Karlsruher Unternehmerin erhält eine eigene Barbie

Karlsruhe (BNN) – Eine eigene Barbie-Puppe zu bekommen – das ist extrem selten. Die Digitalpionierin Tijen Onaran hat eine und steht damit als Rollenvorbild für die Frauen von morgen.

Eigentlich kein klassisches Barbie-Girl: Trotzdem hat die Unternehmerin Tijen Onaran aus Karlsruhe jetzt eine der berühmten Puppen nach ihrem Vorbild bekommen. Foto: Tanja Mori Monteiro

Eigentlich kein klassisches Barbie-Girl: Trotzdem hat die Unternehmerin Tijen Onaran aus Karlsruhe jetzt eine der berühmten Puppen nach ihrem Vorbild bekommen. Foto: Tanja Mori Monteiro

Wenn kleine Mädchen sie fragen, was sie beruflich macht, könnte es Tijen Onaran kompliziert machen. Worte wie Diversität und Digitalisierung würden fallen, um zu erklären, warum es in vielen Unternehmen immer noch so wenige weibliche Chefs und in bestimmten Berufen immer noch kaum Frauen gibt.

Die selbstständige Unternehmerin und Gründerin der Firma „Global Digital Women“ könnte es sich aber auch einfach machen und sagen: „Ich setze mich dafür ein, dass Mädchen und Frauen genau das machen können, was sie wollen.“ So wie die Barbie – „Du kannst alles sein.“

Seit ein paar Jahren ist genau das auch der Werbeslogan, mit dem der amerikanische Spielzeugriese Mattel seine auf der ganzen Welt bekannte Barbie-Puppe bewirbt. Kein Zufall also, dass das amerikanische Unternehmen auf die aus Karlsruhe stammende und heute in Berlin lebende Unternehmerin aufmerksam wurde und sie zum diesjährigen Weltfrauentag mit einer eigenen Barbie-Puppe ehrt.

Ehrung zum Weltfrauentag

Rechtzeitig zum 8. März ist sie fertig geworden und im Karlsruher Zentrum für Kunst- und Medientechnologie (ZKM) darf Tijen Onaran ihre Barbie zum ersten Mal in die Hand nehmen. Das Mini-me aus Plastik trägt genau wie sie einen roten Hosenanzug und blaue Highheels. Die Nägel sind bunt lackiert und die Spitzen der dunkelbraunen Haarpracht blond gefärbt. „Sie sieht mir schon sehr ähnlich“, sagt das Vorbild zufrieden und dreht die Plastik-Puppe lächelnd hin und her.

Wie ihr wird die Ehre einer eigenen Barbie in diesem Jahr noch elf weiteren Frauen zuteil. Darunter die US-amerikanische Drehbuchautorin Shonda Rhimes (Grey’s Anantomy) oder die britische Make-up-Künstlerin Pat McGrath. Alle gehören zur Kollektion der „Barbie Role Models“, die jedes Jahr erweitert wird. Zu den wenigen deutschen Preisträgerinnen gehörte 2009 auch schon Angela Merkel.

„Wir wissen, dass Kinder sich von der Welt inspirieren lassen, die sie um sich herum erleben. Deshalb ist es für junge Mädchen so wichtig, sich in weiblichen Vorbildern wiederzufinden, die sich Hindernissen gestellt und sie überwunden haben“, sagt Anne Polsak, die bei Mattel Deutschland die Unternehmenskommunikation leitet. Für sie gehöre Tijen Onaran auch zu diesen Frauen. Als digitale Pionierin behaupte sie sich in einer noch immer von Männern dominierten Welt.

Pretty in Pink und busy in MINT – das passt

Die Neu-Barbie Tijen Onaran freut sich über die Ehrung. Zumal sie als kleines Mädchen auch eine solche Puppe hatte. „Haare frisieren, schöne Kleider anziehen – das habe ich total gern gemacht“, sagt sie. Die erste Barbie hatte sie damals von ihrer Mama geschenkt bekommen.

Obwohl die Plastikfrau von manchen Eltern nicht gerade als genderneutrales Lernspielzeug geschätzt wird, hat es der Emanzipation des türkischstämmigen Mädchens nicht geschadet. Im Gegenteil: Die erfolgreiche Unternehmerin, Buch-Autorin und gefragte Moderatorin gehört laut dem „Handelsblatt“ aktuell zu den wichtigsten Frauen der deutschen Wirtschaft.

Pretty in Pink und busy in MINT – für Tijen Onaran selbst war das ohnehin nie ein Widerspruch. Dass Frauen, die in den naturwissenschaftlich-technischen (dafür steht die Abkürzung MINT) Berufen reüssieren wollen, ihre Weiblichkeit an der Garderobe abgeben müssen, hat sie nie eingesehen. „Ich kann Pink tragen und trotzdem Feministin sein“, erklärt sie in Interviews, Talkshows und ihrem eigenen Podcast immer wieder.

Die Erfinderin der Barbie, Ruth Handler, würde das wohl voll und ganz unterschreiben. Für sie orientierte sich die Puppe schon immer an aktuellen Modetrends – aber auch am Zeitgeist. Strandleben mit Ken im 90-60-90-Maß – das war einmal. Längst rettet Barbie als Ärztin Leben, repariert als Astronautin ihr Spaceshuttle selbst oder stöckelt als studierte Robotik-Ingenieruin in hohen Schuhen und engem Bleistiftrock in die Vorstandsetage eines IT-Unternehmens.

Botschafterinnen für das Thema Diversität

Zudem gibt es schwarze Barbies, dicke Barbies und Barbies mit Handicap. „Barbie steht für Diversität. Genau wie ich“, sagt Tijen Onaran. Deshalb passe diese kleine Puppe auch so perfekt zu ihrem eigenen Credo: Dass Systeme wie Parlamente oder Unternehmen nämlich viel besser funktionieren, wenn sie ein Abbild der Gesellschaft sind.

Ein Barbie Role Model – ein Rollenvorbild zu sein – ist für Tijen Onaran auch viel mehr Würde als Bürde. „Ich finde es toll, ein Vorbild zu sein. Ich möchte jungen Mädchen zeigen: Egal, woher du kommst, welche Hautfarbe du hast oder aus welchem Elternhaus du stammst, du kannst deinen Weg gehen“, sagt sie. Frauen, die als Führungskräfte, Unternehmerinnen oder Gründerinnen an der Spitze stehen, ebneten anderen den Weg.

Barbie bekommt einen Ehrenplatz

Zu Hause in Berlin wird die Tijen-Barbie, die es nur ein Mal gibt, einen Ehrenplatz bekommen. „Ich werde sie so aufstellen, dass ich sie immer sehen kann“, sagt Onaran. Am Schreibtisch, bei der Schreibarbeit oder bei Online-Meetings werde sie die echte Onaran so immer wieder neu motivieren. „Sie erinnert mich an den oft steinigen Weg, den ich zurückgelegt habe und dabei zeigt sie mir, dass es sich lohnt weiterzumachen und zu kämpfen.“

Und wenn Sie die Auszeichnung nun weitergeben müsste: Welche Frau würde sie ehren? „Mein persönliches Vorbild ist ganz klar meine Mama, die immer wie eine Löwin gekämpft hat“, sagt Onaran. Als Role Model Barbie könnte sie sich aber gut die Biontech-Mitgründerin Özlem Türeci vorstellen.

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Ihr Autor

BNN-Redakteurin Sibylle Kranich

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Erstellt:
3. März 2022, 08:52 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 50sec

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