Karlsruher Zoo: Alle Wasservögel in Quarantäne

Karlsruhe (BNN) – Neben drei bestätigten Vogelgrippefällen gibt es im Karlsruher Stadtgarten weitere Verdachtsfälle. Der Zoo ist deshalb seit Freitag für Besucher geschlossen.

Vorübergehend geschlossen: Wegen des Ausbruchs der Geflügelpest dürfen Besucher den Zoologischen Stadtgarten in Karlsruhe derzeit nicht betreten. Foto: Joerg Donecker/jodo-foto

© jodo-foto Karlsruhe

Vorübergehend geschlossen: Wegen des Ausbruchs der Geflügelpest dürfen Besucher den Zoologischen Stadtgarten in Karlsruhe derzeit nicht betreten. Foto: Joerg Donecker/jodo-foto

Der Platz vor dem Haupteingang des Karlsruher Zoos am Hauptbahnhof ist wie leergefegt. Nur vereinzelt schlendern Menschen den Zaun entlang und schauen in den nahezu verwaisten Zoo. Eine Mitarbeiterin bereitet ein Beet für den Frühling vor. Besucher gibt es keine. Dann kommt Adelheid Gindner. „Ich sage in der Mittagspause meinen Tieren immer hallo“, erzählt sie. Doch die Rollläden des Kassenhäuschens sind heruntergelassen. Auf einem Zettel der Hinweis: „Wegen Ausbruch der Vogelgrippe geschlossen“.

Rhoda Patrick berichtet, dass die Vogelgrippe in ihrem Heimatland ganz besonders wütet. „Schade, dass der Zoo zu ist. Aber in Großbritannien haben die Menschen sogar ihre Hühner ins Haus geholt. Das ist wie ein Lockdown.“

Vier Pelikane und eine Hawaiigans sind bereits verendet

Ein Pelikan und zwei Hawaiigänse sind an der hochpathogenen Form der Vogelgrippe verendet. Mittlerweile sind zwei weitere Pelikane und zwei Wildvögel, die sich auf dem Zoogelände aufgehalten haben, gestorben. Ob die Ursache für ihren Tod ebenfalls die Vogelgrippe ist, überprüft derzeit das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems bei Greifswald. Weitere Verdachtsfälle gibt es bis zum Redaktionsschluss am Freitagabend keine.

Flamingos stehen dicht an dicht

In einem Glashäuschen, das vom Haupteingang aus zu sehen ist, stehen die rosagefiederten Flamingos dicht gedrängt. Raus dürfen sie wegen der Vogelgrippe erst einmal nicht. „Die Armen sind ja richtig eingepfercht“, sagt Nino Karpf. Der junge Mann aus Heidelberg wartet gerade auf sein Corona-Testergebnis und schaut über den Zoo-Zaun. „Das macht den Flamingos nichts aus. Auch wenn sie raus können, stehen sie oft eng zusammen, um sich zu wärmen“, erklärt Zoosprecher Timo Deible.

Wasservögel sind besonders gefährdet

Die Vogelgrippe, auch Geflügelpest genannt, ist vor allem für die Wasservögel gefährlich. Im Karlsruher Zoo leben etwa 200 bis 300. „Die wirken erst völlig gesund und verenden dann innerhalb einer Stunde“, berichtet Deible. Die Mitarbeitenden haben nach den Todesfällen alle Wasservögel eingefangen. Jetzt sind sie in 25 Gruppen aufgeteilt und in Innenräumen über das Zoogelände hinweg verteilt untergebracht. „Die Wasservögel, aber auch andere Tiere wie etwa Hühner oder Pfauen sind jetzt in Quarantäne“, sagt Deible. Derzeit nehmen zwei Tierärzte Proben von allen Vögeln.

Mitarbeiter tragen Schutzanzüge

Um das Risiko einer Verbreitung der Vogelgrippe so gering wie möglich zu halten, kümmert sich nur ein Mitarbeiter um die gefährdeten Vögel. Die Gebäude betritt er nur mit einem weißen Schutzanzug, Überziehschuhen und Maske. Anschließend entsorgt er den Anzug. Für die nächste Gruppe gibt es neue Kleidung.

Wasser aus See wird abgepumpt

Auf dem Dach der Volieren im Freien liegt eine Plane. Fliegt etwa ein mit der Geflügelpest infizierter Graureiher über den Käfig und hinterlässt Kot, wird dieser von der Abdeckung abgefangen. Das ist laut Deible wichtig, da sich die Krankheit vor allem über Ausscheidungen erkrankter Tiere ausbreitet. Außerdem pumpt die Freiwillige Feuerwehr aus Neureut am Freitagnachmittag das Wasser aus dem Ludwigsee ab, um den Zoo für Wildvögel unattraktiver zu machen.

Nicht alle infizierten Vögel sterben

„Alle Vögel können sich mit der Geflügelpest infizieren“, sagt Deible. Aber es sterben nicht alle. „Außerdem gibt es auch Vogelarten, die nicht so anfällig sind wie etwa Papageien.“ Andere Tiere könnten nicht an der Vogelgrippe erkranken. „Menschen müssen sich übrigens keine Sorgen machen“, betont der Sprecher des Karlsruher Zoos.

Vor dem Haupteingang des Zoos stehen derweil Peggy Scheffler und ihr vier Jahre alter Sohn. Sie haben eine Jahreskarte und sind extra aus Sinsheim mit der Bahn nach Karlsruhe gefahren, um in den Zoo zu gehen. „Jetzt fahren wir einfach eine Runde mit der neuen Straßen- und U-Bahn. Das ist nun das Highlight“, sagt sie. Ihrem Sohn entlockt auch das Bahnfahren einen Begeisterungsschrei.

Wiedereröffnung steht noch nicht fest

Wann der Zoo wieder öffnen darf, entscheiden das Veterinäramt und das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Wer bereits Karten für einen Zoobesuch in den kommenden Tagen erworben hat, bekommt sein Geld zurück oder kann sein Ticket umbuchen lassen.

In eigener Sache

Das Badische Tagblatt und die Badischen Neuesten Nachrichten bündeln ihre journalistischen Kräfte und erweitern damit das umfangreiche Leseangebot in Mittelbaden. Noch arbeiten die beiden Redaktionen getrennt, tauschen jedoch schon gegenseitig Inhalte aus. Davon sollen vor allem die Leser profitieren – durch mehr Hintergründe, Reportagen und mehr Service. Deshalb werden auf badisches-tagblatt.de auch Artikel von BNN-Redaktionsmitgliedern veröffentlicht.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.