Karlsruher Schau zeigt eingewanderte Arten

Karlsruhe (BT) – Die „Neobiota“-Ausstellung im Karlsruher Naturkundemuseum zeigt ab Mittwoch den Wandel in unserer Pflanzen- und Tierwelt. Viele Einwanderer am Oberrhein werden darin dargestellt.

Highlight der heimischen Art: Der präparierte Damhirsch hat ebenfalls seinen Platz in der Karlsruher „Neobiota“-Ausstellung gefunden.  Foto: Uli Deck/dpa

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Highlight der heimischen Art: Der präparierte Damhirsch hat ebenfalls seinen Platz in der Karlsruher „Neobiota“-Ausstellung gefunden. Foto: Uli Deck/dpa

Walnüsse, Kartoffeln, Mandeln, Dinkel, Gerste, Erbsen und Linsen – alles „Neubürger“ in Deutschland, ebenso wie die Katze und der Wein: Nichts davon ist in Mitteleuropa heimisch. Dass die Kartoffel aus Amerika stammt, ist bekannt. Aber dass viele andere Gewächse und sogar Tiere auch irgendwann aus der Fremde importiert wurden, weniger. Die Katze zum Beispiel haben die Römer aus Ägypten mitgebracht und dann auch nach Germanien, und natürlich den Wein: Sie wollten ja ihren Lebensstil auch im Ausland weiterführen.

„Neobiota – Natur im Wandel“ heißt die spannende und vielfältige Landesausstellung, die das Naturkundemuseum ab Mittwoch zeigt. „Neobiota“ werden wissenschaftliche Organismen genannt, die nach 1492 in Europa angekommen sind und hier heimisch wurden. Der Klimawandel, die stärkere Globalisierung sind zwei der möglichen Einflüsse. Dass sich die Natur ständig wandelt und oft, wenn auch nicht immer der Mensch seinen Anteil daran hat, merken wir im Moment gerade sehr deutlich: Durch die steigenden Temperaturen sind einige Bäume wie die Esche in Gefahr auszusterben. Andere Baumarten dagegen fühlen sich bei höheren Temperaturen wohl, zudem kann es auch sein, dass sich junge Bäume, die bei größerer Hitze und Trockenheit aufwachsen, anpassen.

Aber Wandel gab es auch früher schon: Vor 12.000 Jahren gingen die Gletscher zurück, Mammuts wanderten über die hiesige Tundra, die Tier- und Pflanzenwelt am Oberrhein war deutlich anders. Dann wurde es wärmer, das Land wurde waldig, Ulme, Eiche, Linde und Esche verdrängten Birken und Kiefern. Ab 7.500 v. Chr. kamen die ersten Menschen aus dem Nahen Osten und begannen mit Ackerbau und Viehzucht, sie brauchten Feuer- und Bauholz und drängten den Wald zurück. Der zweite Schub der Veränderung kam durch die Römer, jetzt erleben wir den dritten. Sehr anschaulich zeigt das Landesmuseum in vier Vitrinen, wie sich eine Landschaft durch die Jahrtausende verändern kann. Vieles in der Ausstellung bezieht sich sogar direkt auf die Oberrheingegend, weil hier durch das immer schon mildere Klima und die vielen Verkehrswege viele Arten sich auch ansiedeln und entdeckt werden.

Bananenspinnen auf dem Karlsruher Großmarkt

Vor allem gibt es viele verblüffende Fakten, die oft auf spielerisch präzise Weise präsentiert werden. So gibt es einen Bildschirm, auf dem man ein römisches Mahl zusammenstellen kann, indem man verschiedene Lebensmittel in einen Kochtopf „zieht“, zur Auswahl stehen auch Tomaten und Mais. Bei einem Ratespiel wird bei Luchs, Mohn, Goldrute, Mandarinente und Reh gefragt, ob sie hier heimisch sind. Man erfährt, dass das Reh bei der letzten Vereisung in den Mittelmeerraum verdrängt wurde und sehr zögerlich zurückkehrte. Dass die Kornblume als blinder Passagier aus dem östlichen Mittelmeergebiet mitgekommen ist, und Mäuse und Schaben vom Menschen, seinen Vorräten und Abfällen profitieren und ihm deswegen überallhin folgen. Manche wie die Buchstaben-Schmuckschildkröte wurden von ihren Käufern und Haltern ausgesetzt – und haben sich dann vermehrt.

Mit vielen ausgestopften Tieren ist die Ausstellung auch sehr anschaulich. Wann kann man schon einen Luchs so nah sehen? Ein riesiges Tier, neben dem der Wolf fast niedlich erscheint. Anderes wie die Tigermücke, die sich jetzt auch bei uns ausbreitet, ist als vergrößertes Modell in 60 Zentimetern Länge zu sehen. Man erfährt, wo die eingewanderten Arten herkommen, wie sie die Grenzen überwunden haben, und auch, ob sie für unsere Umwelt gefährlich sein können. Invasiv ist zum Beispiel der Kalikokrebs, der alles frisst, auch seine Artgenossen, kleine Gewässer in trübe Tümpel verwandelt und auch über Land wandern kann.

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Karlsruher Schau zeigt eingewanderte Arten
Ihr Vorkommen am Oberrhein wird überwacht: Ein übergroßes Modell der asiatischen Tigermücke. Foto: Uli Deck/dpa

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Die Ausstellung·“Neobiota“ ist bis zum 11. September 2022 zu sehen. Foto: Uli Deck/dpa

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Karlsruher Schau zeigt eingewanderte Arten
Nilgänse zählen zu den bekannten eingewanderten Arten. In der Ausstellung ist eine präparierte Gans zu sehen. Foto: Uli Deck/dpa

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Karlsruher Schau zeigt eingewanderte Arten
Ganz nah dran: Der präparierte Waschbär kann aus der Nähe betrachtet werden. Foto: Uli Deck/dpa

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Karlsruher Schau zeigt eingewanderte Arten
Die Ausstellung behandelt verschiedene Aspekte des Wandels in der Natur. Foto: Uli Deck/dpa

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Nicht immer gibt die Ausstellung Antworten: Wie die Zukunft aussehen wird, weiß sie nicht. Auch die Diskussion um die Rückkehr des Wolfs wird aus unterschiedlichen Blickwinkeln präsentiert: von Jägern, Schäfern wie von Tierschützern. Dass nicht alle illegalen Einwanderer schädlich sind, zeigt sich beispielsweise an den Bananenspinnen, die häufiger auf dem Karlsruher Großmarkt entdeckt werden, aber sich hier nicht vermehren, oder an vielen anderen Arten, die eine größere Vielfalt in die heimische Natur bringen. Die sehr sehenswerte Ausstellung gibt auf jeden Fall präzises Hintergrundwissen und viele Denkanstöße. Zu sehen bis 11. September 2022.

Ihr Autor

Georg Patzer

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Erstellt:
16. November 2021, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 06sec

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Ihr Vorkommen am Oberrhein wird überwacht: Ein übergroßes Modell der asiatischen Tigermücke. Foto: Uli Deck/dpa

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Die Ausstellung·“Neobiota“ ist bis zum 11. September 2022 zu sehen. Foto: Uli Deck/dpa

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Ganz nah dran: Der präparierte Waschbär kann aus der Nähe betrachtet werden. Foto: Uli Deck/dpa

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