Katz und Faißt: Peking im Visier

Baiersbronn (BNN) – Langläufer Andreas Katz und Kombinierer Manuel Faißt, beide vom SV Baiersbronn, müssen sich auf dem Weg zu Olympia gegen starke Konkurrenz durchsetzen.

„Ich will zu Olympia und da ist mir so ein Kaderstatus relativ egal“, sagt Andreas Katz. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

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„Ich will zu Olympia und da ist mir so ein Kaderstatus relativ egal“, sagt Andreas Katz. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Langläufer Andreas Katz mischte schon bei WM und Olympia mit und flog vor der Saison dennoch aus dem Kader der Besten. Auch für Kombinierer Manuel Faißt ist der Weg zu den Winterspielen steinig. Dennoch ist das Baiersbronner Duo Peking bereits ein gutes Stück nähergekommen.

Wenn die Adventszeit beginnt und die Wintersport-Saison Fahrt aufnimmt, kreuzen sich die Wege von Katz und Faißt in schöner Regelmäßigkeit. Die beiden Baiersbronner begegnen sich dann normalerweise im hohen Norden, mehrere tausend Kilometer von ihrer Heimat entfernt.

Diesmal fielen die obligatorischen Treffen des Langläufers und des Nordischen Kombinierers im finnischen Ruka und im norwegischen Lillehammer allerdings aus: Katz durfte bei den ersten beiden Weltcup-Stationen nicht mitmischen.

Geht der Plan der beiden Schwarzwälder auf, wird es aber Anfang Februar in Peking ein Wiedersehen geben. Katz und Faißt haben die Winterspiele in China fest im Blick, auch wenn sie das Olympia-Ziel aus dem Windschatten der nationalen Konkurrenz in Angriff nehmen.

Katz feiert Saisonpremiere

Langläufer Katz wird erst an diesem Wochenende in Davos seine Saisonpremiere im Weltcup feiern. Zuvor hatte er sich durch gute Platzierungen beim zweitklassigen Continental Cup für einen Startplatz in der Schweiz empfohlen. Für den 33-Jährigen war dieser Umweg eine ungewohnte Erfahrung, zählt er doch nicht erst seit seinen starken Auftritten über 50 Kilometer bei Olympia 2018 (Platz 14) und bei der WM 2019 (Platz 13) zur deutschen Langlauf-Elite.

Doch in der Vorsaison lief es für Katz ganz und gar nicht nach Plan. Im Vorfeld hatte er krankheitsbedingt länger pausieren müssen, dann übernahm er sich im Dezember im Training. Die Folge: Im neuen Jahr blieben die guten Ergebnisse aus und die Nordische Ski-WM im Frühjahr fand ohne Katz statt, weshalb er zur neuen Saison seinen bisherigen Kaderstatus verlor.

Und so musste er sich ohne vom Verband organisierte Lehrgänge und Trainingslager durch die Vorbereitung kämpfen. Schwierig sei es in dieser Zeit gewesen, das eigene Leistungsvermögen richtig einzuschätzen, bekennt Katz.

Sein Kampfgeist litt unter der Degradierung aber nicht – im Gegenteil. „Mein Motto ist ja ,Leidenschaft siegt‘. Ich will zu Olympia und da ist mir so ein Kaderstatus eigentlich relativ egal“, sagt er trotzig.

Und tatsächlich hat sich der gebürtige Freudenstädter, der in Baiersbronn aufgewachsen ist und nun in Ruhpolding wohnt, in den vergangenen Wochen in die erste Riege zurückgearbeitet. In Davos peilt er nun am Sonntag im Freistil-Rennen über 15 Kilometer eine Top-30-Platzierung an.

Damit würde er sich für einen Start bei der Tour de Ski empfehlen, die um den Jahreswechsel in der Schweiz, Deutschland und Italien ausgetragen wird. Für ein Peking-Ticket muss der Spezialist für die längeren Distanzen im Weltcup zweimal unter den besten 15 oder einmal unter den besten Acht landen.

Große Konkurrenz im eigenen Team

Angesichts der schier übermächtigen Konkurrenz aus Russland und Norwegen ist das ein schwieriges Unterfangen. „Die letzten Jahre war das schon immer knapp mit den Top 15, aber es ist machbar“, sagt Katz, der sich gut vorstellen kann, seine Karriere auch nach Olympia fortzusetzen. Er mache die Sportart einfach „saugern“.

Zweimal Top 15 oder einmal Top acht? Für Kombinierer Faißt kein Problem. Er knackte bereits am ersten Weltcup-Wochenende, an dem er die Plätze fünf, 13 und sieben belegte, die Norm. Den Sprung nach Peking hat der 28-Jährige deshalb noch längst nicht geschafft.

Kombinierer Manuel Faißt ist derzeit viertbester Deutscher im Weltcup. Foto: Geir Olsen/dpa

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Kombinierer Manuel Faißt ist derzeit viertbester Deutscher im Weltcup. Foto: Geir Olsen/dpa

Faißts Problem ist, anders als bei Katz, nicht die internationale Konkurrenz, sondern die im eigenen Team. Im Gegensatz zum Langlauf, bei dem alle Athleten mit erfüllter Norm mit zu Olympia dürfen, fährt bei den Kombinierern maximal ein Quintett zu den Winterspielen.

Aktuell gehören sieben Deutsche zu den besten 25, sechs stehen unter den Top 15. Faißt belegt nach seinem gelungenen Auftakt in Ruka und Lillehammer im Gesamt-Weltcup als viertbester Deutscher derzeit Rang zehn. Diesen hatte er auch in den vergangenen drei Jahren jeweils am Ende der Saison eingenommen.

„Wenn da mal ein einstelliger Platz herausspringen würde, wäre es schon schön“, benennt Faißt eines seiner Ziele. Weitere gute Ergebnisse an diesem Wochenende im estnischen Otepää, wo zwei Einzelwettbewerbe anstehen, würden dabei helfen. Und damit würden sich auch seine Chancen auf ein Peking-Ticket weiter verbessern. Für Faißt wäre es der erste Auftritt auf der olympischen Bühne, auf der seine Teamkollegen schon mächtig für Furore gesorgt haben.

Bei den Spielen 2014 in Sotschi und 2018 in Pyeongchang hatten Eric Frenzel, Johannes Rydzek und Fabian Rießle Medaillen en masse abgeräumt und sich den Spitznamen „Dominierer“ verdient. Beim Stichwort „Kombination“ denkt man in Deutschland vor allem an das Trio, Faißt stand bislang meist in dessen Schatten.

„Witzig, wenn man sich wiedersieht“

Inzwischen sind die Karten im Team von Bundestrainer Hermann Weinbuch allerdings neu gemischt. „In der Vorbereitung waren wir alle auf einem relativ ähnlichen Stand. Grundsätzlich kann in der Mannschaft jeder jeden schlagen“, sagt Faißt, der mittlerweile in Oberried bei Freiburg lebt. „Wenn es weiter konstant gut läuft, so wie es jetzt losging, besteht die Chance, dass ich bei Olympia mit dabei bin.“

Und vielleicht hat der SV Baiersbronn dann sogar zwei Eisen im Feuer. „Es ist immer ganz witzig, wenn man sich wiedersieht“, findet Katz, der ab und an auch die Dritte im Bunde trifft. Svenja Würth, die ebenfalls aus Baiersbronn stammt, sieht er aber nur beim Training in Ruhpolding. Die Nordische Kombination der Frauen wird frühestens 2026 olympische Premiere feiern.

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Ihr Autor

unserem Mitarbeiter Marius Bücher

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Erstellt:
11. Dezember 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 59sec

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