Kartellamt untersagt Übernahme von Baden-Badener Birco

Baden-Baden/Bonn (tas) – Das Bundeskartellamt hat die Übernahme des Baden-Badener Spezialisten für Entwässerungsrinnen, Birco, durch die Büdelsdorfer ACO-Gruppe gestoppt.

Verlegung eines Abwassersystems: Birco ist im Bereich Entwässerungsrinnen einer der führenden Hersteller in Deutschland. Foto: Birco

© Birco

Verlegung eines Abwassersystems: Birco ist im Bereich Entwässerungsrinnen einer der führenden Hersteller in Deutschland. Foto: Birco

Wenn die Nummer eins und die Nummer drei bei Entwässerungsrinnen sich zusammenschließen, ist das Ergebnis eine Nummer zu groß. Das zumindest hat das Bundeskartellamt entschieden und untersagte nun die Fusion der Büdelsdorfer ACO mit der Baden-Badener Birco.
Beide Unternehmen sind im Bereich Oberflächenentwässerung aktiv.

ACO zählt mit einem Umsatz von rund 900 Millionen Euro (Geschäftsjahr 2020) und 5.000 Mitarbeitern – rund 1.650 davon in Deutschland – bereits heute zum Primus der Branche, und hätte mit der Übernahme von Birco mit seinen etwa 160 Beschäftigten und Einnahmen in Höhe von 46,5 Millionen Euro (Jahr 2020) seine Position im Geschäft mit der Oberflächenentwässerung weiter ausgebaut.

„Mit der Untersagung der Fusion von ACO und Birco wenden wir eine marktbeherrschende Stellung im Bereich von Entwässerungsrinnen ab“, begründete Andreas Mundt, der Präsident des Bundeskartellamtes, am Freitag die Entscheidung seiner Behörde. „ACO ist bereits heute der führende Anbieter von Entwässerungsrinnen in Deutschland. Durch die Übernahme von Birco (...) würde das Unternehmen fast die Hälfte des Marktumsatzes auf sich vereinen. Für die Nachfrager, etwa beim privaten Hausbau, aber auch aus Gewerbe, Industrie und öffentlicher Hand, würde eine wichtige Ausweichalternative wegfallen.“

Was den Prüfern der Behörde sauer aufstößt, ist die große Bedeutung beider Unternehmen im Bereich der sogenannten Linienentwässerung. Hierbei werden Rinnen aus Kunststoff, Metall und Beton im Boden versenkt und aneinandergereiht, um Niederschläge auf versiegelten Flächen wie Parkplätzen oder Straßen zügig abzuleiten. Laut dem Kartellamt beträgt das Umsatzvolumen in diesem Bereich in Deutschland (Jahr 2020) fast 200 Millionen Euro.

ACO und Birco erreichten hier gemeinsame Marktanteile von 45 bis 50 Prozent und „würden damit eine marktbeherrschende Stellung einnehmen. Als zusammengeschlossene Einheit wären beide zusammen fast dreimal so groß wie die Nummer zwei des Marktes, Hauraton“, stellen die Aufseher fest. Hauraton hat seinen Sitz in Rastatt.

Noch nicht rechtskräftig

Laut Mundt hätten es deutlich kleinere Wettbewerber nach dem Zusammenschluss noch schwerer, bei Ausschreibungen berücksichtigt oder im Baustoffhandel auf Lager genommen zu werden. „Unser Einschreiten stellt sicher, dass die Anbieter auch künftig im Wettbewerb nicht nachlassen können, zum Beispiel bei Preisen und der Qualität.“

Frank Wagner, der geschäftsführende Gesellschafter von Birco, bedauert die Entscheidung des Kartellamts. „Es ändert aber nichts an der bedeutenden Marktstellung von Birco. Auch wenn ACO nicht der gewünschte strategische Partner wird, blicken wir nach einem erneut sehr erfolgreichen Geschäftsjahr 2021 auch weiterhin zuversichtlich in die Zukunft und bleiben der gewohnt zuverlässige Partner am Markt.“

Der Beschluss der Wettbewerbsaufsicht ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Ob Birco Beschwerde einreichen wird, müsse erst geprüft werden, sagte am Freitag eine Sprecherin des Unternehmens auf BT-Anfrage. „Es ist ein umfangreicher Beschluss, wir müssen uns die Begründung sehr genau ansehen.“ Auch ACO wolle „die Beschlussfassung in den kommenden Wochen sorgfältig prüfen und danach über das weitere Vorgehen entscheiden“, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Bei einem Einspruch müsste sich dann das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf mit dem Fall beschäftigen.

ACO und Birco hatten ihre Fusionspläne Anfang Juli vergangenen Jahres bekannt gegeben. Konkret wollten die Büdelsdorfer die Baden-Badener zu 100 Prozent übernehmen, damit wäre auch die Nachfolgefrage bei Birco geregelt gewesen. Gegenüber dem BT hatte Wagner damals gesagt: Ich bin jetzt 60 Jahre alt, und es gibt kein Familienmitglied, das das Unternehmen in die Zukunft führen kann.“ Somit sei klar gewesen, dass über kurz oder lang ein strategischer Partner installiert werden musste.

Ihr Autor

BT-Redakteur Tobias Symanski

Zum Artikel

Erstellt:
15. Januar 2022, 09:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 45sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.