Kaltenbronn: Tauwetter legt Umweltsünden frei

Gernsbach (stj) – Müll, so weit das Auge reicht, entdeckt die Bergwacht auf dem Kaltenbronn und spricht von einem erschreckenden Anblick.

Bei der spontanen Müllsammelaktion der Bergwacht auf dem Kaltenbronn kommen knapp zehn gefüllte Müllsäcke zusammen – und das sei längst noch nicht alles. Foto: Constantin Dumat

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Bei der spontanen Müllsammelaktion der Bergwacht auf dem Kaltenbronn kommen knapp zehn gefüllte Müllsäcke zusammen – und das sei längst noch nicht alles. Foto: Constantin Dumat

Der zum Teil alles andere als coronakonforme Besucheransturm auf dem Kaltenbronn im Winter 2020/2021 hat schon viele Einheimische verärgert, die Hinterlassenschaften der Tagestouristen sorgen nun für weiteren Frust: Müll im Bereich des Schlittenhangs so weit das Auge reicht. Dieses „erschreckende Bild“ bot sich am Sonntag einer Naturschutzstreife, die im Rahmen des Winterdiensts der Bergwacht Pforzheim im Bereich der Bergrettungswache Kaltenbronn unterwegs war.

Die Dienstmannschaft berichtet von achtlos weggeworfenen Verpackungen, im angrenzenden Wald versteckten Überresten von Schlitten und sogar sorgfältig in den Verbissschutz von Bäumen eingearbeitetem Abfall. „Seitens der Bergwacht Pforzheim verstehen wir überhaupt nicht, warum auf einmal ein solches Müllthema am Kaltenbronn auftaucht“, beklagt Daniel Schöninger.

Wanderer helfen spontan beim Müllsammeln

Er ist Vorsitzender der Ortsgruppe Pforzheim bei der Bergwacht Schwarzwald. Die zurückliegenden 20 Jahre habe es zu guten Schneezeiten schon immer sehr volle Wochenenden und Ferientage am Kaltenbronn gegeben. Und auch der Schlittenhang sei schon immer stark frequentiert gewesen. „Aber noch nie hat sich uns von der Bergwacht Pforzheim nach dem Abtauen des Schnees ein solches Bild wie heute geboten“, blickt Schöninger auf den 7. Februar zurück. Aber die Dienstmannschaft hat auch Positives zu berichten: „Vorbeilaufende Wanderer haben uns beim Müllsammeln spontan Spendengelder in die Hand gedrückt mit den Worten: ,Das gibt es ja gar nicht und vielen Dank ...‘“.

Die spontane Müllsammelaktion habe ein Ergebnis von knapp zehn gefüllten Müllsäcken erbracht, informiert die Bergwacht weiter. Dabei seien sie auf breiten Zuspruch gestoßen: „Auch wenn lange nicht alles eingesammelt werden konnte, ist mit dieser Aktion ein erster Schritt für den Naturschutz erbracht.“

Der zuständige Landkreis Rastatt sei von der Bergwacht über die Aktion in Kenntnis gesetzt worden – mit der Bitte, weitere Schritte zu prüfen und gegebenenfalls entsprechende Maßnahmen in die Wege zu leiten. Die Bergwacht appelliert an alle Besucher auf dem Kaltenbronn und andernorts in der freien Natur, ihren Müll mit nach Hause zu nehmen und zu entsorgen: „Oder manch einer nimmt auf die nächste Wanderung am Kaltenbronn einfach einen ,Drecksack‘ mit und sammelt bei seiner Tour auch noch ein bisschen was vom Müll der anderen auf. Dann können wir uns alle bald wieder an unserer geliebten und sauberen Natur rund um den Kaltenbronn erfreuen.“

Für Reichentals Ortsvorsteher Guido Wieland kommt die starke Müllansammlung auf dem Kaltenbronn nicht unerwartet. Zwischen Weihnachten und Dreikönig seien so viele Leute von weit her ins Höhengebiet gefahren, „die bringen natürlich Verpflegung mit“. Zumal in Corona-Zeiten die Einkehr ins Hotel „Sarbacher“ nicht möglich war. Auch im Dorf selbst sei viel mehr Unrat zu registrieren gewesen, als der Besucheransturm am größten war. Körbeweise Material hätten die Ausflügler mit ihren Autos über hunderte Kilometer ins Murgtal transportiert. „Natürlich kann man erwarten, dass die ihren Müll wieder mitnehmen“, betont Wieland. Von vielen sind diese Erwartungen im Corona-Winter aber nicht erfüllt worden – zum Leidwesen der Reichentäler und der vernünftigen Besucher auf dem Kaltenbronn.

Bilder wie dieses bieten sich der Bergwacht bei ihrem jüngsten Einsatz auf dem Kaltenbronn zuhauf. Foto: Thorsten Heugel

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Bilder wie dieses bieten sich der Bergwacht bei ihrem jüngsten Einsatz auf dem Kaltenbronn zuhauf. Foto: Thorsten Heugel

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BT-Redakteur Stephan Juch

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Erstellt:
8. Februar 2021, 16:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 32sec

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