Katastrophe für Einzelhandel in Baden-Baden

Baden-Baden (sga) – Die Einzelhändler-Inititative Baden-Baden sieht angesichts des Lockdowns rot für die Innenstadt. Selbst das Vorweihnachtsgeschäft fällt dieses Jahr eher mau aus.

Vor verschlossenen Türen stehen die Baden-Badener noch bis mindestens 10. Januar – und das nicht nur in den Kolonnaden. Foto: Monika Zeindler-Efler

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Vor verschlossenen Türen stehen die Baden-Badener noch bis mindestens 10. Januar – und das nicht nur in den Kolonnaden. Foto: Monika Zeindler-Efler

Zu sehen gibt es dieser Tage so einiges in der Innenstadt: Große Prozentzahlen zieren die Schaufenster, rote Plakate weisen auf Schnäppchen hin, „beim Kauf von zwei Produkten gibt es eines gratis dazu“. Doch auch die besten Angebote bringen nichts, wenn sie nicht genutzt werden können. Der Lockdown legt die Kurstadt weitestgehend lahm. Ist das der Todesstoß für den Baden-Badener Einzelhandel?

Bereits im Sommer verriet ein aufmerksamer Blick beim Spaziergang durch Kreuzstraße und Co.: Es sieht nicht gut aus. „Allem voran fehlt es an Nachwuchs“, lautete damals im BT-Gespräch die Antwort des Handelsverbands Südbaden, als nach dem Grund für leer stehende Geschäfte gefragt wurde. Franz Bernhard Wagener, Vorsitzender des Vereins Baden-Baden Innenstadt, sah im fehlenden Tourismus eines der Hauptprobleme. „Wie soll das in der aktuellen Situation alles funktionieren?“, stellte er bereits im August eine Frage, auf die es auch Monate danach keine Antwort gibt.

Im Gegenteil. „Das ist eine absolute Katastrophe“, sagt Wagener mit brüchiger Stimme im BT-Gespräch. Dass die aktuelle Situation auch ihn sehr trifft, ist nicht zu überhören: „Uns trifft der Schlag. Wo sollen wir denn mit unserer ganzen Ware hin?“ Vor allem im Modebereich gehe es um Produkte, die im Zeitverlauf schnell ihren Wert verlieren, „und was ist das dann alles schon noch nach ein paar Wochen oder Monaten wert?“ Die Konsequenz aus all dem: „Läden werden endgültig schließen müssen:“

„Vom Fass“ schließt

Bereits heute davon betroffen ist Michaela Schnetzer. Bei der Inhaberin des „vom Fass“ in der Lange Straße gab es in den vergangenen fünf Jahren unter anderem hochwertige Weine, Spirituosen und Öle zu kaufen. „Ich habe die Corona-Krise definitiv nicht überlebt“, bedauert Schnetzer im BT-Gespräch die Tatsache, ihren kleinen Laden in den nächsten Wochen schließen zu müssen. Eine Räumungsklage ihrer Vermieter sei der Grund, „ich kann die Miete einfach nicht mehr zahlen“. Die vergangenen Wochen, doch vor allem das Vorweihnachtsgeschäft, nutzte Schnetzer noch aus, um für ihre Kunden da zu sein.

Ziemlich überschaubar: Trotz des angekündigten Lockdowns sind kaum Kunden in der Stadt unterwegs. Foto: Sarah Gallenberger

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Ziemlich überschaubar: Trotz des angekündigten Lockdowns sind kaum Kunden in der Stadt unterwegs. Foto: Sarah Gallenberger

Das Weihnachtsgeschäft genutzt haben auch die anderen Einzelhändler der Baden-Badener Innenstadt. „Viel los war aber nicht“, berichtet Ute Gantner ernüchtert. Als Buchhändlerin bei Thalia habe sie bereits einige Jahre den Baden-Badener „Weihnachtstrubel“ mitbekommen, „aber dieses Mal war deutlich weniger los“. Eine Ausnahme seien da auch nicht die beiden letzten Tage vor Ladenschließung, „an denen wir mit viel mehr Kundschaft gerechnet haben“. Schließlich sei seit dem Wochenende bereits klar gewesen, dass der Lockdown ab Mittwoch nur noch das Online-Shopping erlaubt.

Auch im Rest der Innenstadt ist nicht viel Kundschaft zu sehen. Zwar verirrten sich einige Kunden in den einen oder anderen Laden. Jedoch alles mit reichlich Abstand und ohne Gedrängel, „die Menschen sind sehr entspannt“, reflektiert Birgül Ipek die vergangenen Tage.

Die Storemanagerin von Swarovski ist zu Weihnachten deutlich mehr Kundschaft gewöhnt, „vor allem Männer suchen kurz vor knapp noch nach einem Geschenk“. Aufgrund des Lockdowns ist kurzfristiges Einkaufen dieses Jahr allerdings nicht möglich. „Daran scheinen sich die Leute aber schon gewöhnt zu haben“, so Ipek. Sie versucht trotz der Umstände der aktuellen Situation etwas Positives abzugewinnen: „Dieses Jahr sind einige der Männer deutlich früher mit ihren Geschenken dran.“


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