt abziehe.
Die Hiobsbotschaft erfuhren die Druckerei-Mitarbeiter gestern bei einer Betriebsversammlung. Das Unternehmen begründet seinen Schritt damit, dass das Offset-Druckereigeschäft sich seit Jahren in Deutschland rückläufig entwickele. Ein wirtschaftlicher Betrieb sei somit nicht mehr gewährleistet, heißt es aus der Zentrale in Hamburg. Das Unternehmen will sich künftig in seinem Druckereigeschäft ausschließlich auf den Tiefdruck konzentrieren. Mit zwei Druckereien in Polen nehme Bauer bereits eine der führenden Wettbewerbspositionen ein, so der Konzern. In Rastatt waren zuletzt nach Unternehmensangaben rund 2 700 Einzelaufträge abgearbeitet worden mit etwa 50 Zeitschriften, Beilagen und 30 Umschläge (Cover) für Tiefdruckmagazine.

Das Management will in den kommenden Wochen mit dem Betriebsrat die Verhandlungen zum Interessensausgleich und Sozialplan aufnehmen. Die Leitung von VPM Druck übernimmt bis zur Schließung Roland Ort. Der bisherige Geschäftsführer Günter Jerger verlasse das Unternehmen auf eigenen Wunsch, teilte Bauer gestern mit.

Verbitterung ist groß

In der Belegschaft ist die Verbitterung groß, wie das BT gestern erfuhr. Immer wieder habe der Betriebsrat gefordert, zu investieren. Von der Entlassungswelle seien Mitarbeiter betroffen, die an die 50 Jahre bei VPM beschäftigt sind. In der Corona-Krise hätten sich die Beschäftigten geradezu „aufgeopfert“.

Mit dem jetzigen Schritt holt Bauer in Rastatt zum Kahlschlag aus. Im Februar hatte man angekündigt, die Mitarbeiter des VPM-Verlags und die Titel (14 Zeitschriften, darunter „Freizeitwoche“, „Woche Heute“, „Das neue“, „Schöne Woche“) in Rastatt abzuziehen und in Hamburg zu integrieren. Eine Sprecherin von Bauer sagte dem BT, der Sozialplan sei ausgehandelt und Änderungskündigungen seien ausgesprochen worden. Wie viele Verlagsmitarbeiter von Rastatt nach Hamburg ziehen, konnte die Konzernsprecherin noch nicht sagen. Die Betroffenen können sich noch bis Ende Juni entscheiden. Bis Ende Juli soll der Umzug erledigt sein.

Einzig und allein die legendäre Science-Fiction-Romanserie „Perry Rhodan“ ist von der Zerschlagung nicht betroffen. Für die 14 Mitarbeiter hat Bauer eigens die „Perry-Rhodan KG“ gegründet. Die Beschäftigten würden vorerst in den Räumen in der Karlsruher Straße bleiben. Was Bauer mit den Immobilien von Verlag und Druckerei macht, ließ die Unternehmenssprecherin offen.

Die Rastatter Wurzeln von VPM reichen ins Jahr 1949 zurück, als der Erich-Pabel-Verlag gegründet wurde. Der Heinrich-Bauer-Verlag stieg 1970 ein. Im Jahr 2010 wurde VPM umstrukturiert. Der Verlagsbereich ging in die neu gegründete Pabel-Moewig Verlag GmbH über. Der Druckbereich firmierte fortan als VPM Druck KG.


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