Karlsruhe: Höhere Aufenthaltsqualität in der Innenstadt ist das Ziel

Karlsruhe (win) – Die Stadt Karlsruhe will die Innenstadt stärken und eine höhere Aufenthaltsqualität schaffen. Dafür wurden mehrere Stadtplanungsbüros beauftragt.

Experimentierfeld Innenstadt: OB Frank Mentrup im Gespräch mit Experten. Foto: Winfried Heck

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Experimentierfeld Innenstadt: OB Frank Mentrup im Gespräch mit Experten. Foto: Winfried Heck

Die Erkenntnis, dass sich die Innenstädte mit Blick auf den stetig wachsenden Online-Handel neu orientieren müssen, ist nicht neu, wurde durch die Covid-19-Pandemie aber nochmals verstärkt. „Allein wegen der Einkaufsmöglichkeiten fährt niemand mehr nach Karlsruhe“, stellt Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) ganz nüchtern fest. Doch statt über schwindende Kundenströme zu klagen, will Karlsruhe seine Stärken herausarbeiten und die Innenstadt mit höherer Aufenthaltsqualität versehen.

International anerkannte Planungsbüros


Drei international anerkannte Planungsbüros sollen dabei helfen, das „neue Gesicht der Stadt“ nach Ende der Baustellenzeit unverwechselbar zu machen.

Schon seit Jahrzehnten beschäftigt sich der dänische Architekt und Stadtplaner Jan Gehl (Kopenhagen) mit der Idee, Städte menschenfreundlicher zu gestalten. Weltweit entstanden auf diese Weise „Begegnungszonen“, aus denen der Autoverkehr stark zurückgedrängt wurde und in denen nun Fußgänger und Radverkehr dominieren. Über Gehls Wirken in New York City, Melbourne, Dhaka und anderen Metropolen der Welt gibt es sogar einen Dokumentarfilm („The Human Scale“). Dass dieses Büro in den nächsten anderthalb Jahren federführend die Transformation der Karlsruher Innenstadt begleiten wird, freut Mentrup deshalb ganz besonders. Mit dabei sind hochkarätige Partner wie das auf Verkehrsplanung spezialisierte Büro Argus (Hamburg) und das Institut für Stadtplanung und Sozialforschung, Weeber + Partner (Stuttgart/Berlin).

Mentrup: Zeit ist reif für mutigen Wandel, für neue Ideen und Experimente

Die Zeit sei reif für einen mutigen Wandel, für neue Ideen und Experimente, sagt Mentrup und sieht sich durch stark veränderte Machtverhältnisse im Gemeinderat, wo die Grünen die CDU als stärkste Fraktion ablösten, bestärkt. Eine ganz besondere Rolle sollen in der Stadt die verschiedenen Plätze spielen, die man jeweils mit eigenen Qualitätsmerkmalen versehen will. Plätze werden nicht mehr als in Stein gebaute Infrastruktur gesehen, sondern sie sollen das Lebensgefühl der Nutzer widerspiegeln. Aus einer Befragung von Studierenden weiß man, dass diese sich auf dem Marktplatz eine Art „Speakers Corner“ wünschen, wo studentische Arbeiten öffentlich präsentiert werden könnten. Die Via Triumphalis (vom Schloss in Richtung Hauptbahnhof) gilt als zentrale Achse, auf der man sich gerne treffe und verabrede. Für kulturelle und andere Veranstaltungen sei dies ein idealer Ort. Schon jetzt, so Mentrup, sei die Karlsruher Innenstadt einzigartig. In keiner anderen Stadt seien so viele Attraktionen auf so engem Raum versammelt: Einkauf, Wohnen, der Zoo, das Schloss, Schlossgarten, Grünanlagen, kulturelle Einrichtungen, Hochschulen und selbst das Fußballstadion seien fußläufig erreichbar. Diese Komplexität ist andererseits aber auch eine Herausforderung, denn im städtischen Leitprojekt „Öffentlicher Raum und Mobilität der Innenstadt“ müssen die verschiedenen Nutzungsaspekte unter einen Hut gebracht werden.

Nach Ende der Arbeiten an der Kombilösung soll es losgehen, wobei Mentrup aber auch schon „unterwegs“ den einen oder anderen Testballon als „Reallabor“ steigen lassen will. Spielerisch und experimentell sollen Ideen auf ihre Alltagstauglichkeit hin geprüft werden. So wie aktuell die Pop-up-Radwege, die kurzfristig auf und wieder abgebaut wurden, oder die Palmenkübel, die auf der vorübergehend stillgelegten Schienentrasse in der Karlstraße bei der Postgalerie aufgestellt wurden. Solche Aktionen sorgen für Aufmerksamkeit und Diskussionen in der Bürgerschaft, und genau das ist auch erwünscht. „Je mehr Leute sich mit einem Thema beschäftigen, desto mehr Ideen werden entwickelt, desto mehr Feedback bekommen wir.“


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