Kaputte Räumfahrzeuge, schneeglatte Straßen

Rastatt (BT) – Dichter Schneefall bedingte am Mittwochmorgen schwierige Straßenverhältnisse. Aufgrund von drei Defekten an Fahrzeugen gab es Probleme bei der Schneeräumung im Landkreis Rastatt.

Keine Probleme mit der Straßenlage haben diese zwei Jungs auf den verschneiten und vereisten Fahrbahnen in Bühl. Foto: Bernhard Margull/BT

© bema

Keine Probleme mit der Straßenlage haben diese zwei Jungs auf den verschneiten und vereisten Fahrbahnen in Bühl. Foto: Bernhard Margull/BT

Auf vielen Straßen in Mittelbaden sorgte dichter Schneefall in Verbindung mit eisigen Temperaturen am Mittwochmorgen für schwierige Straßenverhältnisse. Besonders angespannt war die Lage auf der B462 im Murgtal sowie auf der B36 rund um Ötigheim, Bietigheim und Durmersheim, da gleich mehrere Fahrzeuge der Straßenmeisterei aufgrund von technischen Defekten nicht eingesetzt werden konnten.

Auch auf den Autobahnen im Land, hier die A8, haben die Räumdienste alle Hände voll zu tun. Foto: Andreas Rosar/dpa

© dpa

Auch auf den Autobahnen im Land, hier die A8, haben die Räumdienste alle Hände voll zu tun. Foto: Andreas Rosar/dpa


Das Polizeipräsidium Offenburg verzeichnete im gesamten Zuständigkeitsbereich (Kreise Ortenau, Baden-Baden, Rastatt) mehr als 30 Unfälle mit einem Gesamtschaden von rund 40.000 Euro, von denen viele auf die schwierige Straßen- und Wetterlage zurückzuführen waren. Unter anderem kam eine 35-Jährige am Morgen auf der A5-Auffahrt Rastatt-Süd von der Fahrbahn ab. Sie blieb laut Polizei aber unverletzt. Gegen 15.45 Uhr sei es einer weiteren Autofahrerin auf der A5 ähnlich ergangen. Sie kam laut Polizei von der Fahrbahn ab und streifte dabei eine Betonleitwand.

Auf der A5 in Richtung Basel hat eine Autofahrerin, die bei Eis und Schnee zu schnell unterwegs gewesen war, um 14.30 Uhr kurz nach Achern die Kontrolle über ihren Ford verloren. Die 28-Jährige schlitterte mit ihrem Fahrzeug nach rechts, kollidierte mit der Schutzplanke und wurde wieder nach links geschleudert, teilte die Polizei mit. Dort kam sie an der Betonleitwand quer zur Fahrbahn zum Stehen. Mehrere Airbags lösten aus. Die Fahrerin konnte jedoch noch selbstständig das Auto verlassen. Sie wurde mit Kopfschmerzen ins Krankenhaus Achern gebracht. Am Fahrzeug entstand ein Sachschaden von etwa 10.000 Euro. Es musste abgeschleppt werden. Außerdem entstand Schaden an mehreren Elementen der Schutzplanke. Die linke und mittlere Fahrspur war zeitweise gesperrt.

Eine Stunde zuvor sorgte ein 24-Jähriger in gleicher Fahrtrichtung für eine Schadenssumme von rund 10.500 Euro. In der Einfahrt des Parkplatzes Feldmatt in der Nähe von Gamshurst kam der Mann vom Verzögerungsstreifen ab und kollidierte mit zwei Leitpfosten, zwei kleineren Bäumen und der Leitplanke, bevor er in einem Grünstreifen auf einem kleineren Baum zum Stehen kam. Sein Ford war nicht mehr fahrbereit und musste abgeschleppt werden. Der Unfallverursacher blieb unverletzt.

Etwa eineinhalb Stunden später ereignete sich – ebenfalls auf der A5 – diesmal in Richtung Karlsruhe, ein Unfall mit einem Transporter. Der Peugeot war zwischen Appenweier und Achern ins Schleudern geraten und rutschte anschließend quer über die Autobahn. Der 57-jährige Fahrer hatte bei hoher Geschwindigkeit auf der linken Spur die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren. Der Transporter streifte die linke Betonleitwand, wurde dadurch über alle Fahrstreifen geschleudert und kollidierte im Anschluss zweimal mit der rechten Schutzplanke. Der Transporter kam schließlich entgegen der Fahrtrichtung auf dem Standstreifen zum Stillstand. Er musste abgeschleppt werden. Es entstand ein Schaden von etwa 5.300 Euro.

Gleich drei Räumfahrzeuge defekt

Von den sechs Fahrzeugen im Dienst der Straßenmeisterei Gernsbach konnten dem Landratsamt Rastatt zufolge drei nicht eingesetzt werden. „Ein Unimog und ein Lkw fielen mit Hydraulik- sowie Getriebeproblemen aus, bei einem weiteren Laster eines beauftragten Fremdunternehmers war die Lichtmaschine defekt“, informierte Landkreissprecher Michael Janke auf BT-Nachfrage. Da die Gernsbacher Meisterei im Dienste des Landkreises räumt, habe das größere Auswirkungen gehabt. Neben den besagten Straßen B462 und B36 konnten auch einige Nebenstrecken der genannten Straßen, etwa in Richtung Freiolsheim, infolge der Defekte an den Fahrzeugen längere Zeit nicht geräumt werden. Man habe sich, so Janke, zunächst auf Hauptverkehrsstraßen und Strecken mit Busverkehr konzentriert.

