Karlsruher SC: Aufstiegsträume geplatzt

Karlsruhe (ket) – Nach vier sieglosen Spielen in Serie muss der KSC seine vagen Aufstiegschancen in Liga zwei begraben. Coach Eichner behält die Ruhe, die Spieler zeigen sich selbstkritisch.

„Wir wissen, dass wir nächste Woche eine sehr intensive Trainingswoche vor uns haben, um all das hier aufzuarbeiten“: KSC-Kapitän Jerôme Gondorf (am Ball). Foto: Helge Prang/GES

© GES/Helge Prang

„Wir wissen, dass wir nächste Woche eine sehr intensive Trainingswoche vor uns haben, um all das hier aufzuarbeiten“: KSC-Kapitän Jerôme Gondorf (am Ball). Foto: Helge Prang/GES

Manchmal ist es als Trainer ganz einfach, die richtigen Worte zu finden, bei Christian Eichner war das am Samstag gerade der Fall. Mit 0:1 hatte der Karlsruher SC gegen den VfL Osnabrück, den Tabellen-15. der 2 Liga, verloren, dabei die schlechteste Leistung seit langem abgeliefert, manche Beobachter behaupteten hernach sogar, es sei die schlechteste gewesen seit Eichner Trainer dieser Mannschaft ist.

Der 38-Jährige hätte also allen Grund gehabt zu toben und zu wüten oder sogar beides zusammen zu tun, aber das ist einfach nicht seine Art. Stattdessen blieb Eichner einfach Eichner, also ruhig und überlegt, zumindest äußerlich – und er sprach auch wie Eichner. „Wenn beim KSC nicht alle Spieler Normalform haben, haben wir es in dieser Liga nach wie vor sehr, sehr schwer, Punkte zu holen“, sagte er.

Eichner: „Nicht vergessen, wo der KSC herkommt“

Das ist nach wie vor die Wahrheit, Tabellenplatz sechs hin oder her. Und es ist längst eine Art Mantra des KSC-Trainers. Immer wieder hat er diesen Satz gesagt, nach Siegen wie nach Niederlagen, oft verbunden mit der Aufforderung, man dürfe nicht vergessen, wo man, also der KSC, herkomme. Am Samstag freilich hat er einen anderen Zusatz gewählt. „Den KSC unterscheidet von den Mannschaften da unten nicht so viel, die sind alle Plus/Minus auf Augenhöhe“, fügte Eichner diesmal an.

Auch das ist die Wahrheit. Die Niederlage gegen Osnabrück ist ebenso Beleg dafür wie jene gegen den damaligen Tabellen-14. Nürnberg sechs Wochen davor. Nur, auch wenn Eichner das so noch nicht gesagt hat: Den KSC unterscheidet von den Mannschaften weiter oben auch nicht sooo sonderlich viel. Die Siege gegen Bochum, Hannover, Kiel und Fürth sind wiederum dafür Beweis.

So ist dieses 0:1 gegen Osnabrück zwar bitter, schon weil es die ebenso vage wie verrückte Hoffnung, vielleicht sogar um den Aufstieg mitspielen zu können, endgültig zunichte gemacht hat. Viel mehr freilich ist nicht passiert. Ganz im Gegenteil: Am Ende und somit für die weitere Entwicklung dieser Mannschaft könnte es sich noch durchaus als gut und hilfreich erweisen, dass die Ansprüche nicht noch weiter ins Kraut schießen.

Schonungslose Selbstkritik

Positiv stimmt auf jeden Fall, dass die Spieler mit Selbstkritik am Samstag nicht gespart haben, recht schonungslos gingen sie dabei mit sich um. Selbst das Corona-Wirrwarr unter der Woche mit zwei positiven Fällen (Philip Heise und Alexander Groiß) wollten sie nicht als Ausrede oder gar Entschuldigung gelten lassen, obwohl es ein leichtes gewesen wäre. Denn dass nach vier freien Tagen und danach drei ausgefallenen Trainingseinheiten unter der Woche Kopf und Körper laut Trainingslehre nicht schon wieder gänzlich im Wettkampfmodus sein konnten, klingt fast schon logisch.

Eichner dürfte speziell diese Reaktion seiner Spieler gefallen haben. „So lange wir so ehrlich miteinander umgehen, so lange kann ich das auch sehr gut einschätzen“, hat er das formuliert. Selbsterkenntnis ist schließlich der erste Schritt zur Besserung – und verbessert haben sich die Badener in der Ära Eichner stets nach Enttäuschungen und Rückschlägen. Nicht zuletzt daran dürfte auch Jerôme Gondorf gedacht haben, als er bereits am Samstag sagte: „Wir wissen, dass wir nächste Woche eine sehr intensive Trainingswoche vor uns haben, um all das hier aufzuarbeiten.“ Spätestens im Spiel bei Fortuna Düsseldorf nächsten Samstag wird man sehen, was es gebracht hat.

Ihr Autor

BT-Redakteur Frank Ketterer

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Erstellt:
6. April 2021, 15:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 43sec

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