Kai Whittaker über die Wahlniederlagen

Baden-Baden (kli) – Nach den Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz fragt man sich: Welche Folgen haben die CDU-Niederlagen für die Bundestagswahl im Herbst? Kai Whittaker im BT-Interview.

Kai Whittaker meint, seine Partei müsse weiblicher, jünger und diverser werden.    Foto: Büro Whittaker

Kai Whittaker meint, seine Partei müsse weiblicher, jünger und diverser werden. Foto: Büro Whittaker

Die Union ist nach den Landtagswahlen in einer „Wahlergebniskrise“. Die Grünen in Baden-Württemberg haben ihre Spitzenstellung ausgebaut. Woran liegt das und was ist für die Union nun zu tun, fragte BT-Redakteur Dieter Klink den Baden-Badener CDU-Bundestagsabgeordneten Kai Whittaker.

BT: Herr Whittaker, welche Konsequenzen ziehen Sie aus der abermaligen Niederlage der CDU in Baden-Württemberg für Ihren Wahlkampf im Herbst, wo Sie Ihr Direktmandat verteidigen möchten?
Kai Whittaker: Wir gewinnen Wahlen nur, wenn wir Ideen für die Herausforderungen der nächsten zehn Jahre haben. Aber klar ist auch: Nichts ist sicher, auch ein Sieg im Wahlkreis Baden-Baden nicht.

BT: Ihre erste Analyse lautete, dass die CDU den Kontakt zu weiten Teilen der Mitte verloren hat. Wie kommt man damit wieder in Kontakt?
Whittaker: Indem man mit allen gesellschaftlichen Gruppen ins Gespräch kommt, ihre Probleme kennt und versucht, sie zu lösen.

BT: Das hat die Union bisher zu wenig gemacht?
Whittaker: Eindeutig ja. Wir haben in Bund und Land immer zu stark diskutiert, ob es ein „Weiter So“ oder eine Kehrtwende braucht. Und wir haben das immer mit personellen Fragen verbunden. Aber genau das ist der Denkfehler: Die Wähler interessiert das nämlich nicht, sondern sie interessiert, ob wir Lösungen anbieten und Ideen für die Zukunft entwickeln.

„In zehn Jahren nicht den Schuss gehört“

BT: Die CDU in Baden-Württemberg brauche eine tiefgreifende Erneuerung, sagen Sie. Was heißt das?
Whittaker: Die CDU in Baden-Württemberg hat in zehn Jahren nicht den Schuss gehört, den die Wähler uns nun zum dritten Mal gegeben haben. Baden-Württemberg ist das Land der Traditionsvereine, der Musikvereine, der Schützenvereine. Aber es ist auch das Land der Alleinerziehenden, der LGBT-Bewegung, der Nachbarschaftshilfe und vieles mehr. Das muss die CDU aufgreifen. Und wir müssen weiblicher, jünger und diverser werden. Wir brauchen auch mehr Migranten in der Partei. Baden-Württemberg ist bunt und das muss sich in unserem Programm und im Personal abbilden. Wir müssen eine Partei sein, die spannende Diskussionen führt und nicht nur gelangweilt applaudiert.

BT: Ist das eine Anpassung an den grünen Zeitgeist?
Whittaker: Warum denn?

BT: Sie reden von der bunten Republik und von Nachhaltigkeit. Das haben die Grünen für sich gepachtet.
Whittaker: Überhaupt nicht. Die Republik ist vielseitig. Und Nachhaltigkeit gehört zur christdemokratischen DNA. Wir müssen Soziales, Wirtschaft und Umwelt zusammenbringen. Das ist kein grüner Zeitgeist, sondern dafür haben wir das Urheberrecht.

Personelle Konsequenzen

BT: Muss die CDU in Baden-Württemberg auch personelle Konsequenzen ziehen?
Whittaker: Natürlich, aber das steht nicht an erster Stelle. Zunächst muss es darum gehen, eine Regierung im Land zu bilden. Dazu sind wir als CDU bereit. Landeschef Tomas Strobl hat den Auftrag, darüber Gespräche mit den Grünen zu führen. Wenn dann klar ist, ob wir in einer neuen Regierung sind oder nicht, müssen wir danach überlegen, wie wir uns neu aufstellen. Wir können 2026 nicht mit derselben Mannschaft im Land antreten.

BT: Muss die Union nun schleunigst die K-Frage lösen?
Whittaker: Das sollte man nicht übers Knie brechen. Wichtiger ist, dass wir als Partei nun wesentliche Punkte benennen, über die wir im Wahlkampf reden wollen, unsere Kernanliegen formulieren. Darüber sollten Armin Laschet und Markus Söder schnell Einigkeit erzielen.

BT: Dass Mehrheiten jenseits der Union möglich sind, macht Sie nicht nervös?
Whittaker: Nein. Dass manche da überrascht sind, verwundert mich. Es gab bereits 2005 und 2013 im Bundestag Mehrheiten gegen die Union, aber SPD, Grüne und Linke haben sie nicht genutzt.

BT: Dieses Mal ist die FDP mit dabei.
Whittaker: Die FDP hat 2017 Jamaika platzen lassen, weil sie sagte, mit Union und Grünen sei nicht genug wirtschaftsliberale Politik möglich. Dann soll mir die FDP erst mal erklären, wie sie das mit der Sozialdemokratie der Saskia Esken und den Grünen erreichen will. Ich frage mich, wie die FDP solche SPD-Positionen zum Wohnungsbau mittragen kann, ohne rot zu werden.

„Ein richtiger Wahlkampf“

BT: Zeigt der Beginn des Wahljahrs nicht, dass alles unkalkulierbar geworden ist?
Whittaker: Klar wird nur, dass es im Herbst einen richtigen Wahlkampf geben wird, einen Kampf um Ideen. Es ist nichts gottgegeben. Aber wir sind als Union noch immer in der Lage, dieses Land zusammenzuhalten. Ein Land, das immer mehr in individuelle Strömungen zerfällt. Es gibt immer mehr Fliehkräfte, die das Land zerreißen. Die anderen Parteien, so klein sie geworden sind, vertreten nur Einzelinteressen. Da genügt es nicht, drei Einzelinteressen zusammenzuzählen.

BT: Sie schauen sich noch nicht nach Alternativen außerhalb der Politik um?
Whittaker: Nein. Die Herausforderungen nach der Pandemie sind andere als noch vor fünf Jahren. Es sind gerade spannende Zeiten, wenn die Dinge in Fluss geraten. Sie von einem jungen Standpunkt aus zu gestalten, sehe ich auch weiter als meine Aufgabe an.

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Erstellt:
16. März 2021, 19:34 Uhr
Lesedauer:
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