Minusgrade erschweren Räumung


Einen Großeinsatz brachte der Schnee auch für die Räum- und Streudienste in Baden-Baden und Bühl. Das Problem waren dabei nicht die Schneemengen, sondern die tiefen Temperaturen. Gegen 4.30 Uhr waren in der Kurstadt die ersten Räumfahrzeuge unterwegs. Hier muss man sich um rund 360 Straßenkilometer kümmern – darunter auch viele Steigungsstrecken und die Schwarzwaldhochstraße bis zum Kurhaus Sand. So waren rund 100 Mitarbeiter und 21 Fahrzeuge im Einsatz. Dazu gehörten auch die Touren mit den Handstreuwagen, um besonders Gehwege und Zebrastreifen freizuhalten.

Bei Temperaturen deutlich unter 0 Grad sei es sehr schwierig und nicht überall möglich gewesen, den Pulverschnee wegzubekommen, betont Stadt-Pressesprecher Roland Seiter. Man habe aber für die Befahrbarkeit der Straßen sorgen können.

Auf dem Herrenpfädchen bei Haueneberstein ist am Mittwoch kurz vor 12 Uhr ein 23-jähriger Autofahrer laut Polizeibericht mit Sommerreifen von der Fahrbahn abgekommen und hat dabei eine Gartenmauer touchiert.

Salz wirkt schlechter

In Bühl ließ man sich von der erneuten weißen „Pracht“ nicht überraschen: „Wir sind ja in diesem Winter schon ein bisschen was gewöhnt“, so der Betriebsleiter des Bühler Stadtbauhofs, Siegbert Feißt. Ab etwa 5 Uhr waren die Fahrzeuge und etwa 40 Mitarbeiter des Stadtbauhofs unterwegs, auch hier musste man viele Höhenmeter bewältigen.

Durch die tiefen Temperaturen wurde die auftauende Wirkung des Salzes deutlich vermindert. Daher wurden die Strecken teilweise mehrfach gestreut. „Es war fast eine Art Kampf gegen die Zeit, um möglichst viele Schneereste noch am Mittwoch von der Straßenoberfläche wegzubekommen, bevor das Thermometer weiter sinkt und kaum noch Tauwirkung durch das Salz zu erreichen ist.“ Daher sei es ein sehr intensiver Wintereinsatz am Mittwoch gewesen, erklärt Feißt.

Die Stadt Gaggenau konstatierte am Mittwoch indes wenig Probleme: „Als der Berufsverkehr angefangen hat, wurden die Hauptstraßen der Priorität 1 abgefahren.“ Mittags habe man sich dann um die Straßen der Priorität 2 und 3 gekümmert. „Die Straßen der Priorität 1 werden sogar zweimal durchfahren“, sagte Stadtpressesprecherin Judith Feuerer am Mittwoch. Auch für Loffenau konstatierte Bürgermeister Markus Burger „einen normalen Winterdiensttag“. Ähnliche Bilanzen kamen aus Weisenbach und Forbach. In Gernsbach sah es hingegen anders aus: „Die Situation war angespannt“, so Bernd Haas vom Bauhof. Die Straßen der Priorität 2 und 3 habe man erst zur Mittagszeit abarbeiten können. „Es geht nur eins nach dem anderen“, meint Haas entschuldigend.

Straßen in Kategorien eingeteilt


In Rastatt machten Teile der Hauptverkehrsader – die Ortsdurchfahrt – am Vormittag keinen geräumten Eindruck. Gleichwohl: „Um 4 Uhr hat der Schneefall in Rastatt begonnen, und um 5 Uhr sind die ersten Räum- und Streufahrzeuge auf den Straßen unterwegs gewesen“, betont die städtische Pressestelle auf Nachfrage des BT und weist Mutmaßungen zurück, man sei nicht genügend vorbereitet gewesen auf den neuerlichen Wintereinbruch. „Wie jeden Winter können wir nicht gleichzeitig überall im Einsatz sein“, so Pressesprecherin Heike Dießelberg. Zudem: Es ergebe keinen Sinn, „Räumfahrzeuge loszuschicken, bevor die weiße Pracht Rastatt sanft bedeckt“. Mit neun Fahrzeugen und 80 Mitarbeitern sei man am Mittwoch unterwegs gewesen.

Noch zur Mittagszeit zeigte sich am Mittwoch an der Badener Brücke in Rastatt eine teilweise geschlossene Schneedecke. Foto: Frank Vetter

© fuv

Noch zur Mittagszeit zeigte sich am Mittwoch an der Badener Brücke in Rastatt eine teilweise geschlossene Schneedecke. Foto: Frank Vetter

Zunächst befreien die städtischen Mitarbeiter die Brücken, die Bundes-, Landes- und schließlich die kommunalen Straßen von Schnee und Eis: Diese Hierarchie sei beim Winterdienst vorgeschrieben. Vorrang haben außerdem Hauptverkehrsstraßen. Außerdem fahre der Räumdienst bevorzugt alle Steigungen, Feuerwehrzufahrten und die Zufahrtsstraßen zum Polizeirevier und Krankenhaus ab.

Diese sogenannte Kategorie 1 des Winterdiensts werde solange bedient, bis die Straßen frei sind. Am Mittwoch zeigte sich noch zur Mittagszeit an der Badener Brücke eine teilweise geschlossene Schneedecke. „Erst danach können die Straßen weiterer Kategorien bedient werden.“ Das heißt: Wenn der Schneefall länger anhält, haben die niedrigeren Kategorien das Nachsehen.

Gegen 16 Uhr bremste laut Polizeibericht ein Autofahrer in der Schlosserstraße zu spät und nahm einem anderen Verkehrsteilnehmer die Vorfahrt. Es kam zu einer Kollision. Alle Beteiligten blieben unverletzt.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.