Kaiserstraße ist nicht gleich Kaiserstraße

Rastatt (ema) – Die städtische Gratis-Kampagne zum Innenstadt-Parken sorgt für Ärger. Autofahrern sind die Feinheiten der unterschiedlichen Parkzonen nicht bewusst.

Eine Kampagne, die Tücken hat. Foto: ema

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Eine Kampagne, die Tücken hat. Foto: ema

„Ja ist denn schon Weihnachten“, würde die einstige TV-Werbe-Ikone Franz Beckenbauer fragen, wenn er zurzeit durch Rastatt schlendern würde. An etlichen Ecken sind Plakate der Stadt Rastatt zu sehen mit dem Slogan: „Unser Geschenk: Drei Stunden kostenfrei parken.“ Die Botschaft in großen Lettern ist kaum zu übersehen. Wer allerdings auf Nummer Sicher gehen will, sollte auch das Kleingedruckte auf dem Plakat lesen. Denn da findet man mit der Lupe den Hinweis, dass das Gratis-Parken nur in Parkzone eins gilt. Womit wir mitten hinein in die Feinheiten des städtischen Stellplatzkonzepts geschlittert sind.

Gerlinde Kramer, das gibt sie unumwunden zu, ist mit den ausdifferenzierten Regeln des Ordnungsamts nicht vertraut. Worauf die Rastatterin allerdings vertraute, ist die vom Gemeinderat beschlossene und an die große Glocke gehängte Nachricht, dass man in der Kaiser-, Herren- und Schlossstraße sowie auf dem Postplatz bis 14. Juni maximal drei Stunden gratis parken darf. Die Örtlichkeiten waren so im Beschluss aufgelistet – versehen mit dem Zusatz in Klammer: Parkzone 1. Eine kleine, aber gewichtige Zusatzinformation, die in der Debatte am Ratstisch keine Rolle spielte und der auch der BT-Redakteur nicht weiter Beachtung schenkte.

Kein Einzelfall

Dass es eben nicht nur eine, sondern gleich drei Tarifzonen in der Innenstadt gibt, das bekam jetzt allerdings Gerlinde Kramer zu spüren. Sie fiel aus allen Wolken, als sie wenige Minuten in der unteren Kaiserstraße parkte für einen Termin bei der Techniker-Krankenkasse und bei der Rückkehr zum Auto ein Knöllchen über 20 Euro vorfand. Als sie im Ordnungsamt nach dem Warum trotz politischer Gratis-Offerte fragte, staunte sie nicht schlecht: Sie habe in der Tarifzone 2 geparkt.

Bußgeldstellenleiter Bernd Münster versteht einerseits den Ärger der Bürgerin, der offenbar kein Einzelfall ist, wie ein Blick in den städtischen Mängelmelder zeigt. Er verweist aber auf den Beschluss des Gemeinderats und die Pflicht der Autofahrer, am Parkautomaten nachzulesen, in welchem Bereich man sich gerade befindet. Und da bestätigt sich wieder mal, dass man als Autofahrer in der Barockstadt ein Zonenbewusstsein entwickeln muss. Beispiel Kaiserstraße: Der Abschnitt zwischen Kapellen- und Engelstraße ist Zone 1 und damit zurzeit Gratis-Gebiet. Doch ab Engelstraße abwärts ist Zone 2 ausgewiesen – und damit muss bezahlt werden. Frau Kramer weiß es jetzt.

Dass bei Einheimischen (und erst recht bei Auswärtigen) die Zone 2 auch zur gefühlten Innenstadt gehört und damit die gut gemeinte Gratis-Kampagne für Verdruss sorgt, ahnt man zwar im Rathaus. Doch umsteuern will man aufgrund des Gemeinderatsbeschlusses nicht mehr. Immerhin lässt sich im Stadtbild eine Stütze erkennen: Alle Automaten in der Tarifzone 1 sind mit dem Gratis-Hinweis abgeklebt. Heißt im Umkehrschluss: Bei Automaten ohne den Wink aus Papier herrscht Zahl-Alarm.

Im Ordnungsamt scheint man auch ein Stück weit einzusehen, dass Deutschland zwar 80 Millionen fachkundige Fußball-Bundestrainer hat, aber nicht jeder über die Kompetenz eines Bußgeldstellenleiters verfügt. Bernd Münster drückte jedenfalls bei Gerlinde Kramer und anderen Betroffenen ein Auge zu und reduzierte das Bußgeld auf fünf Euro. Vom Charme eines Geschenks würde da aber wohl allenfalls Franz Beckenbauer sprechen.


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