Katholische Kirche sensibilisiert Erzieherinnen

Rastatt/Durmersheim (ema) – Personal sensibilisieren, mehr Fortbildung, Umbauten: Die katholische Kirche als Kita-Träger reagiert auf den Missbrauchsfall in Wintersdorf.

Zum Schutz der Kinder sollen auch die Kita-Gebäude umgebaut werden. Symbolfoto: Peter /dpa/Archiv

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Zum Schutz der Kinder sollen auch die Kita-Gebäude umgebaut werden. Symbolfoto: Peter /dpa/Archiv

Im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen sexuellen Missbrauch durch einen Erzieher im katholischen Kindergarten Wintersdorf hat die katholische Verrechnungsstelle weitere Konsequenzen in die Wege geleitet. Öffentlich gemacht hat das jetzt der Gesamtelternbeirat Durmersheim, der sich an den Träger gewandt hatte. Hintergrund: Der verdächtige Sexualstraftäter arbeitete von August 2013 bis Dezember 2015 im Kindergarten St. Thomas in Würmersheim.
Nach Darstellung der Verrechnungsstelle werde von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die schon sehr lange in den Kindergärten tätig sind, im Nachgang ein erweitertes Führungszeugnis angefordert, sodass von allen Beschäftigten in den Kindergärten eine solche Auskunft vorliegt. Die Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses ist derzeit Voraussetzung für die Einstellung; alle fünf Jahre werde es nun erneut verlangt.

„Grenzachtender Umgang“

Der Träger weist darauf hin, dass bereits seit 2015 alle neueingestellten und vorhandenen Beschäftigten an der Präventionsschulung zum „grenzachtenden Umgang“ teilnehmen, die im Auftrag der Erzdiözese Freiburg durchgeführt wird. Das Thema „grenzachtender Umgang“ werde bereits in den Vorstellungsgesprächen angesprochen. Und: Man lasse grundsätzlich alle neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hospitieren, um auch in dieser Hinsicht einen besseren Eindruck von ihnen zu bekommen. Zumindest die Mitarbeiter des Kindergartens St. Thomas in Würmersheim haben laut Verrechnungsstelle bereits an der Fortbildung des Caritasverbands Rastatt zum Thema „Verstehen–Begleiten–Schützen“ teilgenommen. Andere Kita-Teams sollen folgen. Außerdem will die Verrechnungsstelle für alle Einrichtungen die „Starke-Kinder-Kiste“ über die Hänsel-und-Gretel-Stiftung erwerben. Diese Kiste enthält Präventionsmaterial für die Kitas vor Ort.

„Wir sind uns darüber im Klaren, dass all diese Schutzmechanismen nur Wirkung zeigen, wenn vor Ort in den Einrichtungen die Leiterin die Arbeits- und Verhaltensweisen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Blick hat, aber auch das Personal untereinander aufeinander achtet“, heißt es in dem Schreiben an den Gesamtelternbeirat. Dazu halte man die Beschäftigten an und weise sowohl auf die arbeits- und strafrechtlichen als auch moralischen Konsequenzen im Falle des Nichtbeachtens hin. „Dies haben wir mit den Leiterinnen nochmals erörtert. Die Schutzmechanismen wirken nur dann, wenn sich alle der Verantwortung bewusst sind. Das ist unser größtes Anliegen“, schreibt die Verrechnungsstelle.

Unabhängig davon plant der Träger weitere Maßnahmen zur Vorbeugung in den katholischen Einrichtungen. Um die Transparenz zu erhöhen, werden im Kindergarten St. Thomas im kommenden Jahr sämtliche Türen, die bisher noch keinen Glasausschnitt haben, entsprechend nachgerüstet. Auch bei den laufenden und anstehenden Sanierungsarbeiten der Kindergärten St. Bernhard und St. Lioba wolle man das berücksichtigen.

Im Kindergarten St. Michael Wintersdorf hat sich nach einer Begehung die Stadt Rastatt als Eigentümerin entschlossen, Lichteinschnitte in Türen und Zwischenwänden zu installieren, um dauerhaft Blickbeziehungen in die Räume zu ermöglichen. Außerdem sollen Rauchabschnittstüren, die für Kinder nur schwer zu öffnen sind, so aufgerüstet werden, dass sie immer offen stehen.

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