Kater Yoshi auf Streifzug in Gaggenau

Gaggenau (mo) – Kater Yoshi ist in Gaggenau stadtbekannt. Zu Hause lässt die Fellnase sich nur selten blicken, denn das Reisebüro ist sein Lieblingsort.

On tour: Der Kater Yoshi flaniert gerne durch die Stadt. Dabei stattet der Freigänger dem ein oder anderen Laden einen Besuch ab. Foto: Sophie Pommerening

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On tour: Der Kater Yoshi flaniert gerne durch die Stadt. Dabei stattet der Freigänger dem ein oder anderen Laden einen Besuch ab. Foto: Sophie Pommerening

Die Gaggenauer Innenstadt ist Yoshis Revier. Sein Lieblingsplatz ist das TUI-Reisebüro in der Klehestraße. „Yoshi ist fast täglich hier“, berichtet Angestellte Emmi Sahiner: „Meistens steht er morgens pünktlich zu Arbeitsbeginn bei uns auf der Matte.“ Tagsüber döst der Kater dann auf dem Sofa, auf dem normalerweise die Kunden Platz nehmen.

Yoshi ist in Gaggenau eine kleine Berühmtheit. In dem sozialen Netzwerk Facebook finden sich haufenweise Fotos des stadtbekannten Katers. Yoshi auf einer Mauer im Murgpark. Yoshi vor dem Kauflädle. Yoshi im Eingang von Peters guter Backstube. Yoshi vor der Kneipe Krazy Kanguruh am Bahnhof. Yoshi auf Vogeljagd vor dem Ordnungsamt. Yoshi bei der Fußpflege. Sogar in das Schlafzimmer einer Nutzerin hat der Kater es schon geschafft. „Der Balkon war offen. Yoshi ist einfach reingelaufen“, schreibt Monika Flanjak zu dem Schnappschuss.

Unter den Facebook-Beiträgen häufen sich Emojis mit Herzchenaugen und entzückte Kommentare. „Der Star“ oder „der Prinz von Gaggenau“ heißt es etwa. „Der Einzelhandel sollte Yoshi als offizielles Maskottchen etablieren“, fordert ein Nutzer. „Gibt es schon Tassen, Poster oder sonstige Merchandising-Artikel von ihm?“, erkundigt sich ein anderer.

Kater kommt von einem Bauernhof

Besitzerin Anja Iffländer aus Bad Rotenfels nennt Yoshi stolz ihren „Gaggenauer City-Kater“. Vor fünf Jahren hat sie ihn von einem Bauernhof geholt. „Yoshi ist ein Freigänger“, sagt ihre Tochter Antonia Iffländer: „Ihn drinnen zu halten, wäre Tierquälerei.“

Seit einer Operation am Fuß sei Yoshi ein bisschen verwirrt. Oft komme er tagelang nicht nach Hause. „Am Anfang haben wir uns noch Sorgen gemacht und nach ihm gesucht“, erzählt Antonia Iffländer. Einmal hätten sie den Kater auf einem Pfad in Richtung Ortenau eingesammelt. Ein anderes Mal habe er es bis nach Gernsbach geschafft.

Das Problem: Öfter werde Yoshi während seiner Streifzüge gefüttert. Eine Frau habe den Kater sogar einmal mit nach Hause genommen, sagt Iffänder. Rund zwei Wochen verbrachte die Fellnase dort, ohne dass seine Besitzer Bescheid wussten. Als die Frau ihn dann zum Tierarzt brachte, las der den Chip des Katers aus und benachrichtigte die Iffländers.

„Solche Fälle haben wir total oft“, berichtet Charlotte Willuhn. Sie ist Tierärztin in der Tierklinik am Scheibenberg in Hörden. Yoshi sei ihr zwar bisher noch nicht untergekommen. Dafür aber etliche andere Freigänger-Katzen, die Passanten fälschlicherweise für Streuner oder entlaufene Katzen halten. Willuhn rät, Katzen laufen zu lassen, wenn sie äußerlich einen guten Eindruck machen. Zum Tierarzt sollte man nur dann fahren, wenn die Katze abgemagert oder verwahrlost ist oder offene Verletzungen hat.

Freigänger landen irrtümlich im Tierheim

Wird eine Katze in der Tierklinik abgegeben, muss Willuhn sie untersuchen und ihren Chip auslesen, um den Besitzer ausfindig zu machen. In manchen Fällen muss die Tierärztin das Tier außerdem entflohen oder entwurmen. Dann wird es für den Besitzer teuer, der die Kosten für die Behandlung trägt.

Auch im Tierheim Rastatt geben immer wieder Menschen Katzen ab, die eigentlich jemandem gehören. „Des Öfteren werden uns auch Totfunde gebracht“, sagt Leiterin Saskia Joeres. Denn Freigänger-Katzen an stark befahrenen Straßen leben gefährlich.

Generell hänge es vom Charakter der Katze ab, ob man sie nach draußen lassen sollte, sagt Joeres. Katzen, die bereits über einen längeren Zeitraum draußen gelebt haben, sollten zum Beispiel nicht ausschließlich in der Wohnung gehalten werden. Joeres empfiehlt: Katzen sollten die ersten sechs bis acht Wochen in der Wohnung bleiben, um sich an die Umgebung zu gewöhnen. Bei ihrem ersten Freigang sollte der Besitzer beobachten, wie sich das Tier verhält.

Yoshi bekommt viel Zuneigung im Reisebüro

Die Iffländers wissen mittlerweile, wo ihr Yoshi sich herumtreibt. Mit dem TUI-Reisebüro stehen sie in regem Kontakt. Regelmäßig holen sie Yoshi dort ab. „Bei uns schläft und frisst er dann die ganze Zeit“, erzählt Antonia Iffländer. Lange halte er es aber nie zu Hause aus.

Warum sich Yoshi im TUI-Reisebüro so wohl fühlt? „Bei uns bekommt er besonders viel Zuneigung“, verrät Emmi Sahiner: „Und hin und wieder auch ein Leckerli.“ Auch die Kunden liebten ihn.

Bei der Konkurrenz ist man ein bisschen neidisch auf den felligen Gast. „Yoshi habe ich bei uns noch nie gesehen“, bedauert Jutta Mast, Angestellte im Dertour-Reisebüro in der Hauptstraße. Der Kater sei jederzeit willkommen, sagt Mast: „Aber meine Kollegin hat eine Katzenhaarallergie.“

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Von Marie Orphal

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Erstellt:
2. Februar 2022, 19:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 23sec

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