Kaiser Franz war gestern

Baden-Baden (rap) – Bei Rapps Rapport geht es diesmal um die Frage, welche Namen derzeit die höchsten Chancen auf eine Bundesliga-Karriere haben. Hoch im Kurs: Sebastian und Kevin. Vom Aussterben bedroht: Gerd und Günter.

Ganz vorne in der Rangliste: Hoffenheims Sebastian Rudy (rechts) und weitere 19 Namens-Mitstreiter. Foto: Prang/GES

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Ganz vorne in der Rangliste: Hoffenheims Sebastian Rudy (rechts) und weitere 19 Namens-Mitstreiter. Foto: Prang/GES

Es ist wohl eine der meistdiskutierten Fragen, die sich werdende Eltern stellen: die nach dem Namen des Sprösslings. Zu lang sollte er nicht sein, aber auch nicht zu kurz. Selbstredend gut verständlich, damit auch Oma und Opa den Namen fehlerfrei bewältigen können. Im Idealfall soll noch ein schöner Spitzname dabei herausspringen. Viele Kriterien also, die manch Namensfindungskommission – also die werdenden Eltern – nach Dutzenden Namensbüchern von A wie Alma bis Z wie Zacharias sowie etlichen schlaflosen Nächten verzweifelt ratlos zurücklassen. Schließlich soll der Name ihres Schützlings bestenfalls Erfolg im Leben bringen.

Richtig verzwickt wird die Lage gar, wenn der Herr des Hauses den Namen des Lieblingsfußballers oder eines WM-Finaltorschützen (soll ja durchaus schon vorgekommen sein) ins Spiel bringt. Schließlich träumt doch insgeheim jeder Papa davon, dass sein Filius die Bundesligastadien der Republik im Sturm erobert. Anwalt, Arzt oder Architekt kann ja jeder.

Doch welche Vornamen garantieren derzeit die größtmöglichen Chancen, den Sprung in Deutschlands Fußball-Beletage zu schaffen? Mit dieser immens wichtigen Frage hat sich das Unternehmen wettbasis.com (oder wohl eher der unterbezahlte Praktikant) beschäftigt und alle 1 029 Rufnamen der Erst- und Zweitligaspieler analysiert – mit folgenden, bahnbrechenden Ergebnissen: Wer Sebastian heißt, hat anno 2020 einen Freifahrtsschein in Sachen Bundesliga. 20 Filigrantechniker wie Sebastian Rudy, Sebastian Polter oder Sebastian Langkamp tummeln sich in den beiden höchsten Ligen. Platz eins!

Keine Zukunft für Gerd und Günter?

Ein Name, der in den vergangenen Jahren in Deutschland durchaus mit einer gewissen Portion Häme und Spott überschüttet wurde, ist Kevin. „Du bist so ein Kevin“ wurde gar zum geflügelten Wort unter den Jugendlichen für Missgeschicke jeglicher Art. Es kann an dieser Stelle aber nur gemutmaßt werden, dass solcherlei Abneigungen gegenüber diesem Namen mit den Taten (legendärer Dönerweitwurf, nächtliches Urinieren in der Hotel-Lobby, Schlägerei vor einem Freudenhaus) eines gewissen Kevin Großkreutz zu tun haben. Auch die legendären Interviews, grammatikalisch und stilistisch höchst anspruchsvoll, von Ex-Nationalspieler Kevin Kuranyi dürften eher eine untergeordnete Rollen dabei gespielt haben. Denn zumindest beim König Fußball gilt: Kevin ist ein fester Bestandteil der deutschen Profiligen. Gleich 17 Akteure wie Kevin Volland, Kevin Trapp und Kevin Vogt treten gegen den Ball. Lässt nur einen Schluss zu: Mehr Kevins braucht das Land – oder zumindest der Fußball!

Den zweiten Rang müssen sich die Kevins aber mit den Philipps teilen. Dass Philipp aber zumindest in der breiten Öffentlichkeit mehr Ansehen genießt, als die armen Kevins, zeigt das Musterbeispiel Philipp Lahm: Erst 1,20-Meter-Verteidiger beim VfB Stuttgart, dann Stammspieler bei den Ruhmreichen von der Säbener Straße, später DFB-Kapitän, Liebling (und Maulwurf) der Medien und schließlich EM-Botschafter. Eine Bilderbuchkarriere! Nicht so erfolgreich, aber ähnlich sachlich und ruhig geben sich auch aktuelle Spieler wie Philipp Bargfrede oder Philipp Max. Nomen est Omen, zumindest was Rang zwei dieser Studie betrifft.

Das Stockerl komplettiert Florian mit 16 Nennungen, gefolgt von Patrick (14), Marco, Niklas, Marcel und Alexander (je 12) auf dem fünften Platz.

Doch nicht nur die Häufigkeit des Namens spielt eine Rolle, sondern auch die Länge des Selbigen, wie das Unternehmen mitteilt. Spitzenreiter sind Namen mit sechs Buchstaben (über 260 Spieler), gefolgt von fünf (245) und sieben (160). Schlechte Karten haben Namen mit drei Buchstaben (35). Also lieber Tim, Ole, Max – geht Tennis spielen! Die Aussichten auf eine schillernde Fußballkarriere tendieren gen null. Also doch Anwalt, Arzt oder Architekt.

Zwei WM-Titel: Erfolgsgarant Helmut

In der langen und erfolgreichen Geschichte des deutschen Fußballs gab es ja so manch legendären Architekten für Bundesliga-Meisterschaften, Champions-League-Titel oder gar WM-Triumphe. Doch diese Institutionen wie Kaiser Franz Beckenbauer, Gerd „Bomber der Nation“ Müller oder Günter „Ich habe die Haare schön“ Netzer sind vom Aussterben bedroht, wie der Blick in die Statistik beweist. Keiner der 1 029 Fußballer trägt einen dieser drei Namen. Welch‘ Schande für so ein fußballverrücktes Land!

Ein Name, der gleich bei zwei WM-Titeln eine entscheidende Rolle spielte, war Helmut. 1954 schoss Helmut Rahn aus dem Hintergrund eine Elf zum WM-Titel und eine ganze Nation zu einem neuen Selbstwertgefühl, 20 Jahre später dirigierte Helmut Schön, seine Mütze tief ins Gesicht gezogen, als DFB-Trainer Beckenbauer, Maier und Co. zum Heimtitel. Helmut – ein Garant für WM-Freuden, der bei der Namenswahl von werdenden Vätern durchaus in Betracht gezogen werden sollte.

Doch egal ob Sebastian, Kevin, Helmut oder Max, schon Johann Wolfgang von Goethe wusste: „Name ist Schall und Rauch.“ Stimmt, entscheidend is‘ auf’m Platz!

Schuss ins WM-Glück: Gerd Müller (links) trifft zum 2:1. In der Bundesliga geht momentan kein Gerd auf Torejagd. Foto: dpa

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Schuss ins WM-Glück: Gerd Müller (links) trifft zum 2:1. In der Bundesliga geht momentan kein Gerd auf Torejagd. Foto: dpa

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Erstellt:
18. März 2020, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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