Karlsruher Kult-Skulptur wird schonend restauriert

Kuppenheim/Karlsruhe (mak) – Der Kuppenheimer Steinmetzbetrieb Bernhard Binder hat im November 2019 den Nackten Mann beim Wildparkstadion abgebaut. Nun wird er behutsam auf Vordermann gebracht.

Lässt den Heißdampf ungerührt über sich ergehen: Der Nackte Mann erfährt eine Grundreinigung. Foto: Markus Koch

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Lässt den Heißdampf ungerührt über sich ergehen: Der Nackte Mann erfährt eine Grundreinigung. Foto: Markus Koch

Die Betonskulptur ist fast rundum in Frischhaltefolie eingewickelt und wartet in der Herbstsonne darauf, von mehreren Schichten Farbe und Graffiti befreit zu werden. Die rund drei Meter hohe Betonskulptur war sechs Jahrzehnte lang „der“ Treffpunkt für KSC-Fans vor den Spielen am Wildparkstadion. Zum Auftakt der Abbrucharbeiten des Stadions wurde er im November 2019 vom Sockel geholt. Der Kuppenheimer Steinmetzmeister Bernhard Binder hat sich den Auftrag zur Restaurierung der denkmalgeschützten Betonskulptur gesichert. Zunächst dokumentierte er das Schadensbild, das vorwiegend aus Haarrissen bestand. Am rechten Fußgelenk stellte er eine etwas größere Rostsprengung fest. Binder stuft den Zustand des Nackten Manns als „mittelmäßig bis schlecht“ ein. „Die Hauptarmierungsstange muss mehrere Zentimeter dick sein. Wenn Feuchtigkeit durch feine Risse im Beton eindringt und der Stahl rostet, vergrößert er sein Volumen, was zu Spannungen und schließlich auch zu Sprengungen des Materials führen kann“, erläutert Steinmetz- und Steinbildhauermeister Gabriel Leichsenring. In einem nächsten Schritt wurde das Denkmalamt darüber informiert, mit welcher Vorgehensweise die einzelnen Beschädigungen beseitigt werden sollen.

Hartnäckige Graffiti-Rückstände

Nachdem von der Behörde „grünes Licht“ kam, wurde im Frühjahr damit begonnen, die ersten Farbschichten behutsam abzutragen – mit heißem Wasserdampf. Die Graffiti-Rückstände erwiesen sich allerdings als sehr hartnäckig. Deshalb wurde die Betonskulptur nun mit einem Spezialgel zum Entlackieren eingeschmiert und einen Tag lang in handelsübliche Frischhaltefolie gewickelt, damit das Gel in Ruhe einwirken konnte. Nun liegt der rund zweieinhalb Tonnen schwere Nackte Mann aufgebockt im Hof. Leichsenring zieht die Folie vom Oberkörper ab und schaltet das Heißdampfgerät ein. Der bis zu 100 Grad Celsius heiße Strahl nimmt mühelos die Farbschicht weg, Restaurator und Skulptur sind zeitweise in eine dichte Dampfwolke eingehüllt. „Der Rost am Fußgelenk wird mit einem Sandstrahlgerät entfernt, dann wird die Schadstelle mit Beton remodelliert“, erklärt Leichsenring. Die feinen Haarrisse, die sich auf der gesamten Skulptur befinden, werden mit Kunstharz abgedichtet. Etwa eine Woche werden diese Arbeiten in Anspruch nehmen. Abschließend ist eine Malerfirma an der Reihe, die sich auf Denkmalpflege spezialisiert hat. Die Skulptur soll abschließend einen Anstrich in gebrochenem Weiß erhalten und dann wieder in altem Glanz erstrahlen. Der neue Standort des Nackten Mannes soll auf der Ostseite des BBBank Wildparkstadions sein. Voraussichtlich im nächsten Jahr wird sie dort bestimmt wieder ein Treffpunkt für die Fans des Karlsruher SC sein. Die Betonfigur in Form eines Leichtathleten wurde um 1958 vom Bildhauer Emil Sutor geschaffen und anschließend dem Karlsruher SC geschenkt. Konzipiert wurde sie damals für die Leichtathletik-Veranstaltungen in den 1950-er Jahren. Modell für den Nackten Mann standen einst der damals 27-jährige Sportstudent und spätere Leiter des Sportinstituts der Uni Karlsruhe, Georg Kenntner, sowie sein Kommilitone Hans Weber.

Der Rost hat zu einer Abplatzung am Fuß geführt. Foto: Markus Koch

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Der Rost hat zu einer Abplatzung am Fuß geführt. Foto: Markus Koch

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Erstellt:
13. Oktober 2021, 19:00 Uhr
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