Kandidat will „mehr Baden in Stuttgart“

Baden-Baden (kie) – Der Baden-Badener Gemeinderat und Rechtsanwalt René Lohs möchte für die FDP in den Landtag ziehen. Ein Portrait.

Nach dem Lockdown freut sich René Lohs besonders auf einen Besuch des Baden-Badener Theaters. Foto: Franziska Kiedaisch

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Nach dem Lockdown freut sich René Lohs besonders auf einen Besuch des Baden-Badener Theaters. Foto: Franziska Kiedaisch

Trifft man René Lohs dieser Tage nicht in seiner Anwaltskanzlei oder im Baden-Badener Gemeinderat, könnte man es entweder mit einem Hochsitz oder einer Kirchenbank versuchen. Für den FDP-Landtagskandidaten für den Wahlkreis 33 ist die Jagd ein „wunderbarer Ausgleich“ zu den oftmals langen Arbeitstagen; in die Kirche geht der amtierende katholische Pfarrgemeinderat jeden Sonntag. Geht es nach ihm, sollte man Lohs demnächst auch im Landtag antreffen können.

Unter der Losung „Gemeinsam für mehr Baden in Stuttgart“ möchte der gebürtige Duisburger die regionalen Interessen in der Landeshauptstadt vertreten. Vor allem für die Kurstadt spiele die Landespolitik eine große Rolle, laut Lohs sei sie aber „im Moment nicht so gut in Stuttgart vertreten“. So müsse etwa die Bäder- und Kurverwaltung (BKV) „dringend personell und inhaltlich auf den neuesten Stand gebracht werden“, meint er. Baden-Baden sei oft nicht „Herr im Ring“, beispielsweise bei der Sanierung des Alten Schloss’ oder bei der Trinkhalle. Außerhalb der Kurstadt sei ihm etwa die Autobahnanbindung in Hügelsheim ein großes Anliegen.

Angesprochen auf die Gründe für seine Liebe zur Region muss Lohs schmunzeln: „Ich bin mit einer Badenerin verheiratet“. Schließlich ist Baden schon lange und immer wieder seine Heimat: Nach Studium und Promotion in Freiburg und beruflichen Stationen in Bonn und Berlin war Lohs von 2003 bis 2011 Bürgermeister von Müllheim (Breisgau-Hochschwarzwald).

Bildung liegt ihm am Herzen

In Müllheim habe er eine Ganztagsbetreuung für Kinder von null bis zehn Jahren eingeführt. „Wie wichtig das ist, sieht man ja gerade“, so Lohs. Dem Vater eines zwölfjährigen Sohns liegt neben wirtschaftlichen, medizinischen und sicherheitspolitischen Fragen naturgemäß das Thema Bildung am Herzen. Die Digitalisierung müsse entschieden vorangetrieben, die Schulen vernünftig ausgestattet werden, fordert er und spricht sich ein wenig in Rage. Das Kultusministerium nennt er einen „lahmen Haufen“. Den Beamten fehle der Zugang zur Praxis. Die Schulen im Land seien bei der Digitalisierung vernachlässigt worden, „Fördermittel liegen ja an sich da“, sagt er – und fügt an: „Da hat man über Jahre hinweg geschlafen“.

Nach dem Lockdown möchte Lohs zuerst wieder ins Baden-Badener Theater und in die Oper gehen. „Ich bin ja auch ein Kulturmensch“, sagt der FDP-Kreisvorsitzende. Er schätze sich glücklich, solch ein reiches Kulturangebot in der Kurstadt zu erhalten. Nach dem Lockdown müsse neben der Wirtschaft – insbesondere dem Einzelhandel – den Kulturschaffenden unter die Arme gegriffen werden.

Ehrenamtlich engagiert

Auch ehrenamtlich engagiert er sich für kulturelle Belange, etwa in der Opernakademie Baden-Baden oder bei der Deutsch-Russischen Kulturgesellschaft. Seine Liebe gilt neben dem Schauspiel und der Oper dabei vor allem der Barockmusik. Und diese Leidenschaft teilt er mit einem berühmten Vorbild: „Ich bin ein Verehrer Friedrich des Großen, eines Menschen, der sehr liberal gedacht hat“, sagt der FDP-Politiker.

Daneben spielt die Kirche eine wichtige Rolle in seinem Leben: „Ich bin der einzige Gemeinderat, der auch Kirchengemeinderat ist. Das entspricht jetzt nicht unbedingt Friedrich dem Großen, aber meiner inneren Überzeugung“ sagt er und lacht.


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