Karlsruher SC beendet Sieglosserie

Karlsruhe (rap) – Zweitligist Karlsruher SC hat den Aufstiegsanwärter Kiel mit 3:2 bezwungen und erstmals seit neun Spielen wieder gewonnen. Malik Batmaz und Doppelpacker Hofmann trafen für den KSC.

Nicht zu stoppen: KSC-Torjäger Philipp Hofmann (rechts) setzt sich im Zweikampf durch und trifft zum 2:1. Foto: Uli Deck/dpa

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Nicht zu stoppen: KSC-Torjäger Philipp Hofmann (rechts) setzt sich im Zweikampf durch und trifft zum 2:1. Foto: Uli Deck/dpa

Christian Eichner tigerte in der siebenminütigen Nachspielzeit in seiner Coaching Zone hin und her, brüllte lautstark Anweisungen aufs Feld und köpfte in Gedanken den Ball mit aus der Gefahrenzone. Als schließlich der Schlusspfiff ertönte und der hart umkämpfte 3:2-Heimsieg gegen den Aufstiegsaspiranten Holstein Kiel unter Dach und Fach war, nahm der 38-Jährige das Ende der neun Spiele umfassenden Sieglosserie überraschend emotionslos entgegen. Vielleicht auch aus Respekt seinem Trainerkollegen Ole Werner und der gegnerischen Mannschaft gegenüber. Denn die Nordlichter verpassten am Sonntagmittag durch die Niederlage den vorzeitigen Aufstieg ins Fußball-Oberhaus.

„Prima, dass ich mal wieder doppelt treffen konnte“, sagte Philipp Hofmann, der in Minute 60 die 2:1-Führung besorgte und später das 3:1 folgen ließ. „Riesen Respekt nach dieser ersten Halbzeit und den vergangenen Wochen an die Jungs“, fügte der Stürmer an.

Schwache Anfangsphase

Dass der KSC im engen Aufstiegskampf eine Verantwortung gegenüber der gesamten Liga habe, wie Eichner am Freitag bei der Pressekonferenz erklärt hatte, zeigte sich bereits an der Startformation der Hausherren. Der 38-Jährige verzichtete auf Wechsel und vertraute derselben Mannschaft wie beim 2:2 gegen den Rangdritten Greuther Fürth. Damit gab erneut Marco Thiede den rechten Flügelstürmer, in der Innenverteidigung erhielt Kevin Wimmer den Vorzug vor Robin Bormuth.

Wer jedoch ein großes Offensivspektakel erwartete, wurde zunächst enttäuscht. Beide Teams versuchten zwar, spielerisch in die Gefahrenzone zu kommen, doch die Defensivreihen standen kompakt, ließen nicht einen Funken Torgefahr zu. So dauerte es 22 Minuten bis zur ersten – nun ja – halbwegs gelungenen Angriffsaktion: Über die linke Flanke kombinierte sich der KSC nach vorne, Batmaz fand im Sturmzentrum Hofmann, der auf Thiede klatschen ließ. Doch aus aussichtsreicher Position verzog er vollkommen.

Von den Nordlichtern, die ihre vier vergangenen Spiele allesamt gewannen, kam überraschend wenig. Das Mammutprogramm der Kieler nach doppelter Corona-Quarantäne hinterließ anscheinend körperliche Spuren, wirklich frisch wirkten die Störche nicht. Erst in Minute 35 musste tatsächlich mal ein Torhüter ins Geschehen eingreifen, wenngleich Kiels Thomas Dähne den Hofmann-Schuss aus 18 Metern auch locker mit dem Fuß hätte stoppen können.

Besondere Eckballvariante bringt KSC-Führung

Das blieb in Minute 41 seinem Gegenüber Marius Gersbeck weiterhin versagt, trotzdem hielt er den Ball in seinen Händen – nämlich als er ihn aus den Maschen holen musste. Zuvor spazierte Holstein-Angreifer Serra gemütlich Richtung KSC-Strafraum, drei Blaue gaben – wenn überhaupt – nur Begleitschutz, eher hielten sie den coronakonformen Abstand von 1,5 Metern ein. Mit so viel Platz traf der U-21-Nationalspieler ins kurze Eck zur Gästeführung – und stieß das Bundesliga-Tor zwischenzeitlich weit auf.

Batmaz jedoch sorgte sieben Minuten nach Wiederbeginn dafür, dass Selbiges wieder etwas zuging. Jerôme Gondorf hatte plötzlich extrem viel Freiraum, seine Flanke aus dem Halbfeld fand Batmaz, dessen Bewacher Simon Lorenz ins Straucheln kam – und so den Ausgleich aus wenigen Metern nicht mehr verhindern konnte.

Kiel wirkte nun tatsächlich etwas geschockt, der KSC wurde agiler und drehte nach 60 Minuten die Partie – durch eine besondere Eckballvariante: Alle KSC-Spieler versammelten sich an der rechten Strafraumlinie, sprinteten dann hinein und stifteten Verwirrung – mit Erfolg: Marvin Wanitzek zirkelte den Ball auf Hofmanns Kopf, von dort klatschte das runde Leder an den Innenpfosten und schließlich ins Tor.

Dramatik in der Nachspielzeit

Nun waren die Gäste gefordert, erhöhten die Schlagzahl, doch die KSC-Abwehr rund um den emsigen und lauffreudigen Tim Breithaupt im defensiven Mittelfeld hielt tapfer dagegen – und konterte sich zum 3:1. Thiede eroberte den Ball gegen Fin Bartels und schickte Batmaz auf Reisen, der Hofmann in Szene setzte, dessen satter Schuss ins lange Eck für Dähne unerreichbar war.

Doch Philip Heise holte die Kieler zurück ins Spiel. Der Linksverteidiger rutschte im eigenen Strafraum aus und brachte anschließend Finn Porath zu Fall – Alexander Mühling schickte Gersbeck ins andere Eck und verkürzte zum 3:2 (84.). Dramatisch wurde es schließlich in der Nachspielzeit. Im KSC-Strafraum herrschte Tohuwabohu, der Ball kam auf Umwege zu Benjamin Girth, der aus kurzer Distanz den vermeintlichen 3:3-Ausgleich erzielte – doch Teamkollege Joshua Mees stand beim Zuspiel Zentimeter im Abseits. Was folgte, waren bange Minuten – bis sich Christian Eichner freuen durfte. Zumindest innerlich.

Ihr Autor

BT-Redakteur Christian Rapp

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Erstellt:
16. Mai 2021, 22:15 Uhr
Lesedauer:
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