Kai Havertz erhöht nochmals seinen Marktwert

Freiburg(mi) – Mit seinem Siegtor in Freiburg hat Leverkusens Ausnahmetalent Kai Havertz eine weitere Kostprobe seines immensen Potenzials geliefert. Er steht im Sommer vor einem Megadeal nach England, Spanien oder zu Bayern München.

Kai Havertz (links) steht im Fokus etlicher internationaler Topvereine. Foto: Gilliar/GES

© Markus Gilliar/GES/POOL

Kai Havertz (links) steht im Fokus etlicher internationaler Topvereine. Foto: Gilliar/GES

So schnell sie gekommen waren, so schnell waren sie nach den 90 Minuten am Freitagabend auch wieder verschwunden. Ein kurzes Durchatmen, Ellbogengruß statt Händeschütteln und raus aus dem Stadion. Die Freiburger Profis strömten geradewegs zum linken Ausgang, die siegreichen Leverkusener zum rechten. Auf der Haupttribüne packten die zehn Journalisten und acht Ordner bei ihrem intimen, aber alles andere als gefühlsduseligen Maskenball ihre Utensilien ein – und schnellstens weg aus dem leeren Geisterhaus. Auch das gleißende Flutlicht konnte nicht verhindern, dass es hier irgendwie spukte, auch wenn keiner im schwarzen Gewand mit der Sense in der Ecke lauerte.

Das Schwarzwaldstadion wurde für 90 Minuten zu Freiburgs größtem Friedhof umfunktioniert. Selbst Stadionsprecher Claus Köhn, der sonst im stets ausverkauften engen Rund seine Stimme bei seinen Ansagen in ungeahnte Höhen treibt, klang so, als müsste er in der Totenstille eine Trauerrede halten.

Und für den Sport-Club geraten die Corona-bedingten Geister-Heimspiele auch ergebnistechnisch zu traurigen Veranstaltungen. Statt auf den lauten Hard-Core-Anhang, der seine Lokalhelden bis zum Schlusspfiff pusht, blicken die Kicker auf nackte Betonterrassen auf der Nordtribüne. Und so setzte es nach dem 0:1 gegen Bremen das gleiche Resultat gegen Leverkusen, wobei Bayer fußballtechnisch einige Stufen über Werder anzusiedeln ist.

Elfter Saisontreffer

Und dafür steht in Personalunion ein bald 21-Jähriger, der sich in vier Wochen aussuchen darf, wo seine Karrierereise als nächstes hingeht – Liverpool, Real Madrid oder doch Bayern München? Kai Havertz erwies sich bei seinem Siegtor per Beinschuss (54.) trotz doppelter Bedrängnis von Heintz und Sallai als Freiburgs Gespenst in kurzen Hosen, für die Rheinländer wird er zum größten Megadeal der Vereinsgeschichte. Es war sein elfter Saisontreffer, der neunte in der Rückrunde, was ihn wohl noch ein paar Milliönchen teurer macht.

„Er hat die Selbstverständlichkeit, diese Situationen in Tore umzumünzen. Denn das war keine hundertprozentige Chance“, kennt der österreichische Bayer-Kapitän Julian Baumgartlinger seinen Mitspieler, der wie Kai aus der Kiste plötzlich aufdreht, mit am besten. „Das ist die Qualität, die er hat“, war auch SC-Kapitän Christian Günter begeistert. Bayer-Coach Peter Bosz hat sich an all die Glanztaten schon gewöhnt: „Er war wieder sehr, sehr wichtig für uns.“

Der geniale Lenker, Denker und neuerdings Torschütze vom Dienst lässt Taten statt Worte sprechen. „Harte Arbeit, drei Punkte“, war das Einzige, was ihm auf Instagram zum Siegtor einfiel. Am Samstag gastieren die Über-Bayern bei Bayer. Im Gegensatz zu Leroy Sané gibt sich der Fast-Wieder-Meister eher defensiv bezüglich einer Verpflichtung.

Münchens Ehrenpräsident Uli Hoeneß, der einst jeden Nationalspieler gerne im Bayern-Trikot sah, bremste verbal („Sportlich würde ich ihn gerne in München sehen, aber Stand heute kann ich es mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass Havertz kommt“) ebenso wie Vorstand Oliver Kahn, der neue mächtige Mann in der Schaltzentrale. „Natürlich ist Havertz ein Top-Talent, ein super Spieler. Das heißt aber nicht, dass der FC Bayern an all diesen guten Spielern interessiert ist“, ließ der frühere Titan bei Sky90 verlauten.

Es wäre ein Jammer, wenn zehn Journalisten und acht Ordner in der Totenstille die letzten Freiburger Zeitzeugen des deutschen Ausnahmetalents gewesen sein sollten, falls Kai Havertz nach Spanien oder England weiterzieht.

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Erstellt:
1. Juni 2020, 19:00 Uhr
Lesedauer:
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