Karlsruher Musikhochschule feiert den 50., ist aber viel älter

Karlsruhe (sr) – Die ersten Vorläufer sind schon aus dem Jahr 1812 bekannt, aber eine Staatliche Hochschule für Musik gibt es in Karlsruhe erst seit 1971. Das Festkonzert fällt Corona zum Opfer.

So eine prachtvolle Hochschule gibt es kaum anderswo: Das mehrfach zerstörte und wieder aufgebaute Schloss Gottesaue ist heute das Herzstück des klingenden Campus‘.  Foto: Uli Deck/dpa

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So eine prachtvolle Hochschule gibt es kaum anderswo: Das mehrfach zerstörte und wieder aufgebaute Schloss Gottesaue ist heute das Herzstück des klingenden Campus‘. Foto: Uli Deck/dpa

Noch ein Fest, das nicht stattfinden kann: In Karlsruhe hätte die Hochschule für Musik gerade allen Grund zu feiern – aber aus dem Festkonzert wird aus bekannten Gründen nichts. Vor genau 50 Jahren hat das Land Baden-Württemberg diese verdiente Einrichtung unter die staatlichen Fittiche genommen, seither heißt die einstige Badische Musikhochschule ganz offiziell „Staatliche Hochschule für Musik“ (HfM). Ihre Wurzeln liegen allerdings im frühen 19. Jahrhundert. Schon 1812 wurden erste Ausbildungsstätten für Musiker in Karlsruhe angesiedelt, seit 1910 gab es das Großherzogliche Konservatorium, seit 1929 die Badische Hochschule für Musik.

Der Rektor sitzt im Fuchsbau

Doch erst mit der Übernahme durch das Land kam der Boom: Die angehenden Musiker fanden sich immer mehr in einem Gebäude in der Karlsruher Oststadt zusammen, dessen Türmchen man auch von der Autobahn aus gut sehen kann: Das Schloss Gottesaue wurde zum Zentrum der Musikausbildung, nachdem die Studierenden jahrzehntelang durch die halbe Stadt gondeln mussten, um die verschiedenen Unterrichtsstätten zu erreichen. Immer mehr zum Schlosskomplex gehörende Gebäude wurden seither renoviert und den Studierenden zur Verfügung gestellt, das Rektorat sitzt mittendrin im „Fuchsbau“. Zuletzt kamen 2012 das Wolfgang-Rihm-Forum – ein strahlend weißer Neubau als Multimedia-, Konzert- und Theaterkomplex (MUT) mit großer Konzertwiese davor – und 2020 die beiden frisch renovierten Kavaliershäuser.

Eines davon beherbergt jetzt ein Kleinod: die Horst-Günter-Bibliothek, die aus 3.000 Bänden zu Gesang und Gesangspädagogik besteht. Das Material stammt aus vier Jahrhunderten, ein prominenter Sänger hat es der Hochschule vermittelt: Starbariton Thomas Hampson. Er wird künftig Schirmherr der Horst-Günter-Bibliothek sein und vom kommenden Semester an eine Ehrenprofessur an der Karlsruher Hochschule innehaben.

Landeszentrum für Musikjournalismus und Musikinformatik

Was das Studium in Karlsruhe von den anderen baden-württembergischen Musikhochschulen – Mannheim, Stuttgart, Freiburg, Trossingen – etwas abhebt, sind relativ neue, die digitale Zukunft fokussierende Studiengänge wie Musikinformatik oder die multimedial ausgerichtete Ausbildung von Musikjournalisten. 2015 wurden diese beiden Studiengänge im Rahmen der Exzellenzinitiative Baden-Württemberg vom Ministerium für Wissenschaft und Kunst zum „Landeszentrum für Musikjournalismus und Musikinformatik“ ausgebaut.

Ein besonderer Schwerpunkt der Ausbildung liegt auf dem Institut für Musiktheater, dem im MUT für seine viel beachteten Aufführungen eine technisch herausragend ausgestattete Bühne mit einem Zuschauerraum für 450 Gäste zur Verfügung steht. Allerdings dürfen die jungen Opernsänger hier derzeit keine Praxiserfahrungen sammeln.

Rund 620 Studierende sind in diesem Semester an der Hochschule angemeldet. Sie verteilen sich auf die Schwerpunkte Musikpädagogik, Musikwissenschaft, Gesang, oder sie streben eine Musikerkarriere an und vervollkommnen ihre Kunst an einem Instrument.

„Karlsruher Reden“ zum Nachlesen

Noch bis Oktober 2021 leitet der Pianist und Liedbegleiter Hartmut Höll die Hochschule als Rektor, vor ihm waren der 2019 verstorbene Klarinettist Wolfgang Meyer und die Pianistin Fany Solter bedeutende Wegweiser für die Hochschule. Höll hat die schöne Tradition der „Karlsruher Rede“ begründet, die prominente Künstler, aber auch Politiker oder Wissenschaftler jeweils zum Beginn des Sommersemesters in Karlsruhe halten. Diese Reden kann man jetzt in zwei Bänden nachlesen, zuletzt sprach Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble im April 2020 über den „Klang der Politik.“

Eine Box mit drei CDs versammelt anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Staatlichen Hochschule Werke des frühen prägenden Direktors und Komponisten Eugen Werner Velte mit denen von Wolfgang Rihm – aktuell einem der prominentesten Lehrer an der Karlsruher Hochschule – , außerdem Jörg Widmann, Markus Hechtle, Marton Illés oder Rebecca Saunders. Dieser Komponistin ist auch das diesjährige Zeitgenuss-Festival im Herbst gewidmet.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sabine Rahner

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Erstellt:
18. März 2021, 08:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 46sec

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